Speis‘ und Trank


Gesunde und ausgewogene Katzenernährung

Vorabveröffentlichung aus dem Buchprojekt
„Kleine Tiger im Wohnzimmer – Das Katzenbuch (nicht nur) für Teens“

Deine Katze benötigt immer frisches Wasser. Reinige den Wassernapf also täglich und fülle ihn neu auf. Beachte bitte, dass der Wassernapf nie direkt neben dem Futternapf stehen soll, sonst trinkt deine Katze nicht gerne. Das liegt daran, dass unsere Hauskatze von Wüstenbewohnern abstammt. Im heißen Wüstenklima wird Fleisch sehr schnell schlecht. Daher trinken Katzen nicht dort, wo die gammelige Maus herumliegt, denn das Wasser könnte dann mit Bakterien und Parasiten verseucht sein. Natürlich gibt es bei dir frisches Futter, das nicht verwest, aber deine Katze denkt da eben immer noch wie ein Wüstenbewohner. Bitte stelle also den Wassernapf mindestens zwei Meter vom Futternapf entfernt auf, vielleicht sogar in einen andern Raum – natürlich nicht neben das Katzenklo, denn du würdest ja auch nicht gerne neben der Toilette trinken oder essen wollen. Und noch ein Problem gibt es mit den Wüstenbewohnern: sie trinken wenig. Unsere Katzen müssen aber trinken, vor allem wenn sie gerne Trockenfutter fressen. Um deiner Mieze das Trinken „schmackhaft“ zu machen, stelle am besten mindestens zwei Wasserschalen in verschiedenen Zimmern auf, dann wird sie während ihrer täglichen Gänge daran „erinnert“, dass man ja trinken kann.
Als Wasserschale wähle bitte eine Porzellanschüssel oder eine ungiftig glasierte Keramikschale. In Aluminiumschalen schmeckt das Wasser oft metallisch, das mag deine Katze nicht.
Eine Alternative ist ein Zimmerbrunnen oder ein Katzenbrunnen. Viele Tigerchen trinken gerne, wenn sich das Wasser bewegt (so wie in einem Bach). Einen Zimmerbrunnen musst du peinlich sauber halten, so wie die Wasserschüsseln, weil sich sonst Algen und Bakterien festsetzen. Ein spezieller Katzenbrunnen hat einen Aktivkohlefilter, so dass das Wasser immer sauber und frisch ist. Hier brauchst du nur Wasser auffüllen und alle zwei Wochen den Brunnen reinigen und den Filter wechseln.
Bitte gib deiner Katze keine Kuhmilch zu trinken! Milch ist ein Lebensmittel und keine Flüssigkeitszufuhr. Außerdem vertragen die meisten erwachsenen Katzen die Milch nicht mehr (Milch ist ja in der Natur nur für Kinder gedacht) und bekommen Durchfall (dies nennt sich Lactoseunverträglichkeit). Wenn du deiner Mieze ab und zu Milch geben möchtest (Achtung, sie enthält viele Kalorien, man muss dann also das feste Futter reduzieren!), dann kaufe lactosefreie Milch (gibt es im Reformhaus, aber auch schon in vielen Supermärkten) oder spezielle Katzenmilch. Da dies ziemlich teuer ist, gib ihr lieber ab und zu einen Teelöffel Naturjoghurt oder Hüttenkäse zu schlabbern. Das vertragen Katzen gut und schmeckt ihnen auch.

Sicher ist dir schon aufgefallen, wie viele Katzenfuttersorten es gibt. In der Fernsehwerbung sieht man glückliche Katzen um die Beine ihrer Menschen schmeicheln. Man könnte also meinen, dass das bestimmt ein gutes Futter ist… aber du solltest keiner Werbung einfach so glauben! Unternehmen machen Werbung, weil sie ihre Produkte verkaufen wollen. Wer viel Werbung macht, hat oft nicht mehr soviel Geld, um auch auf die Qualität der Produkte zu achten. Leider ist so auch beim Katzenfutter.

Katzen sind Fleischfresser. In der Natur würden sie pro Tag ungefähr 15-20 Mäuse fangen und größtenteils auch verzehren. An so einer Maus ist ja auch nicht viel dran, aber die Katze frisst auch Fell und Knochen mit. Diese Nebenstoffe braucht die Katze, um z.B. die Zähne und den Darm zu reinigen.

Und nun schau‘ dir mal die Etiketten auf einer Futterpackung an (egal, ob es Trocken- oder Nassfutter ist). Der erste genannte Inhaltsstoff ist am häufigsten im Produkt drin, der letztgenannte am wenigsten.
Sollte als erster Stoff irgendetwas aus Getreide stehen, lass‘ das Produkt bitte im Regal, deine Katze ist kein Körner- oder Maisfresser!
Wenn als erster Stoff Fleisch und/oder „Tierische Nebenprodukte“ steht, dazu in Klammern z.B. „4% Ente“, dann heißt das, dass da nur mindestens 4 % Entenfleisch sicher drin ist – aber über den anderen Inhalt erfährst du nichts! Das kann also Abfallfleisch aus der Tierverwertung sein, weil wir Menschen z.B. nicht mehr alles vom Rind verwenden (z.B. Klauen oder Haut). Möchtest du deiner Katze Abfall füttern?

Bitte achte ganz besonders darauf, dass kein Zucker oder Karamell enthalten ist! Deine Katze braucht keinen Zucker, und genau wie du kann sie davon Karies bekommen! Da sich Katzen die Zähne nicht selbst putzen und auch ungern von dir putzen lassen, bilden sich Zahnbeläge… irgendwann stinkt deine Katze aus dem Maul, das Zahnfleisch schwindet und die Zähne fallen aus oder müssen gezogen werden. Bitte erspare das deinem Stubentiger!

Was also füttern?
Trockenfutter ist praktisch, da es keinen Schmutz macht. Aber die meisten Trockenfuttersorten sind bei der Produktion so stark erhitzt worden, dass alle Vitamine und Mineralstoffe zerstört wurden. Die Hersteller fügen dann künstliche Stoffe wieder dazu, damit das Futter einen Nährwert hat. Statt Natur erhält deine Katze dann Chemie. Es gibt bereits Studien, dass chemisch hergestellte Vitamine vom Körper nicht so gut verwertet werden können wie natürliche. Außerdem werden häufig Konservierungsstoffe zugesetzt, um das Futter länger haltbar zu machen. Wie in der Menschenernährung ist aber auch hier „frisch“ am besten. Also lieber keine Konservierungsstoffe und schneller verbrauchen.
Da Katzen eh‘ nur wenig trinken, kann es sein, dass deine Katze bei ausschließlicher Trocken-Fütterung zu wenig Flüssigkeit aufnimmt, und das kann auf die Dauer z.B. zu Nierenproblemen führen.
Also ist Trockenfutter nicht die beste Wahl, aber es gibt Katzen, die bestehen darauf! Die Tigerchen sind manchmal mäkelige Esser nach dem Sprichwort „Was der Bauer nicht kennt, frisst er nicht“.
Wenn es also Trockenfutter sein muss, dann achte auch darauf, dass es einen hohen Fleischanteil hat (mind. 45%) und dass es keine Konservierungsstoffe oder chemischen Zusätze enthält.
Wofür du Trockenfutter gut verwenden kannst, ist zum Spielen! Du kannst z.B. so ein Bröckchen werfen und deine Katze darf es jagen. Oder du versteckst es, und sie darf es suchen. Auch als Belohnung für ein kleines Kunststückchen ist Trockenfutter gut. Viele Spielideen findest du im entsprechenden Kapitel. Bitte denke aber daran, dass du die „Spielbröckchen“ von der Tagesfutterration abziehst, sonst wird deine Katze zu dick.

Also lieber Nass- oder Feuchtfutter kaufen. Ob das in Schalen, Dosen oder Beutelchen verpackt ist, ist wirklich egal, denn auch hier kommst es auf den Inhalt an! Achte auch hier also auf den Fleischanteil – und dass dieser vollständig angegeben ist (also nicht nur z.B. 4%). Außerdem soll auch dieses Futter keinen Zucker und keine Konservierungsstoffe enthalten.
Insofern ist es auch egal, ob das Futter in Stückchen oder in Pastetenform aufbereitet ist. Bei den Stückchen hat eine Katze mehr zu kauen. Es gibt aber welche, die dann nur die Soße aufschlecken und die Bröckchen liegen lassen. Und es gibt auch welche, die nur Pastete und keine Stückchen wollen! Das kannst du deiner Katze also wie gewünscht vorsetzen, solange die Qualität stimmt.

Selbst kochen, auch das geht! Von einer warmen Mahlzeit in der Familie kann auch was für deinen Tiger „abfallen“. Allerdings bitte keine Tischreste, denn gewürzte Speisen tun deiner Katze nicht gut! Man kann aber z.B. beim Zubereiten vom Fleisch ein wenig abschneiden und ungewürzt mitbraten. Vom Bratensaft oder von einer Hühnerbrühe kann man ein wenig für die Katze abzweigen, bevor man es würzt. Gewürzte Soße darf Mieze also nicht bekommen. Auch Fisch kann man andünsten und dann vor dem Würzen ein wenig für den Tiger abschneiden. Die meisten Katzen mögen Gemüse nicht man kann ihr aber ruhig ein wenig davon in ihre normale Mahlzeit einrühren. Gemüse kann der Katzenkörper in rohem Zustand allerdings nicht verwerten, es muss also püriert werden. Auch wenig gekochter Reis darf mal sein, aber bitte keine Nudeln oder Kartoffeln. Eine Prise klein geschnittene Küchenkräuter kann man ebenfalls auf das Futter geben.

Und wie ist es mit den Knochen? Viele Leute geben ihren Katzen die Brathähnchen-Knochen zum „abnagen“. Meistens verletzen sich die Katzen tatsächlich nicht daran. Aber es gibt zwei Gründe, warum du das nicht machen solltest:
Das Brathähnchen ist gewürzt, das tut deiner Katze nicht gut.
Gekochte oder gegarte Knochen können splittern! Wenn dein Tiger einen solchen Knochen verschluckt, kann es böse Verletzungen in Rachen oder Speiseröhre geben!
Rohe Knochen dagegen sind völlig problemlos, denn diese können nicht splittern. Rohe Knochen oder Knorpel mit etwas Fleisch daran kannst du deiner Katze also ruhig geben. Wenn man also Fleisch vor dem Zubereiten ausbeint, bleibt auch immer etwas für deinen Tiger übrig. Man kann ihm vom Geflügel z.B. auch die rohen Unterschenkel geben, bevor das Tier gebraten oder gekocht wird. Die meisten Katzen lieben es, ein Stück Fleisch mit Knochen zu bekommen. Sie nagen diesen dann ganz eifrig ab und sind auch eine ganze Weile beschäftigt. Das macht Spaß und ist gesund!

Wie viel Futter deine Katze pro Tag benötigt, ist individuell ganz verschieden! Es kommt darauf an, ob deine Katze groß oder klein ist, eine kleine Kätzin oder ein imposanter Kater, welcher Rasse sie angehört, ob sie Freigänger ist oder nur in der Wohnung lebt, ob sie kastriert ist oder nicht, ob sie allgemein sehr lebhaft und verspielt oder eher träge und faul ist.
Spezialfutter für Katzenkinder solltest du nur geben, bis die Katze ungefähr ein halbes Jahr ist. Sonst setzt dein Tigerchen schnell Speckröllchen an!
Katzen werden schnell dick, und genau wie bei den Menschen tut das deiner Mieze nicht gut. Achte also auf ihr Gewicht. Dazu kannst du sie regelmäßig wiegen. Du kannst das richtige Gewicht bei einer Katze auch durch Fühlen feststellen. Dazu streichst du mit beiden Händen seitlich am Körper an den Rippen entlang. Die Rippen solltest du dabei „etwas“ spüren, sie dürfen aber weder knochig hervorstehen, noch gar nicht mehr zu fühlen sein. Wenn du dir nicht sicher bist, lass‘ dir das vom Tierarzt oder Tierheilpraktiker zeigen.

Wichtig ist auch die Häufigkeit der Fütterung. Wie bereits gesagt, würde eine Katze in der Natur mindestens 10 x pro Tag eine Maus verspeisen. Manche jagen eher nachts, manche mehr tagsüber, aber immer über 24 Stunden verteilt, unterbrochen von Schlafphasen. So ist also auch der ganze Stoffwechsel deiner Katze darauf eingerichtet, häufige, aber kleine Portionen zu verwerten.
Wenn du deiner Katze nur zweimal pro Tag große Portionen vorsetzt, ist das also nicht so günstig und kann in höherem Alter zu gesundheitlichen Problemen führen (.B. Zuckerkrankheit).
Versuche es also einzurichten, dass deine Katze mindestens dreimal täglich gefüttert wird, falls sie nicht selbst auf Mäusejagd gehen kann.
Wenn ihr alle tagsüber nicht zuhause seid, kann man z.B. einen Futterautomaten programmieren, der sich dann mittags öffnet.
Es gibt auch Katzen, denen man eine gefüllte Schale Trockenfutter hinstellen kann, und die sich selbst bedienen. Sie holen sich dann ab und zu ein paar Bröckchen (der Tierarzt sagt dazu „ad libitum-Fütterung“ = “nach Belieben“). Das geht aber nur, wenn deine Katze nicht einfach alles in sich hinein schaufelt (besonders kastrierte Kater neigen häufig dazu). Nicht nur, dass dann nichts mehr für später da ist, führt das auch schnell dazu, dass deine Mieze zu dick wird!

Die dritte Fütterungsmöglichkeit ist die Rohfütterung, auch BARF genannt (=Biologisch artgerechte Roh-Fütterung). Hier wird das Futter selbst gemacht!
Man mischt dazu ca. 80-90% Fleisch mit 10-20 % Gemüse. Dazu kommt dann noch etwas hochwertiges Öl (z.B. Nachtkerzen- oder Leinöl) und Mineralpulver mit Taurin.
Das jeden Tag machen zu müssen, ist etwas mühsam, daher kauft man am besten alle Zutaten für etwa vier Wochen, mischt das Futter und friert dann einzelne Tagesrationen ein. Man braucht dafür natürlich eine Tiefkühltruhe oder einen ausreichend großen Gefrierschrank. So hat man nur einmal im Monat die Arbeit und taut dann die jeweilige Tagesration am Vorabend auf (natürlich wird auch diese Tagesration in mehrere Portionen verteilt). Ganz wichtig ist, dass du deiner Katze niemals Gefrorenes oder Kühlschrank-Kaltes geben darfst, sie kann sonst Magenschmerzen oder Durchfall bekommen.
Mit der Rohfütterung muss man sich etwas mehr beschäftigen, da deine Katze ja alles bekommen soll, was für eine gute Ernährung notwendig ist und keinen Mangel leiden soll! Aber so schwer ist es nun auch nicht.
An Fleisch kann man fast alles nehmen: Rind, Wild, Geflügel, Pferd, Seefisch (Fisch und Innereien aber bitte nur höchstens einmal die Woche, und als Ausnahme sollte Fisch immer gedünstet oder leicht angebraten werden)… nur kein Schwein und keinen Süßwasserfisch! Dabei darf es alles sein: Muskelfleisch, Innereien, Fleischknochen… es darf ruhig auch sehniges Fleisch sein, oder solches mit Haut oder Knorpel.
Beim Metzger kann man nach „Hundefutter“ fragen. Das ist Fleisch, das Menschen nicht so gerne essen (z.B. Innereien), aber trotzdem vollwertig ist. Es darf aber kein Pansen darin sein! Zum einen können Katzen den nicht gut verwerten, zum Anderen schmeckt er ihnen einfach nicht und sie lassen das Futter dann komplett stehen.
Das Fleisch wolft man (man kann es sich auch vom Metzger wolfen lassen) oder schneidet es mit dem Messer in gröbere Brocken (etwa Gulaschgröße), damit die Katze etwas zu kauen hat (damit putzt sie sich nämlich gleich die Zähne!). Es darf auch mal ein Eigelb dabei sein (aber kein rohes Eiweiß).
Ganz wichtig bei der Fleischverarbeitung ist die Hygiene! Schneidebretter, Messer, Fleischwolf etc. müssen nach der Arbeit in die Spülmaschine oder heiß mit Spülmittel abgewaschen werden, und auch die Arbeitsflächen müssen mit Putzmittel heiß gewischt werden. Sonst könnten sich Keime (z.B. Salmonellen) bilden und vermehren, die für Tier und Mensch gesundheitsschädlich sind, z.B. schwere Durchfälle verursachen.
An Gemüse kann man auch fast alles nehmen, außer Avocado, Tomaten und Zwiebelgewächse (also auch Knoblauch und Lauch). Am besten sind ganzjährig Möhren und Gurken zu bekommen. Gemüse muss grundsätzlich gekocht, püriert oder mit der Küchenmaschine zu Mus verarbeitet werden, sonst kann die Katze es im Darm nicht verwerten.
Dann Öl, das Mineralpulver und Taurin dazu (dazu muss man sich im Fachhandel oder vom Tierheilpraktiker beraten lassen, denn normale Zoogeschäfte oder Futtermärkte führen diese Produkte nicht!) und alles gut vermischen.
Zur Rohfütterung findest du im Anhang Buch-Tipps.
Man kann inzwischen auch fertiges Rohfutter bekommen, hauptsächlich im Internet, aber auch in speziellen Futter-Shops. Man bestellt die Menge für z.B. 4 Wochen (das Futter wird in gefrorenem Zustand per Post geliefert und muss sofort nach Erhalt bei euch in den Tiefkühler!) und kann dann täglich die benötigte Portion auftauen.

Nun kann es sein, dass du oder deine Eltern kein Fleisch verarbeiten möchten, z.B. weil sie Vegetarier sind.
Wir Menschen haben die Möglichkeit, uns für oder gegen Fleischkonsum zu entscheiden, weil wir von unserer Natur „Allesfresser“ sind und auch ohne tierische Produkte leben können – die Katze kann das aber leider nicht! Ihr ganzer Körper und damit auch das Verdauungssystem ist auf Fleisch angewiesen! Im Handel erhältliches „vegetarisches oder veganes Fertigfutter“ muss mit chemischen Stoffen so aufbereitet werden, dass es von der Katze überhaupt verwertet werden kann. Das ist auf Dauer aber wirklich nicht gesund. Du darfst daher deine Katze niemals vegetarisch oder gar vegan (also ganz ohne tierisches Eiweiß) ernähren!
Wenn bei euch zuhause also kein Fleisch verarbeitet wird, achte auf ein hochwertiges, gesundes Fertigfutter mit hohem Fleischanteil.

Wenn deine Katze Fertigfutter bekommt, solltest du deiner Katze ab und zu das Gefühl zu geben, dass sie „Beute“ hat und ordentlich kauen kann („Zähneputzen“). Gib ihr dazu ein- bis zweimal die Woche ein Stück rohes Fleisch. Das kann ein Hühnerflügel oder –unterschenkel sein, ein Stück Rindergulasch, ein gulaschgroßes Stück Leber oder gekochten Fisch (beides bitte nur einmal die Woche), 2-3 Hühnerherzen (auch hier kannst du beim Metzger oder an der Fleischtheke gleich mehrere Stücke kaufen und sie dann zuhause einfrieren), ein Eintagsküken oder eine Maus (tote Mäuse oder Küken erhälst du als Frostfutter im Reptilienfachgeschäft. Bitte verfüttere nie lebende Tiere, das wäre Tierquälerei)! Je nach dem, was du gut besorgen kannst. Denke daran, das Fleisch rechtzeitig vor der Fütterung aufzutauen! Mäuse gibt man komplett, bei Eintagsküken ist anzuraten sie zu rupfen (Küken unter heißem Wasser abspülen, dann kann man die Haut mit den Federn von den Füssen an gut abziehen), weil deine Katze beim Rupfen sonst die ganze Küche „verwüstet“.
Bitte wasche rohes Fleisch, egal ob frisch gekauft oder aufgetaut, immer unter fließendem Wasser heiß ab, bevor du es deiner Katze gibst. Damit werden evt. auf der Oberfläche vorhandene Krankheitserreger abgespült. Die Flächen, wo deine Katze das rohe Fleisch gefuttert hat, solltest du hinterher ebenfalls gut reinigen, am besten mit heißem Wasser und Putzmittel.

Was aber nun, wenn deine Mieze das gesunde Futter einfach nicht annimmt, weil sie es nicht kennt?
Bei der Umstellung auf Rohfütterung ist das recht einfach, man probiert einfach aus, was ihr schmeckt. Manche Katzen sind es auch einfach nicht gewohnt zu kauen, dann kann man das Fleisch anfangs wolfen oder in kleine Stückchen schneiden und geht nach und nach auf größere Stücke über.
Beim Fertigfutter stellen sich manche Katzen wirklich an. Es kann sein, dass dein Tigerchen in den Napf guckt und sich dann mit Grausen abwendet. Vielleicht jammert Mieze dich dann sogar an, weil sie doch sooo verhungert ist! Lass‘ dich nun ja nicht erweichen, ihr lieber etwas anderes vorzusetzen! Sonst hast du in kürzester Zeit eine Katze, der du täglich viele verschiedene Döschen aufmachen musst, bis der „Herrschaft“ etwas „genehm“ ist. Und den Rest kannst du dann wegwerfen…
Es gibt zwei Möglichkeiten, deine Katze umzustellen. Die eine ist: du stellst ihr das Futter hin, und wenn sie es in einer Viertelstunde nicht aufgefuttert hast, nimmst du es ihr wieder weg und stellst es kühl. Diese Portion kann zumindest an diesem Tag noch mehrmals gereicht werden. Eine gesunde erwachsene Katze kann ruhig zwei Tage hungern. Sie wird dich volljammern, aber du musst unbedingt hart bleiben! Normalerweise wird deine Mieze am zweiten Tag fressen – außer sie ist Freigänger und geht „auswärts speisen“, z.B. zum Nachbarn!
Wenn die Radikalmethode nicht klappt, du ein junges Kätzchen oder einen Katzensenior hast oder sich deine Mieze anderswo bedienen würde, musst du das Futter langsam umstellen. Dazu mischst du eine winzige Menge (etwa Bohnengröße) neues Futter in das Gewohnte. Wichtig ist, dass du wirklich gut mischst, weil deine Katze das Neue sonst aussortiert. Jeden Tag steigerst du den Anteil des neuen Futters um einen kleinen Teil, z.B. einen viertel Teelöffel voll. Wenn deine Katze an einem Tag das Futter verweigert, musst du zwei Tage „zurück“, also die Neu-Menge von vor zwei Tagen einrühren. Diese Methode ist aufwendig, du musst mit mindestens zwei Wochen Umstellungszeit rechnen. Aber die meisten Katzen bekommt man so an das gute Futter. Es gibt allerdings ganz Hartnäckige (das sind meist ältere Katzen), die auf ihrem Anteil minderwertigen Futters bestehen und ansonsten lieber verhungern würden – dann mischt du das Futter, so gut es eben geht.

Braucht deine Katze Leckerchen? Nein, natürlich nicht, aber ist es nicht schön, deine Mieze ab und zu belohnen zu können, wenn sie etwas besonders toll gemacht hat oder sie besonders lieb war?
Auch hier musst du aber auf Qualität achten! Die meisten Leckerchen im Tierhandel enthalten Zucker oder Karamell und/oder sind sehr kalorienreich. Wie beim Futter bekommt dein Tiger also schlechte Zähne oder Übergewicht, und das alles schadet…
Als Snacks eignet sich daher am besten Trocken-Fleisch oder -Fisch. Diese Naturprodukte gibt es im Handel, du kannst sie aber auch selbst machen!
Dazu schneidet man Fleisch oder Fisch in kleine Stückchen (etwa daumennagelgroß) und legt sie auf ein Backblech (Backpapier unterlegen). Dann das Blech bei 60°C etwa eine Stunde in den Backofen (mit Umluft). Nach einer halben Stunde die Stückchen wenden. Prüfe ab und zu, ob die Stückchen schon gut durchgetrocknet sind, dann kannst du sie auch schon früher herausnehmen. Die fertigen Snacks legst du nach dem Abkühlen in eine gut schließende Plastikdose. Prüfe täglich, ob sie noch gut sind, sie riechen dann lecker und sehen gut aus. Noch besser ist es, wenn du die Leckerchen in mehreren Portionen in Folienbeutel einschweißen kannst. Backe nie mehr Leckerchen, als du in etwa vier Wochen verwendest.
Denke bitte daran, dass du die Snacks von der täglichen Futterration abziehen musst, sonst führt auch das zu Übergewicht.

Schön wäre es, wenn du alle Produkte, sowohl für die Rohfütterung als auch Fertigfutter in Bio-Qualität kaufst. Denn nicht nur deine Katze soll es gut haben, sondern auch die Nutztiere, die für das Futter sterben.

Was zur Katzenernährung auf jeden Fall noch dazu gehört, ist Gras! Nein, deine Katze ist keine Kuh, aber sie benötigt Gras zur Verdauung. Damit räumt sie den Magen auf. Katzen sind ja sehr reinlich und putzen sich gründlich das Fell. Dabei nehmen sie natürlich Haare auf, die sich dann im Magen zusammenballen. Das Gras sorgt nun dafür, dass diese Haarballen besser durch den Darm rutschen. Es kann aber auch sein, dass dein Tigerchen nach dem Grasfressen erbricht. Keine Bange! Das ist ganz natürlich, sie spuckt damit auch diese lästigen Haarballen aus.
Katzengras kannst du in der Gärtnerei oder im Tierfachgeschäft kaufen. Du kannst auch einfach Grassamen in einer flachen Schale ansähen. Sobald das Gras ca. 4 cm hoch ist, darfst du es deiner Katze vorsetzen. Wenn du einen Balkon hast, kannst du in der Gärtnerei auch ein Stück Rollrasen kaufen und diesen in eine flache Schale legen. Deine Katze wird sich darüber freuen, denn man kann es nicht nur essen, sondern sich auch reinlegen.

Andrea C. Schäfer
Tierheilpraktikerin/Tierpsychologin
www.thp-schaefer.de

Literatur:
Angela Münchberg: Katzen naturnah ernähren
Angela Münchberg: Kräuterbuch für Katzen
Anna Laukner: Katzen füttern: Gesund-lecker-appetitlich
Hans-Ulrich Grimm: Katzen würden Mäuse kaufen (Schwarzbuch Tierernährung)
Susanne Reinerth: Natural Cat Food
Kyra Stempell: Alles für die Katz – Rezepte für Naschkatzen
Rita Mae Brown: Sneaky Pies Katzenkochbuch
Birgit Frost: Naturnahe Ernährung für Katzen

Das stille Örtchen …

„Katzeklo, Katzeklo, ja das macht die Katze froh“, hat der Jazz-Musiker und Schauspieler Helge Schneider einmal gedichtet.

So unrecht hat er damit nicht, vielleicht ist er selbst Katzenhalter oder hat zumindest Erfahrung mit den Stubentigern.

Jede Katze benötigt im Haus eine Toilette. Auch Freigänger gehen gerne auf eine Wohnungstoilette, z.B. wenn das Wetter ungemütlich und nass ist. Aber auch wenn im Revier noch andere Katzen leben, geht sie vielleicht lieber in ihre Katzenkiste, weil sie sich durch ihre Ausscheidungen dann nicht verrät (Katzen erledigen ihr Geschäft nicht nur, weil sie „müssen“, sondern hinterlassen auch Urin- und Kotmarken zur Kommunikation mit anderen Katzen).

Zunächst ist wichtig, dass man seiner Katze mindestens zwei Klos anbieten sollte. Die kleinen Tiger setzen im Freien Kot und Urin an getrennten Stellen ab (u.a., um ihr Revier zu markieren). Wenn eine Katze dazu gezwungen ist, ihre Ausscheidungen an einem einzigen Platz zu machen, wird sie das aus der Not heraus natürlich tun, aber angenehmer für sie ist, wenn sie zu verschiedenen Stellen gehen kann. Wichtig wird das Ganze, wenn mehr als eine Katze im Haushalt leben! Häufig suchen sie nicht gerne Toiletten auf, in denen sich zuvor schon eine andere Katze erleichtert hat. Die ideale Zahl an Toiletten ist: „eins pro Katze + 1“. Bitte stellen Sie Katzenklos auch nicht alle nebeneinander, sondern verteilen Sie sie in der Wohnung, am besten an Stellen mit wenig Durchgangsverkehr (also nicht in den Flur oder ein Kinderzimmer). Katzen machen ihr Geschäft am liebsten heimlich.

Katzenklos gibt es in verschiedenen Formen und Ausführungen. Viele Menschen finden „Haubentoiletten“ praktisch, weil nicht so viel herausgescharrte und –getragene Streu in der Wohnung verteilt wird. Es gibt allerdings Katzen, die ein Haubenklo nicht betreten mögen. In der Natur gehen Katzen auch nicht in Höhlen, um ihr Geschäft zu verrichten. Besonders „unkätzisch“ sind Haubenklos mit Schwingtür. Wenn die Katze dort ihren Kot absetzt, finden das ihre empfindlichen Nasen überaus abstoßend! Auch für uns Menschen riecht es nicht nach „Veilchen“, aber man kaufe dagegen nicht das im Handel angebotene „Katzendeo“. Damit wird der Geruch nur überlagert, und es stinkt dann für die Katze nach Kot UND Deo – vielleicht mag sie so eine Toilette dann gar nicht mehr aufsuchen und wird ggf. unsauber.

Am besten bietet man seiner Katze normale rechteckige Toiletten an. Vor allem bei großen Katzen, z.B. Norwegische Waldkatzen, sollte man auch große Klos anbieten, denn die Katze soll ganz hineinsteigen und sich bequem hinhocken können. „Ecktoiletten“ sind meist zu klein, weil sich die Katze darin nicht gut umdrehen kann. Alternativ kann man auch Kunststoffwannen oder -kisten besorgen, die es im Haushaltswarenbereich gibt. Diese Wannen sind oft günstiger und haben einen hohen Rand, dadurch fällt nicht so viel Streu heraus. Für Katzenkinder sind diese Wannen jedoch leider nicht geeignet, weil sie noch nicht hineinspringen können.

Wichtig ist natürlich auch, was in das Kistchen hinein kommt: die Streu. Diese gibt es in den verschiedensten Sorten. Man wähle besser nicht billige Streusorten im Supermarkt, weil sie meist sehr stauben – sowohl Mensch als auch Katze atmen diese Stäube ein und diese sind gesundheitlich bedenklich.

Es gibt Klumpstreu und solche, bei der der Urin versickert. Da man die Kistchen sowieso peinlich sauber halten muss, ist man bei der Wahl der Streu frei, aber Klumpstreu ist für erwachsene Katzen praktischer. Man muss dann nur einmal täglich die Urinklumpen und den Kot mit einer Schaufel entfernen. Alle drei bis vier Wochen entsorgt man den kompletten Inhalt der Kiste, spült das Klo mit heißen Wasser aus (am besten nimmt man dazu eine Spülbürste, die nur für die Katzentoiletten verwendet wird – und wichtig: ohne Putz- oder Spülmittel!) und füllt mit neuer Streu auf auf. Bei einer nichtklumpenden Streu weiß man leider nie so ganz, wann es Zeit zur kompletten Neufüllung ist, denn die menschliche Nase ist nicht so fein wie die Katzennase. Bei einer nichtklumpenden Streu kann es je nach Qualität sein, dass man die Kisten bereits nach einer oder zwei Wochen komplett reinigen musst.

Qualität lohnt sich gerade bei Katzenstreu! Hochwertige Sorten binden Urin besser, und sind sehr viel ergiebiger. Trotz der vermeintlich hohen Kosten sind sie daher umgerechnet günstiger als minderwertige Ware.

Für Katzenkinder verwende man besser keine Klumpstreu. Wie Menschenbabys auch, nehmen auch Kätzchen erst mal alles ins Mäulchen und „probieren“, ob man es essen kann. Bei Versickerungsstreu ist es nicht so schlimm, wenn ein Bröckchen verschluckt wird, aber Betonit-Klumpstreu würde sich im Magen zusammen ballen. Notfalls müsste das Tier dann operiert und der Klumpen entfernt werden.

Streu gibt es aus verschiedenen Materialien. Je feiner und sandähnlicher die Streu, desto angenehmer ist das für die zarten Katzenpfötchen.

Hier ist zu einer Streu aus feinen Holzbröckchen oder Maisgranulat zu raten, denn die Urinklumpen können (je nach Anweisung des Entsorgungsunternehmens) ggf. in der Biotonne entsorgt werden (der Kot kann z.B. in der Menschentoilette entsorgt werden). Betonit-/Mineral- oder Keramik-Streu gehört auf jeden Fall in den Restmüll. Bei der Menge Streu, die in einem Katzenleben anfällt, sollten wir durchaus an die Umwelt denken!

Inzwischen gibt es auch „automatische“ Katzentoiletten, die entweder die Hinterlassenschaften mit einem Rechen in einen Aufbewahrungsbehälter schieben oder sogar mit Wasserspülung arbeiten. Das klingt zwar sehr praktisch, ist es aber nicht unbedingt. Es gibt nämlich Katzen, die es nicht mögen, wenn sich unter Ihnen etwas bewegt – oder die das Geräusch dieser Toiletten abschreckt. Und wenn eine Katze irgend etwas an ihrem Klo nicht mag, wird sie es nicht oder nur ungern benutzen und sich ggf. einen anderen Platz suchen!

Kleine Kätzchen lernen den Toilettengang von ihrer Mutter: sie zeigt den Kleinen, wo man sich erleichtert. Wenn nun aber ein Katzenkind bei Ihnen einzieht, müssen Sie ihm zunächst zeigen, wo die Toilette ist! Wenn Sie nach dem Transport vom Tierheim oder Züchter zuhause angekommen sind, setzen sie das Kätzchen am besten in das Klo. Sollte es tatsächlich gleich scharren (man kann es ihm auch „vormachen“), loben Sie es in hohen und sanften Tönen. So lernt es schnell, dass es etwas richtig macht. Sollte das Katzenkind gleich „pieseln“, umso besser. Es kann aber auch sein, dass es sich vor Aufregung zunächst nicht erleichtern kann. Am besten lassen Sie es die ersten Stunden nicht aus den Augen. Irgendwann wird das Kätzchen „müssen“, es sucht also einen Platz. Dazu wird es am Boden intensiv schnuppern, sich auf einer Stelle vielleicht auch mehrmals umdrehen, versuchen zu scharren und sich hinzuhocken… Dann nehme man das Tigerchen sanft hoch und setze es in die Toilette oder leite es sanft mit den Händen zum entsprechenden Platz (was den Vorteil hat, dass sich das Tier den Weg schneller einprägt). Und nach „Verrichtung“ natürlich wieder tüchtig loben.

Im Regelfall wird ein Kätzchen sehr schnell stubenrein, weil Katzen von Natur aus sehr reinlich sind. Sollte trotzdem mal etwas daneben gehen, z.B. weil das Kätzchen den weiten Weg zum Klo nicht mehr geschafft hat, bestrafen und beschimpfen Sie es bitte nicht. Es kann ja nichts dafür, wenn der Weg so weit und die Blase noch so klein ist! Bei nächsten Mal also einfach besser aufpassen… (man kann natürlich gerade zu Anfang mehrere kleine Toiletten aufstellen, deren Anzahl man mit der Zeit reduziert).

Beschmutzte Stellen müssen gründlich gereinigt werden. Nicht nur, weil Urin und Kot Flecken ergeben, sondern weil es für die Katze dann nach „Toilettenstelle“ riecht und sie sich dies schnell als „richtigen Platz“ einprägt. Urin und Kot müssen daher gut weggewischt werden, aber bitte nicht mit herkömmlichem Putzmittel nachreinigen! Putzmittel (vor allem mit Ammoniak) riecht für eine Katze wie Urin, und sie würde die gereinigte Stelle mit einem Toilettenplatz verwechseln. Am besten verwendet man heißes Wasser und zusätzlich Produkte, die Geruchsmoleküle restlos biologisch abbauen (nicht nur übertünchen) und die man auf die gereinigte Stelle aufsprüht.

Zieht eine erwachsene Katze ein, wird sie im Regelfall immer stubenrein sein. Am besten darf sie zunächst nicht die ganze Wohnung erkunden, sondern nur den Raum, in dem auch das Klo steht. Da eine Katze nach einem Transport relativ schnell „muss“, wird sie die Toilette auf diese Art schnell finden.

Sind andere Katzen im Haushalt, wird sich der Neuzugang die „Toilettenregeln“ schnell abschauen. Beachten Sie jedoch die Erhöhung der Anzahl an Kistchen, damit sich jede Katze jederzeit ungestört erleichtern kann.

Wenn Ihre Katze Freigang genießen darf, muss sie die ersten drei-vier Wochen nach dem Einzug (auch nach einem Umzug) erst mal im Haus oder in der Wohnung bleiben, weil sie diese genau kennenlernen muss, um dann nach und nach ihren Radius und ihr Revier zu erweitern. Manchmal muss ein Freigänger auch wegen einer Erkrankung o.ä. zuhause bleiben.

Freigänger bestehen aber häufig darauf, ihr Geschäft draußen zu verrichten! Manche Freigänger werden in der Wohnung unsauber, weil sie den „Freiheitsentzug“ nicht verstehen können.

Hier hilft es meistens, an die Stelle, an der die Katze normalerweise die Wohnung verlässt, z.B. an die Terrassentür oder Katzenklappe, eine Toilette zu stellen.

Draußen in der Natur vergräbt eine Katze ihre Hinterlassenschaften bevorzugt in Erde oder Sand (daher bekommt man als Freigänger-Halter leider manchmal Probleme mit den Nachbarn, wenn die Katze ihre Geschäfte in ein Blumenbeet oder einen Sandkasten absetzt). Um Ihrem Freigänger das Wohnungs-Klo angenehm zu machen, füllt man am besten Erde hinein, entweder direkt aus dem Garten oder einfache Blumenerde, gemischt mit ein wenig Sand. Sicherlich ist die Entsorgung hier etwas aufwendiger als bei Katzenstreu, aber dies ja nur für einen überschaubaren Zeitraum.

Andrea C. Schäfer
Tierpsychologin/Tierheilpraktikerin
www.thp-schaefer.de

Protein im Katzenfutter

Eiweiß ist der Grundbaustein jeder guten Katzennahrung, die Folgen eines Proteinmangels sind nicht unerheblich für den Fleischfresser Katze. Immer öfter hört man aber von Tierärzten und selbsternannten Experten von Katzenfutter mit einem“ zu hohen“ Proteingehalt. Kann es auch „Zuviel des Guten“ geben, kann ein Eiweißüberschuss möglicherweise Krankheiten auslösen?

von Andrea Schäfer

Um zu verstehen, warum Proteine/Eiweiße für die Katze so wichtig sind, müssen wir uns ihre Ernährungsgewohnheiten ansehen. Katzen sind im Grunde polyphasische Beutegreifer. Das bedeutet, sie gehen unabhängig von der Tageszeit auf Jagd – ihre Beute, die Maus, unterliegt keinem starren Tag-Nacht-Rhythmus, sondern ist das ganze Jahr über rund um die Uhr aktiv.

Warum Protein?

Da Katzen ihren Körper in regelmäßigen Abständen mit Nahrung versorgen können und aufgrund der geringen Größe ihrer Beutetiere müssen, benötigen sie keine Stoffwechselfunktionen zum Speichern und späteren Verarbeiten der Nahrungsbestandteile. So gewinnt die Katze ihre Energie aus Eiweiß, während größere Beutegreifer, nehmen wir als Beispiel den Hund, die Energie (auch) aus Kohlenhydraten generieren, die langfristig im Körper gespeichert werden können. Katzen haben sich im Laufe der Evolution so auf ihre Beute spezialisiert, dass der Organismus die Fähigkeit zur Verstoffwechslung von Kohlenhydraten und Speicherung von Energie fast vollständig verloren hat. Sie bilden ihren Blutzucker nicht aus Kohlenhydraten, sondern aus Eiweiß. Kohlenhydrate werden bei der Katze zu Fett umgewandelt, das die Leber nur in absoluten Notlagen in Energie umwandeln kann. Die Katzennahrung sollte darum vor allem aus einem entstehen: Protein bzw. Eiweiß aus Fleisch. Pflanzenkost kann von der Katze so gut wie gar nicht aufgeschlossen werden, sie führt im Übermaß zu Mangelerscheinungen und sogar Stoffwechselstörungen, da die zu reichliche Zufuhr von Kohlenhydraten unter anderem Diabetes (Zuckerkrankheit) auslöst (den Zusammenhang von Bauchspeicheldrüsenerkrankungen und Ernährung haben wir bereits ausführlich in Pfotenhieb 4 betrachtet). Leider enthalten die meisten handelsüblichen Katzennahrungen pflanzliche Bestandteile als Füllstoff oder um das Futter „billig“ produzieren zu können.

Die Niere

Katzennieren sind Hochleistungsorgane. Sie sind in der Lage, die benötigte Flüssigkeit allein aus dem Beutetier zu generieren und den Urin so hoch zu konzentrieren, dass die in Wüsten lebenden Vorfahren und Verwandte unserer Katze stoffwechselbedingt kaum Wasser verlieren. Katzen trinken daher wenig, bei Fütterung mit Trockennahrung sogar eindeutig zu wenig. Durst kennen sie kaum, oft sieht man sie nur im Hochsommer an einer Wasserstelle – und dann im Regelfall nicht an der leider immer noch üblichen Schüssel neben dem Fressnapf, sondern an Gießkannen oder Pflanzenuntersetzern. Sieht man Katzen auffallend häufig und beispielsweise auch im Winter zur Wasserstelle pilgern, sollte man seinen Stubentiger einem Tierarzt oder Tierheilpraktiker vorstellen. Ein zusätzliches Warnsignal ist ein häufiger Toilettenbesuch. Oft haben die Nieren dann bereits einen Teil ihrer Funktion eingebüßt, können den Harn nicht mehr ausreichend konzentrieren und harnpflichtige Stoffe weniger gut ausscheiden.

Proteine und Nieren stehen in einem engen Zusammenhang. Wir müssen nun einen kurzen Ausflug in die Biochemie unternehmen. Fleisch enthält viel Eiweiß, Mineralstoffe, Aminosäuren und anderes, was die Katze unbedingt benötigt (unter anderem Taurin und Arachidonsäure, die der Körper nicht selbst produzieren kann). Ein hoher Proteingehalt korreliert mit einem hohen Phosphorgehalt (vor allem in magerem Rindfleisch). Das Element Phosphor ist in Phosphat gebunden. Und Phosphat belastet zusammen mit dem Stickstoff aus den Eiweißen die Katzennieren, weil es dem Körper Flüssigkeit entzieht und den Organismus übersäuert. Phosphor wird von gesunden Nieren mit dem Urin „entsorgt“. Sind die Nieren jedoch beeinträchtigt, kann Phosphat nicht ausgeschieden werden und bringt den Mineralstoffhaushalt durcheinander.

Häufig wird von Tierärzten für nierenkranke Katzen eine eiweißarme Ernährung empfohlen und entsprechendes Diätfutter verkauft. Der Gedanke dahinter: Wenig Eiweiß enthält wenig Stickstoff und Phosphat, eine eiweißarme Ernährung soll also die Nieren schonen. Doch das ist ein Trugschluss: In derartigen Diäten werden die tierischen Eiweiße meist durch pflanzliche Bestandteile ersetzt. Doch Getreide und andere Pflanzen stehen nicht auf dem Speiseplan von Katzen, ihre Fütterung ist alles andere als gesund.

Sie sehen also: Katzen benötigen eine hochwertige proteinhaltige Nahrung aus tierischen Bestandteilen, da ihr Energiestoffwechsel eiweißbasiert ist. Auch bei nierenkranken Katzen sollte man keinesfalls den Eiweißgehalt reduzieren und durch pflanzliche Füllstoffe ersetzen, da es in der Folge zu kohlenhydratbedingten Erkrankungen vor allem der Bauchspeicheldrüse kommen kann!

Fütterung nierenkranker Katzen

Gesunde Nahrung muss für Katzen ein ausgewogenes Calcium-Phosphor-Verhältnis aufweisen, idealerweise 1,15:1 (also ein wenig mehr Calcium als Phosphor). In magerem Fleisch beträgt es oft nur 0,07:1, es ist also viel zu wenig Calcium enthalten – aus diesem Grund wird bei der Rohfütterung supplementiert, wenn Katzen nicht das natürliche Calcium aus Knochen und Knorpel des Beutetiers aufnehmen. Als Ballaststoff kann die Katze maximal 10 Prozent Pflanzenbestandteile „nutzen“, die sinnvollerweise gekocht werden, damit die Fasern aufgeschlossen werden. Wir müssen über tierische Bestandteile dafür sorgen, dass Katzen genügend Calcium aufnehmen. Eigentlich ist das ganz einfach: die Katze soll Knorpel und fleischige Knochen erhalten (die Maus wird ja ebenfalls mit ihren calciumhaltigen Bestandteilen gefressen)! Diese müssen allerdings roh gegeben werden, denn nur dann splittern sie nicht und sind unschädlich. Da Knochengewebe jedoch (zusätzlichen) Phosphor enthält, muss besonders bei der nierenkranken Katze darauf geachtet werden, dass sie nicht zu viel Knochenmaterial erhält. Es ist in diesem Fall (und generell bei älteren Katzen) besser, den Calciummangel im Fleisch durch Eierschalenmehl oder Algenkalk auszugleichen und auf fettreiche Fleischsorten umzusteigen, denn fettreiches Fleisch enthält weniger Phosphor.

Die beste Nahrung für Katzen ist die Rohfütterung – das gilt auch für nierenkranke Katzen. Da diese Nahrung das „ganze Beutetier“ imitiert, gehören auch Muskelfleisch, Innereien, Bindegewebe wie Haut und Haar, ein kleiner pflanzlicher Anteil (die Maus ist Vegetarier und die Katze frisst den fermentierten Mageninhalt mit) und ergänzende Öle und Mineralien dazu. Nierenkranke Katzen sollten phosphatarme Fleisch- und Fischsorten erhalten, damit auch Calcium nur sparsam „aufgefüllt“ werden muss. Rohfütterung ist daher nicht so einfach wie das Öffnen einer Dose, aber wirklich schwierig ist es nach einer guten Beratung nicht.

Wie sehen die Möglichkeiten neben der Rohfütterung aus? Eins ist besonders wichtig: Nassfutter! Besonders wenn die Nieren bereits geschädigt sind, ist Trockenfutter tabu (auch die meisten Diätfuttermittel sind daher ungünstig). Bei der Auswahl des Feuchtfutters sollte man auf einen hohen Fleischanteil von mindestens 85 Prozent achten. Katzennahrung besteht häufig aus kostengünstigem Rindfleisch. Da dies oft hohe Phosphatwerte aufweist, sind andere Fleischarten wie Lamm oder Geflügel geeigneter für nierenkranke Katzen (alternativ kann man auch tierische Fette dazu geben). Vorsicht bei der Futterwahl: Schaut man sich die Deklaration von Katzenfutter an, stellt man fest, dass in vielen Sorten mit „Wild“, „Fisch“, „Geflügel“… der Hautbestandteil Rind ist. Nur vier Prozent der aufgedruckten Bezeichnung müssen tatsächlich aus der aufgedruckten Eiweißquelle bestehen!

Da der Katzenorganismus auf häufige kleine Mahlzeiten eingerichtet ist, sollte sich dies auch in den Fütterungsintervallen widerspiegeln. Statt zweimal täglich größere Mengen zu geben, ist eine viermalige Fütterung auch für Berufstätige gut zu bewerkstelligen (nach dem Aufstehen – bevor man aus dem Haus geht oder eine Fütterung mittags mittels Futterspender – wenn man nach Hause kommt – vor dem Schlafengehen). Das Trinken sollte schmackhaft gemacht werden durch mehrere Wasserstellen entfernt vom Futterplatz, attraktive Gestaltung in Form von Trinkbrunnen oder durch Zugabe von einigen Tropfen laktosefreier Milch oder ungewürzter Fleischbrühe. Regenwasser wird meist lieber getrunken als kalkhaltiges oder gechlortes Leitungswasser, und selbst der „Frischegrad“ kann einen Unterschied machen (manche Katzen trinken erst, wenn das Wasser einen Tag abgestanden ist).

Eine gute Ernährungsberatung, beispielsweise durch einen Tierheilpraktiker, ist allerdings Grundlage jeder Ernährungsumstellung! Zusätzlich können homöopathische Mittel die Nierenfunktion unterstützen. Alternativ kann man nach Beratung durch den Tierarzt sogenannte „Phosphatbinder“ einsetzen. „Ipakitine“ ist calciumbasiert, darf daher nicht mit einer calciumangereicherten Nahrung gegeben werden. Andere Wirkstoffe, beispielsweise Lanthancarbonat, bringen den Mineralstoffwechsel nicht ins Ungleichgewicht und sind daher vorzuziehen. Diese Nahrungsergänzung kommt auch infrage, wenn die Katze wirklich nichts Anderes als Trockenfutter zu sich nehmen mag.

Zur Autorin:

Andrea C. Schäfer ist Tierheilpraktikerin und Tierpsychologin: www.thp-schaefer.de
Erstveröffentlichung in „Pfotenhieb“ 5, Cadmos-Verlag

Naturheilkunde für Katzen

Naturheilkunde und alternative Therapien

Immer mehr Menschen wenden sich im Krankheitsfall nicht nur an den Schulmediziner, sondern besinnen sich auf alte Hausmittel oder wenden sich an einen Heilpraktiker, Osteopathen, Arzt mit naturheilkundlicher oder chinesisch-medizinischer Ausrichtung oder Schamanen, oft mit guten Erfolgen. Daher sollen auch immer mehr Haustiere in den Genuss dieser vermeintlich nebenwirkungsfreien Therapien kommen. Wir haben für Sie zusammengestellt, welche Methoden sich für Katzen eignen und wie man einen guten Therapeuten findet.

von Andrea Schäfer

Naturheilkundliche Methoden, auch alternative Therapien genannt, betonen den Zusammenhang zwischen Körper, und Geist. In der Schulmedizin wird nach der Befunderhebung und einer körperlichen Untersuchung eine Diagnose gestellt. Daraufhin wird die Krankheit „bekämpft“: die nieren- oder zuckerkranke Katze bekommt eine Diät, die Katze mit einer Entzündung ein Antibiotikum, ein Allergiker Cortison, ein Tumor wird operiert, der Zahnstein wird entfernt. In der alternativen Heilkunde wird eine andere Herangehensweise gewählt: neben einer körperlichen Untersuchung wird auch der seelische Aspekt betrachtet. So werden Fragen nach der Harmonie in der Katze-Mensch-Beziehung oder in der Katzengruppe, eventuellem Stress und der Vorgeschichte der Katze gestellt, denn diese Faktoren können Krankheiten begünstigen oder sogar auslösen. Naturheilkundler und alternative Therapeuten betrachten also nicht das einzelne Symptom, sondern den gesamten Organismus. „Krankheit“ bedeutet bei ihnen, dass das gesamte „System“ ins Ungleichgewicht geraten ist. Diese Betrachtungsweise nennt man „ganzheitlich“.

Die beliebtesten Methoden entstammen der sogenannten energetischen oder Informationsmedizin. Über chemisch oder physikalisch messbare Effekte hinaus werden bei diesen Methoden die geistige Komponente des Wirkstoffes und die Wechselwirkung des Individuums mit seiner Umgebung einbezogen. Die Wissenschaft hat für diese im „feinstofflichen“ Bereich stattfindenden Prozesse noch keine Erklärung, jedoch scheint die Quantenphysik mit ihren Schwingungs- und Mechanik-Konzepten diesem „psychophysikalischen“ Phänomen auf die Spur zu kommen.

Der deutsche Arzt Samuel Hahnemann entdeckte Ende des 18. Jahrhunderts an der Wirkweise eines Malariamittels, dass es je nach Dosierung krankheitsähnliche Symptome auslösen, aber auch heilend wirken kann, wenn man es verdünnt. Die von ihm entwickelte Homoöpathie basiert auf dem Leitsatz „Ähnliches werde durch Ähnliches geheilt („similia similibus curentur“). Hahnemanns Tod hat die Entwicklung nicht aufgehalten: Ärzte und Heilpraktiker in der ganzen Welt haben die Homöopathie weiter entwickelt, neue Mittel gefunden, zusätzliche Verdünnungsmethoden („Potenzierung“) entwickelt und auch die Verabreichung der Mittel optimiert. Die Arzneien stammen heute aus dem Pflanzen-, Tier- (z.B. Bienen- und Schlangengifte) und Mineralspektrum. In „Nosoden“ wirken sogar Krankheitserreger als Heilmittel. Im „Arzneimittelbild“ werden alle Reaktionen und Wirkweisen der jeweiligen Substanz festgehalten. In der Anwendung unterscheidet man die „klassische“ Homöopathie und die Anwendung von Mischungen, „Komplexmitteln“ oder speziell aufbereiteten Arzneien (beispielsweise aus der anthroposophischen Betrachtungsweise). Die klassische Homöopathie versucht, das passende Mittel für den Patienten zu finden. Der Therapeut wird eine Untersuchung des Patienten durchführen, vor allem fragt er jedoch nach vielen Umständen, die scheinbar nichts mit der Krankheit zu tun haben. In der „Repertorisation“ gewichtet der Therapeut die Feststellungen, denn manche Symptome und Auffälligkeiten sind für die Mittelfindung wichtiger als andere.

Klassische Homöopathie ist ein zeit- und kostenintensives Verfahren. Der Vorteil ist jedoch, dass unser Stubentiger ein Mittel erhält, das ganz genau auf ihn abgestimmt ist – individueller kann Medizin kaum sein! Homöopathische Mittel werden im Regelfall als Globuli („Milchzuckerkügelchen“) aufbereitet, von denen eine Katze etwa fünf pro Anwendung erhält. Mag die Katze diese nicht nehmen, kann man sie entweder in Wasser auflösen oder die geschmacklose Injektionslösung verwenden. Mit einer Plastikspritze ohne Nadel wird das Mittel dann ins Mäulchen gespritzt oder notfalls übers Futter gegeben.

Alle im Handel erhältlichen Fertig-Mischungen und Komplexmittel dagegen werden symptomatisch eingesetzt, also bei einem bestimmten Krankheitsbild. Ähnlich wie in der Schulmedizin versucht man damit, alle Auswirkungen einer Krankheit abzudecken. Natürlich kann so ein Mittel nicht so exakt sein wie das „eine“ passende, vom Heilpraktiker festgesetzte Homöopathikum. Aber auch homöopathische Mischungen haben sich bewährt.

Direkt abgeleitet von der Homöopathie wurden die Bachblüten- und die Schüßler-Therapie. Edward Bach suchte für seine Patienten der britischen Unterschicht eine kostengünstige Heilmethode, die vor allem die geistig-seelischen Aspekte berücksichtigt. Fündig wurde er in der englischen Pflanzenwelt. Die nach ihm benannten Bach-Blüten haben sich besonders bewährt, wenn nicht nur Körper, sondern auch Seele ins Ungleichgewicht geraten sind. Besonders bekannt sind die „Rescue-“ oder Notfalltropfen, eine bestimmte Mischung von Blüten, die sich in körperlichen und geistigen Notfallsituationen bewährt hat, von Unfällen, Tod geliebter Artgenossen oder bevorstehender eigener Tod bis hin zu Angstsituationen aller Art. Für Menschen werden fertige Alkohol-Lösungen verkauft – da Katzen Alkohol aber weder vertragen noch mögen, muss man die Lösungen entweder mit Quellwasser verdünnen oder als Globuli verabreichen.

Die Schüßler-Salze wurden von Dr. Wilhelm Heinrich Schüßler aus der Homöopathie entwickelt. Diese Therapieform geht davon aus, dass Krankheiten durch ein Ungleichgewicht im Mineralhaushalt ausgelöst werden. Wie in der Homöopathie wird die Wirkung der Mineralstoffe durch Potenzierung verstärkt. Da es lediglich 12 Funktions- und 12 bis 15 Ergänzungsmittel gibt, ist die Wahl des passenden Salzes sehr viel einfacher als in der Homöopathie. Schüssler-Salze werden meist als Tabletten angeboten. Mag die Katze keine Tablette nehmen, kann man sie auch in ein wenig Wasser zu einem Brei auflösen.

Die Pflanzenheilkunde nennt man auch Phytotherapie. Schon unsere Vorfahren wussten, dass für (fast) jede Krankheit ein Kräutlein gewachsen ist. Die Phytotherapie ist wissenschaftlich anerkannt, viele Wirkstoffe wurden zuerst in Pflanzen gefunden, untersucht und dann chemisch „nachgebaut“. Allerdings vertragen Katzen nicht jede Pflanze, manche für uns Menschen wertvolle Substanz ist für unseren Stubentiger das reinste Gift! Auch die Anwendung als ätherisches Öl ist für Katzen nicht ganz ungefährlich. Daher ist eine sorgsame Auswahl der Kräuter erforderlich. Auch die Mykotherapie, also der Einsatz von Heilpilzen, fällt in diese Kategorie. Pflanzenmedizin wird entweder fein gemahlen oder in Essenzen ins Futter gegeben oder als Tee gereicht.

Physiotherapie wird meist ergänzend zur Schulmedizin angewandt. Massagen, manuelle Therapie und Bewegungsübungen können nach Unfällen, bei Arthrosen oder anderen degenerativen Prozessen und bei neurologischen Erkrankungen helfen. Katzen sind häufig nicht so kooperativ wie Hunde, aber einen kleinen Trainingsparcours zur Förderung der Bewegungskoordination kann man ihnen mit Leckereien durchaus schmackhaft machen. Massagen nehmen Katzen gern an, wenn sie es gewohnt sind, überall berührt zu werden. Im Regelfall erlernt der Halter die Techniken, und wendet sie dann zuhause regelmäßig an. Auch die Anwendung des „Tellington-Touch“ (auch TTOUCH genannt) hilft durch ein verändertes Körpergefühl nicht nur dem äußeren, sondern auch dem inneren Gleichgewicht. Die bei Hunden beliebte Hydrotherapie lässt sich bei Katzen nur sehr eingeschränkt anwenden. „An Land“ kann man die Magnetfeldtherapie einsetzen. Meist bekommt der Katzenhalter für einen gewissen Zeitraum eine Magnetfeldmatte geliehen, auf die sich das Tier regelmäßig legen soll. Katzen nehmen das Magnetfeld im Regelfall gerne an.

Die Traditionelle Chinesische Medizin, kurz TCM genannt, wurde im alten China schon immer am Tier angewandt. Auch sie betrachtet den gesamten Organismus, also Körper, Geist und Seele und den Gehalt an Lebensenergie, dem „Chi“ oder „Ki“. Die Behandlung beinhaltet mehrere Komponenten: Kräuterheilkunde, Akupunktur und Bewegungslehre. TCM ist daher vorrangig eine gesund erhaltende Lebenseinstellung, und erst nachrangig eine Heilmethode! Während Pferde und Hunde sehr gut mit Akupunktur behandelt werden können, ist die Anwendung an der Katze eingeschränkt. Der Stubentiger muss dafür ruhig liegen, was für unsere „Meister der Entspannung“ zuhause in ruhiger Umgebung kein Problem ist, aber sicherlich in einer Praxis oder im Beisein einer fremden Person wie des Therapeuten. Die Akupunktur wird an der Katze am besten nicht mit Nadeln, sondern mit einem Lasergerät durchgeführt. Die Behandlungsdauer wird dadurch minimiert und es besteht keine Verletzungsgefahr durch die Nadeln. Alternativ kann auch die Akupressur angewandt werden, die Akupunkturpunkte werden hier durch Fingerdruck, ein Holz- oder Wattestäbchen stimuliert. Der Therapeut wird hier den Tierhalter anleiten, so dass dieser die Katze in entspannenden Ruhephasen behandeln kann.

Manche Therapeuten nutzen Bioresonanz, Radionik, Elektroakupunktur nach Voll oder ein anderes elektronisches Verfahren zur Diagnostik und Behandlung. Diese Verfahren gehen von einer individuellen Schwingung einer Krankheitsursache aus, die das Gerät am Patienten ermittelt. Je nach Methode wird danach das passende Heilmittel ermittelt, eine Trägersubstanz als Heilmittel aufbereitet oder direkt mit Schwingungen behandelt.

Wichtig: Alle Heilmethoden können prinzipiell Nebenwirkungen haben, das gilt nicht nur für Schulmedizin, sondern auch für alternative Methoden. Die häufigsten unerwünschten Effekte können bei der Pflanzenheilkunde auftreten, die mit messbaren Wirkstoffen arbeiten. Auch in der Physiotherapie können manche Anwendungen eine Krankheit verschlimmern. Ein guter Therapeut sollte diese Risiken jedoch abwägen und minimieren können.

Ergänzende Methoden

Neben den genannten gibt es natürlich viele weitere Heilweisen, manche aus dem esoterischen Bereich. Sie werden im Regelfall nur ergänzend („komplementär“) zu einer schulmedizinischen oder alternativen Therapie eingesetzt. Bei der Katze eignet sich beispielsweise Reiki oder eine andere Form der „Energiearbeit“, Farblicht-, Edelstein- oder Musiktherapie. Dies ist längst keine abschließende Aufzählung! „Tierkommunikation“ ist beispielsweise ein Weg, um mit der Katze in Kontakt zu kommen und die Ursachen einer Erkrankung zu ergründen. Immer mehr Methoden, die sich beim Menschen bewähren, werden auf Tiere übertragen.

Wie finde ich den richtigen Therapeuten?

Wer kann Ihre Katzen nun behandeln? Der Tierarzt unseres Vertrauens ist immer der erste Ansprechpartner, wenn es um eine akute schwere Erkrankung, einen Unfall oder einen medizinischen Eingriff geht! Wollen wir in allen anderen Fällen Alternativen anwenden (beispielsweise bei allen chronischen Erkrankungen), haben wir die Wahl zwischen einem Tierarzt, der auch naturheilkundlich oder homöopathisch geschult ist, oder einem Tierheilpraktiker. Zum einen sollte man sich daher mit den verschiedenen Heilmethoden auseinander setzen. Hat man beispielweise mit der Homöopathie gute Erfahrungen gemacht, wird man auch für sein Tier gerne einen Homöopathen konsultieren. Zum anderen sollte man sich dann einen Therapeuten suchen, der die gewünschte Methode anbietet. In Österreich dürfen nur Tierärzte auch alternativmedizinisch arbeiten, Tierheilpraktiker sind dort nicht anerkannt. In Deutschland ist die Tierheilpraktiker-Ausbildung nicht gesetzlich geregelt. Hier kann sich prinzipiell jeder Tierfreund ein Praxisschild an die Tür hängen. Die Spreu vom Weizen zu trennen, ist also gar nicht so einfach! Gute Tierheilpraktiker und Tierärzte findet man oft auf Empfehlung. Unter Tierhaltern spricht sich schnell herum, wer etwas von der Sache versteht und gut mit Katzen umgehen kann. Gute Tierheilpraktiker haben eine anerkannte Schule mit Theorie und Praxis (also nicht nur einen Fernlehrgang) besucht und eine Prüfung abgelegt. Im Idealfall handelt es sich um eine bundesweite Prüfung, die von einem Tierheilpraktikerverband ausgearbeitet und abgenommen wird. Die Prüfung bietet aber nur ein Grundgerüst. Vertieftes Wissen über eine Heilmethode muss sich der Therapeut dann selbst aneignen und kann dies durch Kurse und Zertifikate belegen. Da niemand „alles“ wissen kann, sollte man Tierheilpraktiker, die sämtliche Tierarten behandeln und sehr viele verschiedene Methoden anwenden, eher kritisch betrachten. Aber wie es auch in der Schuldmedizin gute Groß- UND Kleintierpraktiker gibt, kann ein Tierheilpraktiker durchaus Pferde und Katzen gut betreuen. Wer im Internet oder in Branchenbüchern stöbert, erhält sicher im Umkreis eine Liste an Therapeuten, deren Homepage man sich ansehen kann. Tierheilpraktikerverbände bieten eine Liste ihrer Mitglieder, so dass man sich jemanden in der Nähe aussuchen kann. Katzen gehen ungern auf Reisen, daher ist es besonders sinnvoll, wenn der Tierarzt oder -heilpraktiker Hausbesuche anbietet oder eine mobile Praxis betreibt.

Das Wichtigste ist aber, dass Sie zum Therapeuten Vertrauen haben! Rufen Sie an, schildern Sie das Problem. Stimmt die „Chemie“? Erklärt der Therapeut die von ihm angewandten Methoden, macht keine Versprechungen („Heilversprechen“ gibt es nicht und sind daher unseriös!), schlägt Ihnen einen Termin vor, oder sagt gleich, wenn es sich nicht um sein Fachgebiet handelt? Spricht er oder sie auch offen über die Kosten? Während Tierärzte an eine Gebührenordnung gebunden sind, werden alternative Heilmethoden meist nach einem frei gewählten Stundensatz abgerechnet. Dazu kommt eine Aufwandsentschädigung für den Hausbesuch. Ein guter Tierheilpraktiker kennt auch seine Grenzen! Es gibt Krankheiten, die man schulmedizinisch abklären muss, egal ob man nun ein Röntgenbild möchte oder eine Geschwulst untersucht werden muss. Eignen sich die „eigenen“ Methoden und Kenntnisse nicht für den Fall, überweist der gute Heilkundige auch gerne zu einem Kollegen. Übrigens sollte jeder, der sich alternativmedizinisch betätigt, auch Ernährungsberater sein. Denn die Ernährung ist eine Grundlage eines gesunden Lebens, und dies gilt nicht nur für uns, sondern auch für unsere Katzen.

Für unsere Stubentiger gibt es also die verschiedensten Behandlungsmöglichkeiten und die sind wirklich nicht „für die Katz‘“. Am besten ist jedoch, wenn man sie gar nicht braucht! Daher ist der größte Wunsch an alle Katzen und ihre „Dosenöffner“: Gesundheit!

Zur Autorin:

Andrea C. Schäfer, Tierheilpraktikerin und Tierpsychologin
www.thp-schaefer.de
Erstveröffentlichung in „Pfotenhieb“ 5, Cadmos Verlag

Zum Weiterlesen:

Schirmohammadi, Abbas und Schmalstieg, Monika Heike (Hsg.): „Die große Welt der Tierheilkunde“ (mit Beiträgen von mir)

Gesellschaft für ganzheitliche Tiermedizin (GGTM), http://www.ggtm.de

„Homöopathie Für Reptilien“


Rezension

Frau Steinke-Beck ist Tierheilpraktikerin und praktiziert im Landkreis Günzburg (Bayern). Da sie selbst seit vielen Jahren Reptilien hält und züchtet, bietet sie in ihrer Praxis eine spezielle Reptilien-Sprechstunde an. Aus ihren Erfahrungen heraus hat sie 2010 das Buch „Homöopathie für Reptilien“ verfasst.

Zunächst stellt sie verschiedene Naturheilverfahren und deren Anwendung vor, die sich in ihrer Praxis bewährt haben. Hier fehlt allerdings die „Phytotherapie“, die sie in Form verschiedener Nahrungsergänzungsmittel bei den einzelnen Erkrankungen durchaus empfiehlt.

Im Kapitel „Allgemeines zur Haltung und Vorsorge“ geht die Autorin auf Beleuchtung, Temperatur und Winterruhe ein. Alle Empfehlungen sind richtig und wichtig, jedoch hätte dieses Kapitel gerne umfangreicher sein dürfen.

In Privathand werden hautsächlich Reptilien aus der Ordnung der Schildkröten und Schuppenreptilien gehalten. Daher beschränkt sich die Autorin auf die Beschreibung und Therapie von Schildkröten, Echsen und Schlangen. Für diese werden zunächst Tipps zur richtigen Ernährung und Gesunderhaltung gegeben, die Verabreichung von Medikamenten besprochen und danach Empfehlungen für häufig vorkommende Erkrankungen gegeben.

Naturgemäß wiederholt sich hier vieles, denn beispielsweise Legenot tritt sowohl bei Schildkröten, Echsen als auch Schlangen auf und wird bei allen gleich behandelt. Für den Leser, der sich nur für eine der Unterordnungen interessiert, mag dies von Vorteil sein. Für allgemein an Reptilien interessierte Therapeuten könnte ein anderer Aufbau, geordnet nach Erkrankungen mit Beschreibung der Unterschiede bei den Tierarten, stimmiger sein. Sicher ist dies jedoch ein individueller Eindruck, denn das Buch wendet sich auch an Züchter und engagierte Privathalter.

Ein wichtiger Hinweis, der bereits zu Anfang des Buches, jedoch auch im Verlauf des Textes immer wiederholt wird: es ersetzt nicht den Gang zum reptilienkundigen Tierarzt! Gerade in den heutigen Zeiten, in denen Tierhalter immer häufiger das Geld für den Veterinär sparen möchten, ist es wichtig, die Grenzen der Selbstmedikation zu erkennen! Auch als Tierheilpraktiker benötigt man in vielen Fällen die Möglichkeiten der Schulmedizin, beispielsweise um eine Landschildkröte mit Gicht optimal zu versorgen. Eventuell hätte die Autorin ergänzen können, welche grundlegenden Wege die Schulmedizin bei schweren Erkrankungen geht, aber dies hätte vermutlich den Rahmen gesprengt und den medizinischen Laien überfordert.

Zusammengefasst: ein wertvolles Werk, das ich auch gerne bei meinen eigenen Naturheilseminaren für Reptilien(freunde) weiter empfehle. Natürlich hat jeder Therapeut eigene Erfahrungen und geht vielleicht auch andere Wege hinsichtlich Auswahl und Anwendung der Mittel, aber gerade dem (angehenden) Tierheilpraktiker gibt das Buch einen guten Einstieg in die Thematik.

Das Buch ist erschienen bei Ulmer, ISBN 978-3-8001-5798-3

Andrea C. Schäfer, Tierpsychologin/Tierheilpraktikerin, Wuppertal, http://www.thp-schaefer.de

Homöopathie – für die Katz‘?

Der deutsche Arzt Samuel Hahnemann entdeckte Ende des 18. Jahrhunderts an der Wirkweise eines Malariamittels, dass es je nach Dosierung krankheitsähnliche Symptome auslösen, aber auch heilend wirken kann, wenn man es verdünnt. Bereits der große griechische Arzt und Heiler Paracelsus sagte „Die Dosis macht das Gift“. Die Homoöpathie erweitert dies in „Ähnliches werde durch Ähnliches geheilt („similia similibus curentur“).

Hahnemann verfeinerte seine Arzneiherstellung immer weiter, entwickelte eine spezielle Methode der Verdünnung („Potenzierung“) und erweiterte die Mittelpalette immer mehr – häufig übrigens im Selbstversuch! Er schrieb das „Organon der Heilkunst“, gewissermaßen die „Bibel“ der Homöopathen. Dieses Buch erschien mit der Zeit in immer mehr Auflagen und Übersetzungen, wobei jede neue Ausgabe deutlich erweitert wurde. Hahnemanns Tod hat die Entwicklung nicht aufgehalten: Ärzte und Heilpraktiker in der ganzen Welt haben die Homöopathie weiter entwickelt, neue Mittel gefunden, zusätzliche Potenzierungsmethoden entwickelt und auch die Verabreichung der Mittel optimiert. Die Arzneien stammen heute aus dem Pflanzen-, Tier- (z.B. Bienen- und Schlangengifte) und Mineralspektrum. In „Nosoden“ wirken sogar Krankheitserreger als Heilmittel. Im „Arzneimittelbild“ werden alle Reaktionen und Wirkweisen der jeweiligen Substanz festgehalten. Homöopathie ist, wie die ganze Medizin, ein dynamischer Prozess! Auch heute werden neue Mittel und weitere Anwendungsbereiche gefunden, und sicher gibt es auch in Zukunft noch viel zu entdecken!

Wie kann nun die Homöopathie für Katzen angewandt werden?

Die klassische Homöopathie versucht, das „eine“ passende Mittel für den Patienten zu finden. Der Therapeut wird eine Untersuchung des Patienten machen, vor allem fragt er jedoch nach vielen Umständen, die scheinbar nichts mit der Krankheit zu tun haben.

Zur Verdeutlichung: Schulmediziner sehen sich den Patienten an, fragen nach den Symptomen einer Krankheit, setzten weitere diagnostische Maßnahmen ein (Ansehen, Abtasten, Abhören, Fieber messen, Blutabnahme, Röntgen und was noch alles der Krankheitsfindung dienen kann). Zum Schluss kommt eine Diagnose heraus: Nierenschäden, Herzminderleistung, Zahnstein, Katzenschnupfen, … Ist die Diagnose gestellt, wird versucht, die Krankheit zu bekämpfen: die nieren- oder zuckerkranke Katze bekommt eine Diät, die Katze mit einer Entzündung ein Antibiotikum, ein Allergiker Cortison, ein Tumor wird operiert, der Zahnstein wird entfernt.

Klassische Homöopathen gehen völlig anders vor: eine körperliche Untersuchung wird von einigen Therapeuten durchaus gemacht, aber die Absicht ist etwas anders. Homöopathen betrachten nicht das einzelne Symptom, sondern den gesamten Organismus, und zwar Körper und Geist. Diese Betrachtungsweise nennt man „ganzheitlich“. Wenn ein Homöopath die Temperatur misst und Fieber feststellt, ist dies nur ein Hinweis auf ein Geschehen im Körper – irgendetwas ist ins Ungleichgewicht geraten. Das Fieber ist aber nur ein Hinweis, die Suche geht weiter! Eine homöopathische Mittelfindung erfordert einen ganzen Fragenkatalog – und weil die Katze uns nur wenig sagen kann, ist hier der Besitzer gefragt. Die Fragen gehen sehr ins Detail, auch der Charakter der Katze spielt eine Rolle. Ob ein Kater eher ein fröhlicher Katzenkumpel ist, oder eher ein eigenbrötlerischer Mäkelbruder, kann zu einem erheblichen Unterschied in der Mittelwahl führen, auch wenn die beiden dieselben Symptome zeigen. Neigt Miez‘ zu Ohrmilbenbefall, macht es in der Homöopathie einen großen Unterschied, ob eher das linke oder rechte Ohr betroffen ist! In der „Repertorisation“ gewichtet der Therapeut die Feststellungen, denn manche Symptome und Feststellungen sind für die Mittelfindung wichtiger als andere. Sicher wird deutlich, dass Homöopathie ein aufwendiges Verfahren ist. Der Vorteil ist jedoch, dass unser Stubentiger ein Mittel erhält, das ganz genau auf ihn abgestimmt ist! Individueller kann Medizin kaum sein! Der Schulmediziner verpasst dem fiebernden Kater ein Antibiotikum… „wenn es in drei Tagen nicht besser ist, kommen Sie wieder.“ Welche Art der Medizin verschafft uns instinktiv ein besseres Gefühl?

Nein, nicht alle Tierärzte machen Medizin nach „Schema F“, viele bemühen sich sehr um ihre Patienten!

Und nein, die Homöopathie kann nicht alles – aber viel!

Wissenschaftler haben großartige Medikamente und Methoden entwickelt: Antibiotika, Cortison, Operationen und viele weitere Methoden können Leben retten, vor allem im Akutfall! Wurde der Freigänger beispielsweise vom Auto angefahren, gehört er unbedingt in die Tierklinik.

Gerade bei chronischen Erkrankungen sind die Mittel der Schulmedizin jedoch häufig begrenzt. Hautkrankheiten sind ein gutes Beispiel. Sind Parasiten ausgeschlossen oder bekämpft, bleiben dem Tierarzt häufig nur noch Cortison-Präparate. Ein wertvolles Mittel bei einem akuten Allergiegeschehen (z.B. Bienenstich im Rachen mit Zuschwellen der Atemwege) – bei länger dauerndem Gebrauch sind die Nebenwirkungen jedoch nicht zu vernachlässigen.

Für den Homöopathen sind Hautkrankheiten ein Zeichen eines innen liegenden Prozesses, der durch das Cortison lediglich unterdrückt wird. Vielleicht ist das Immunsystem geschwächt. Vielleicht hat der Körper im Lauf der Zeit Giftstoffe angesammelt, die über die Haut ausgeleitet werden. Vielleicht hat die Katze Stress, der sich in dem Hautgeschehen äußert. Heilung geschieht demnach von innen. Geht es der Katze rundherum gut, ist alles „im Lot“, wird auch die Haut besser werden. Eine homöopathische Therapie wirkt von innen nach außen, es kann also ein wenig dauern, bis man eine Verbesserung bemerkt. In vielen Fällen zeigt eine „Erstverschlimmerung“ an, dass ein Prozess in Gang kommt, der Körper sich also mit dem Mittel auseinander setzt. Ist das Mittel richtig, kommt danach der Heilungsprozess in Gang, durch die verschiedenen „Potenzen“ ist eine Feinabstimmung der Therapie möglich.

Homöopathie wirkt durch die „Information“ des Mittels, das aus dem Pflanzen-, Tier- oder Mineralreich stammen kann. Die Tiefpotenzen enthalten messbare Grundstoffe und werden eher bei akuten Geschehen eingesetzt. Je mehr verdünnt wird, desto weniger „stoffliche“ Moleküle enthält das Mittel – desto höher ist jedoch der Informationsgehalt, und diese Hochpotenzen werden eher bei chronischen Leiden oder zur Regulierung der Psyche eingesetzt. Die Wissenschaft kann die Wirkung (vor allem) der Hochpotenzen bis heute nicht erklären, was natürlich die Kritiker auf den Plan ruft. Die Befürworter wissen jedoch, dass sich gerade ein Tier nichts „einbilden“ kann. Der „Placebo-Effekt“ ist bei Katzen daher nicht gegeben. Die Gegner argumentieren auch, die Homöopathie nütze nur durch die größere Aufmerksamkeit, die man durch die aufwendige Beobachtung und Befragung dem kranken Individuum schenkt. Hand aufs Herz: wäre es denn so schlimm, wenn die Wirkung „nur“ darin bestünde?

Die klassische Homöopathie ist demnach ein aufwendiges Verfahren, das sich grundlegend von der Schulmedizin unterscheidet.

Nun wird auch deutlich, dass es mit den im Buchhandel erhältlichen Ratgebern oft nicht weit her ist. Natürlich gibt es Mittel, die sich für eine „Hausapotheke“ und für alltägliche Unpässlichkeiten eignen. Da diese Mittel aber nicht individuell auf den Patienten abgestimmt sind, kann es sein, dass sie einfach nicht wirken wollen. Hier der Homöopathie die „Schuld“ zu geben, wird der Sache nicht gerecht!

Neben der „klassischen“ Homöopathie gibt es noch weitere Anwendungsformen. Da die genaue Repertorisation ein sehr aufwendiges Verfahren ist und vom Anwender eine lange Lehr- und Erfahrungszeit erfordert, haben Ärzte und Wissenschaftler Arzneimittel entwickelt, die verschiedene Homöopathika enthalten – und solche, die verschiedene Mittel zusätzlich in verschiedenen Potenzen enthalten. Viele dieser Mittel nennt man „Komplexmittel“. Diese Arzneien werden symptomatisch angewandt. So gibt es Mittel für bakterielle oder virale Erkrankungen, solche die Nieren oder die Leber unterstützen, andere, die das Immunsystem stärken und vieles mehr. Vergleicht man dies mit dem oben genannten, werden diese Mittel gewissermaßen wie schulmedizinische Arzneien angewandt. Wie bei den „Ratgebern“ in der Buchhandlung kann die Anwendung dieser Komplexmittel fehlschlagen, da sie nicht auf den jeweiligen Patienten abgestimmt sind. Das heißt nun nicht, dass sie nicht wirken! Bei einer sorgfältigen Auswahl durch den Therapeuten sind auch die Komplexmittel wertvolle Arzneipräparate.

Katzenhalter, die die Homöopathie als Alternative oder Ergänzung zur Schulmedizin wählen möchten, tun auf jeden Fall gut daran, sich an einen Tierheilpraktiker oder naturheilkundlich arbeitenden Tierarzt zu wenden, und ihren Stubentiger nicht im Selbstversuch zu behandeln.

Ich wünsche Ihnen und Ihren Katzen eine gesunde Zeit!

Andrea C. Schäfer
Wuppertal
http://www.katzenkompetenz.de

26.10.2011, Erstveröffentlichung bei haustiger.info

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Zum Weiterlesen: http://tierhomöopathie-zeitschrift.de/

Erwachsenwerden mit Konsequenzen

Die Kastration der Hauskatze unter entwicklungsbiologischen und tierpsychologischen Aspekten

Bei allen Säugetieren stellt die Pubertät einen großen Einschnitt ihres Lebens dar. Dabei bedeutet der Begriff Pubertät lediglich die Entwicklung der Fortpflanzungsfähigkeit. Die geistige Reifung ist mit der körperlichen Entwicklung längst nicht abgeschlossen.

Katzen werden bereits mit etwa fünf bis sechs Monaten fortpflanzungsfähig, allerdings ist dieses natürlich nur ein Richtwert. Es gibt auch Früh- und Spätentwickler. Nach Erreichen der Fortpflanzungsfähigkeit setzt ein weiterer körperlicher und geistiger Schub ein, so dass man eine Hauskatze mit etwa zwölf bis vierzehn Monaten, große Rassekatzen wie Norwegische Waldkatzen oder Main Coon mit etwa 18 Monaten bis zwei Jahren als „erwachsen“ bezeichnen kann.

Beginn und Verlauf der Pubertät sind nach neuesten Erkenntnissen in erster Linie genetisch beeinflusst. Ausgelöst wird sie durch die Sexualhormone. Die Hirnanhangdrüse (Hypophyse) setzt bei der Kätzin in den Eierstöcken die vermehrte Östrogen- und beim Kater in den Hoden die vermehrte Testosteronproduktion in Gang.

Die Hormonproduktion beginnt aber in geringem Umfang schon weit vor der Pubertät.

Die Fortpflanzungsfähigkeit äußert sich bei den beiden Geschlechtern unterschiedlich:

Die Kätzin wird zum ersten Mal rollig,

Kater entwickeln eine Rivalität gegenüber anderen Katern, werben um das weibliche Geschlecht und markieren ihr Revier.

Die Rolligkeit der Kätzin ist nicht zu übersehen und zu –hören. Nicht selten bietet sie sich regelrecht an, in dem sie einem Kater, aber eventuell auch dem Haushund oder der menschlichen Bezugsperson, ihren Po entgegenstreckt. Streicht man mit der Hand über den Rücken, legt sie den Schwanz zur Seite und den Vorderkörper ab, während sie die Hinterbeine in den Boden stemmt.

Wird eine Katze in dieser Zeit nicht gedeckt, wiederholt sich die Rolligkeit in den Sommermonaten etwa alle drei Wochen, es kann aber auch zur so genannten „Dauerrolligkeit“ kommen. Diese führt zu gesundheitlichen Problemen wie Eierstockzysten und Infektionen durch die gut durchblutete Scheidenwand.

Da der Eisprung der Kätzin erst durch den Begattungsakt ausgelöst wird, haben Katzen keine Menstruation, „bluten“ also nicht.

Beim Kater setzt das Urinmarkieren oft im Alter von acht bis zehn Monaten ein.

Wobei Harnspritzen nicht zwingend ist. Es gibt Kater, die diesen Ausdruck der „Daseinsberechtigung“ gar nicht nutzen, weil beispielsweise kein weiterer Kater im Haushalt lebt, Konkurrenz also nicht vorhanden ist. Auch souveräne ranghohe Kater verzichten auf Markierungen, wenn niemand an ihrem „Stuhl sägt“.

Markierungen haben jedoch nicht nur eine Aussagekraft gegenüber dem eigenen Geschlecht, sondern auch das andere Geschlecht soll damit beeindruckt werden. Übrigens setzen nicht nur Kater Urinmarkierungen, auch Kätzinnen können Duftmarken setzen!

Fortpflanzungsfähig sind Kater meist schon vor dem Beginn des „Spritzens“, was man besonders bei der Haltung von männlichen und weiblichen Geschwistertieren bzw. einer fruchtbaren Katzenmutter beachten sollte.

Ein Zeichen der Geschlechtsreife kann das „Maunzen“ oder „Gurren“ von Katern sein. Ähnlich wie die Kätzin, aber nicht so laut und durchdringend, rufen auch sie nach dem anderen Geschlecht.

Freigängerkater erweitern in dieser Zeit ihr Revier um das drei- bis zehnfache! Es kommt auch zu den ersten Territorial-Kämpfen.

Gerade Kater „entsozialisieren“ sich aber in der Adoleszenz nicht, sie haben meist einen oder mehrere Katerkumpel, wenn eine gewisse Rangfolge geklärt ist. Oft verstehen sich Brüder sehr gut, aber es werden in der jugendlichen Phase auch schnell Freundschaften zwischen fremden Katern geschlossen, wenn es keine Rivalität um Futter, menschliche Zuwendung oder Spielzeug gibt.

Die Pubertät ist jedoch nicht auf die körperliche Entwicklung beschränkt. Die geistig-seelische ist vielleicht sogar die bedeutendere Veränderung!

Alle Säugetiere durchlaufen dieselben Prozesse, auch wir Menschen kennen die Pubertät und daraus erwachsenden Veränderungen.

Während dieser Lebensphase finden sehr wichtige Umbauprozesse im Gehirn statt, die von der erhöhten Hormonausschüttung ausgelöst und begleitet werden. Die neuronalen Verknüpfungen, die in der Säuge- und Welpenzeit angelegt wurden, werden in der Jugend völlig neu geknüpft!

Wenn ein Junghund in der Pubertät scheinbar alle Kommandos vergessen hat und die Ohren „auf Durchzug“ stellt, so liegt das nicht an einer „Unlust“, sondern das Tier kann uns in der Phase womöglich gar nicht lauschen, weil seine Biologie es unmöglich macht.

So ergeht es auch unseren Katzen.

Wie bei menschlichen Pubertierenden neigen auch Katzen in dieser Phase des Erwachsenwerdens zu Launenhaftigkeit und Stimmungsschwankungen.

Schon als Kitten zeigen Katzenkinder unterschiedliches Spielverhalten. Die Kätzin liebt eher Objektspiele, bei denen sie verfolgen und Beute machen kann. Kater lieben es zu raufen und toben lieber mit ihren Geschwistern herum. Mit wenigen Wochen ist das Spielverhalten jedoch noch sehr ausgeglichen, der ganze Wurf tobt und spielt unabhängig vom Geschlecht.

In der Pubertät verstärkt sich dieser Verhaltensunterschied jedoch. Das weibliche Spielverhalten ist Training für ihre zukünftige Mutterschaft, da sie ja nicht nur sich, sondern auch eventuellen Nachwuchs versorgen muss. Die Kätzin legt daher Wert auf ein Territorium, leicht zugängliche Nahrungsquellen und allgemein gute Versorgung.

Kater reiten mit Verlauf der Pubertät häufiger auf, und zwar egal bei welchem Geschlecht. Dies hat mit beginnenden Rangordnungstendenzen der Kater zu tun, wird aber zunehmend auch sexuell motiviert und dann zunehmend bei Kätzinnen gezeigt. Und hier besteht eine Gefahr, weil man dem jungen Kater nicht ansieht, ob er nur im Spiel seine Dominanz demonstrieren will oder schon funktionsfähiges Sperma übertragen kann.

Leider gibt es nur sehr wenig wissenschaftliches Material zur Entwicklungsbiologie der Katze. Da jedoch die Pubertät des Menschen gut erforscht ist, und auch zur Reifung des Hundes inzwischen Veröffentlichungen vorliegen, kann man die gewonnenen Erkenntnisse gut auf die Katze übertragen. „We’re nothing but mammals…“ Das bekannte Lied „Bad Touch“ der Band „Bloodhound Gang“ könnte es nicht besser ausdrücken!

Kastration

Da unsere Haustiger schon so früh fortpflanzungsfähig, aber noch längst nicht reif für eine Elternschaft sind, stehen wir Menschen in der Verantwortung, ungewollten Nachwuchs zuverlässig zu verhindern.

Das Mittel der Wahl ist heutzutage die Kastration beider Geschlechter. Hierbei werden Hoden und Eierstöcke entnommen und die Produktion von Geschlechtshormonen stark eingedämmt, um die Fortpflanzung zu verhindern. Eine Rest-Produktion erfolgt weiterhin durch die Nebennierenrinde.

Bei der Sterilisation werden lediglich die Leitungsbahnen der Keimdrüsen unterbunden, sprich Eierstöcke und Hoden bleiben erhalten. Die Tiere haben weiterhin ihren normalen Geschlechtstrieb und paaren sich, jedoch ohne Nachwuchs zu produzieren.

Kastrierte Kater verlieren ihre Fortpflanzungsfähigkeit spätestens nach etwa vier Wochen, da sich eventuell noch Spermien in den Samenleitern oder im Ejakulat befinden können (diese zeitliche Lücke gilt es daher zu überbrücken, z.B. durch getrennte Haltung der Geschlechter, die „Pille“ für die Kätzin bzw. Verbot des Freigangs!). Da die Kätzin nach der Kastration keinen Eisprung mehr haben kann, ist sie sofort nach der Operation unfruchtbar.

Für kastrierte Kätzinnen ändert sich in ihrem Sozialverhalten wenig. Sie werden weiterhin ihre sozialen Beziehungen pflegen und ihre Reviere in Anspruch nehmen und verteidigen. Die geschlechtsinterne Rangordnung legen Kätzinnen nicht strikt daraufhin fest, ob eine Fortpflanzung möglich ist oder nicht.

Für Freigänger-Kater ändert sich aber fast alles! Durch die hormonelle Umstellung verändert sich die Rangordnung der Männchen. Der bislang ranghohe, aber jetzt kastrierte Kater wird nicht mehr um die sexuelle Vorrangstellung kämpfen. Auch das „Harnspritzen“ wird sich entweder gar nicht entwickeln oder aber verringern. Kater, die vor der Kastration ausgiebig markiert haben, stellen dieses Verhalten aber häufig auch nach der Kastration nicht ein! Ein kastrierter Kater ist natürlich für die Kätzin nicht mehr sexuell attraktiv, auch wenn weiterhin eine gute Freundschaft bestehen kann.

Kastrierte Kater verringern ihr Streifgebiet dramatisch, denn der Trieb, die Gene weiterzugeben, ist ja genommen. Dies ermöglicht potenten Katern, zuzuwandern, das bisherige Revier des vorigen „Amtsinhabers“ zu übernehmen und an seiner Stelle die Damenwelt zu beglücken. Biologen raten daher, die Kater in Freilauf- bzw. Streunerpopulationen lediglich zu sterilisieren, was auch den Tierschutzorganisationen empfohlen wird!

Grundsätzlich bedeutet die Kastration eine Wegnahme von Organen. Ein derartiger Eingriff ist gesetzlich verboten, außer aus medizinischen Gründen.

Auch zur Populationskontrolle gilt das Rechtsprinzip des minimalst erfolgreichen Eingriffs, was zumindest für den Kater im Regelfall die Sterilisation bedeutet.

Beim Hund wird die Kastration sehr kontrovers diskutiert und von Biologen in den meisten Fällen für unnötig befunden. Bei Haushunden ist jedoch die Fortpflanzung durch den Menschen sehr gut steuerbar und kann relativ leicht unterbunden werden.

Bei den Katzen muss man die Situation differenzierter sehen. Eine reine verhaltensbedingte Kastration ist auch hier vom Tierschutzgesetz nicht gedeckt.

Da der Eisprung bei der Kätzin erst durch den Paarungsakt ausgelöst wird, hat sie keine „störende“ Blutung.

Wer einen potenten Kater hält, kennt natürlich das Thema des Katergeruchs und der Harnmarkierungen. Aber auch dies gehört zur Natur und darf nicht pauschal als Kastrationsgrund dienen!

Als Mieter kann man es nicht zulassen, dass das Haustier die Wohnung ruiniert, was bei ausgiebigem Harnmarkieren durchaus geschehen kann.

Allerdings können auch kastrierte Katzen harnspritzen, gleich welchen Geschlechts! Dies ist dann oft eine Reaktion auf Stress oder unzureichende Haltungsbedingungen. Die Kastration ist also nicht unbedingt eine „Vorsorgemaßnahme“. Hier sollte eine fundierte tierpsychologische Beratung die Ursache für das Markieren klären.

Kastrierte Kater leben deutlich gesünder, da sie sich nicht um Weibchen prügeln oder liebestoll in Autos laufen und wesentlich kleinere Streifgebiete haben. Oft werden sie auch häuslicher und verschmuster. Streit mit der Nachbarschaft über lautes Liebeswerben hat ein Ende. Kastrierte Kater können natürlich keinen Hodenkrebs mehr bekommen, und leiden nicht unter Prostataproblemen.

Vor allem wird die Gefahr der Verletzung in Katerkämpfen gebannt, die nicht nur auf dem Tisch des Tierarztes landen, sondern die Gefahr der Ansteckung mit FeLV („Leukose“) oder dem FI-Virus („Katzen-AIDS“) birgt.

Nicht vergessen sollte man jedoch, dass die nicht für die Sexualität benötigte Energie abreagiert werden muss! Männliche Kastraten werden bei nicht genügender Auslastung durch Spiel oder Beutefang gern zu „Stänkerern“ und schaffen Unfrieden in einer Katzengruppe, wie es schon Paul Leyhausen in seinem Buch „Katzenseele“ beschrieben hat.

Bei der Kätzin verhindert die Kastration die Rolligkeit und damit die gesundheitsgefährdende Dauerrolligkeit. Zudem schränkt sie hormonell bedingte Krankheiten wie Eierstockzysten und Gebärmutterentzündungen oder Gesäugetumoren ein. Durch den Nackenbiss bei der Paarung kann sich auch die Kätzin mit dem tödlichen Katzen-AIDS-Virus anstecken.

Bei beiden Geschlechtern resultiert aus einer Kastration also eine höhere Lebenserwartung.

Natürlich kann es auch bei diesem Eingriff zu Nebenwirkungen kommen. Jede Operation birgt grundsätzlich ein Narkoserisiko.

Vor allem die Kätzin kann nach der Kastration zur Harninkontinenz neigen, wenn die entsprechenden Bänder und Muskeln verletzt werden.

Das Argument, dass kastrierte Katzen dick werden sollen, hört man häufig. Ja, das stimmt, aber nur, wenn dem niedrigeren Energiebedarfs nicht in der Ernährung Rechnung getragen wird.

Die Mär, dass Kastraten schlechte Mäusefänger seien, ist wissenschaftlich längst widerlegt. Kätzinnen sind sowieso das eher beutefang-motivierte Geschlecht, bei ihnen ändert sich also nichts. Kater dagegen lenken den fehlenden Sexualtrieb häufig um und werden dann recht eifrige Jäger! Alternativ muss man Wohnungskatern ein abwechslungsreiches Spielprogramm bieten, denn irgendwo muss die aufgestaute Energie ja hin!

Eine Kastration der Kätzin möchten vor allem Züchter gerne vermeiden, falls diese doch noch einmal Junge bekommen soll. Diese Katzen bekommen dann die „Pille“. Für einen gewissen Zeitraum von wenigen Monaten ist dies gesundheitlich unbedenklich, doch bei langjähriger Gabe kommt es häufiger zu Gebärmuttervereiterung und Gesäugetumoren. Soll eine Kätzin längere Zeit oder dauerhaft aus der Zucht genommen werden, sollte man die Operation nicht scheuen!

Die Frühkastration

Aus den USA kommend hat sich seit einigen Jahren auch in Europa ein Trend zur Frühkastration entwickelt, bei dem der Eingriff vor dem Eintreten der Geschlechtsreife vorgenommen wird. Dieses kann aber die Kastration im Alter von wenigen Wochen bis zu etwa vier Monaten bedeuten – ein riesiger Unterschied! Während wir es bei einem gerade mal vollständig entwöhnten Kätzchen mit einem Kind, biologisch vergleichbar einem drei- bis vierjährigen Menschen zu tun haben, ist die vier Monate alte Katze körperlich und geistig wesentlich reifer, vergleichbar einem Jugendlichen.

Da man Säugetiere gut vergleichen kann, sollte man sich zur Beurteilung der Frühkastration das Schicksal der jungen Sänger ansehen, die vor allem im 15. bis 18. Jahrhundert zum Erhalt ihres Sopran oder Alt in einem erwachsenen Körper („Falsett“) vor Eintritt in den Stimmbruch entmannt wurden. Es sollte damit eine Stimme geschaffen werden, die „alles Menschenmögliche übersteigt“. Bekannt wurde diese Praxis in neuerer Zeit durch den Film „Farinelli“. Körperlich erreichten die meisten Kastraten eine damals übliche Körpergröße, blieben jedoch knabenhaft ohne Ausprägung der sekundären Geschlechtsmerkmale. Diese Männer trugen schwere seelische Schäden davon, in der damaligen Gesellschaft kein „richtiger“ Mann zu sein.

Nun mag man einwenden, was das mit den Katzen zu tun habe. Sie können doch nicht reflektieren, was ihnen durch die Kastration „entgeht“…

Aufbauend auf die Arbeiten von Marc Bekoff beschäftigen sich immer mehr Wissenschaftler mit dem Gefühlsleben der Tiere und fördern Erstaunliches zutage.

Einen Eindruck von Geschlechtlichkeit haben Katzen sicherlich, gerade Kater zeigen häufig deutlich „männliches“ Verhalten in der Interaktion mit Kätzinnen und anderen Katern.

Die einzig bekannte größere Studie zum Thema Frühkastration der Katze wurde von 1991 bis1992 mit späteren Nachuntersuchungen in den USA durchgeführt. Sie wurde im deutschsprachigen Raum vor allem durch die Übersetzung einer Zusammenfassung der Biologin Diana Cruden bekannt.

Die als „WinnFeline-Studie zur Frühkastration“ bekannten Erkenntnisse lassen sich wie folgt zusammenfassen:

Untersucht wurden drei Gruppen von Katzen. Die erste wurde im Alter von 7 Wochen kastriert, die zweite nach 7 Monaten, die dritte erst nach Ausreifung im Alter von 12 Monaten.

Das Narkoserisiko ist bei sehr jungen Tieren etwas höher, da der Atemapparat noch nicht voll entwickelt ist

Da der Körper noch klein und nicht ausgewachsen ist, muss der Tierarzt größere Sorgfalt bei der Operation walten lassen.

Früh kastrierte Kater haben einen verzögerten Epiphysenschluss, d.h. die langen Röhrenknochen wachsen längere Zeit und die Tiere werden dadurch größer als spät kastrierte Kater (eine erhöhte Neigung zu Brüchen ergibt sich dadurch nicht, aber es könnte Veränderungen der Knochendichte geben, stellt Gerd Möbius von der Uni Leipzig im Jahr 2009 fest).

Kastrierte Katzen sind allgemein ebenso aktiv wie unkastrierte.

Kater, die erst mit 12 Monaten (also in ausgereiften körperlichen Zustand) kastriert wurden, sind im Verhalten deutlich aggressiver und weniger anhänglich als Kater, die mit 7 Wochen oder 7 Monaten kastriert wurden.

Es gibt keinen Unterschied im Harnröhrenumfang des Katers. Alle Kater haben eine Neigung zu Harnsteinen – egal, ob und wann sie kastriert werden.

Ein großer Unterschied zeigt sich in der Ausprägung der primären Geschlechtsorgane, also beim Kater Entwicklung des Penis mit den „Widerhaken“ und der Vorhaut, bei der Kätzin die Entwicklung der Scheide und Gebärmutter. Bei beiden Geschlechtern blieb die Entwicklung auf einem kindlichen Niveau, was aber auch bei einer Nachuntersuchung nach fünf Jahren keine körperlichen Probleme machte.

Auf die Ausbildung der sekundären Geschlechtsmerkmale wurde hier nicht eingegangen.

Es wird jedoch häufig berichtet, dass vor allem beim Kater die Ausbildung der „Katerbacken“ und bei beiden Geschlechtern das „erwachsene“ Haarkleid weniger oder gar nicht ausgeprägt sind. Frühkastraten bleiben deutlich „kindlich“. Und das eben nicht nur körperlich, sondern auch im Verhalten.

Das Größenwachstum der frühkastrierten Kater erklärt man sich so, dass es durch den Wegfall der auch das Wachstum regulierenden Sexualhormone zu dem bereits erwähnten verzögerten Epiphysenschluss kommt.

Die Erfahrungen von Züchtern und Tierärzten mit der Frühkastration unterscheiden sich essentiell.

Die Abessinier-Züchterin Resa Bauer-DeMeyere schrieb 1998: „Die Frühkastration von Liebhabertieren, bevor sie in ihr neues Zuhause gebracht werden, macht jedem das Leben einfacher, insbesondere das der Katze!“. Sie beschreibt, dass die frühkastrierten Kätzchen weniger Schmerzen zu haben scheinen als die später kastrierten, und dass sie sich auch deutlich schneller von der Operation erholen.Frühkastraten neigen ab und an zu idiopathischem Durchfall (also aus einer schulmedizinisch nicht feststellbaren Ursache), der aber durch die Ernährung gut beeinflussbar sei.

Ein Tierarzt berichtet, die Operation ist einfacher, da die Keimdrüsen frei liegen
und noch nicht von Fettgewebe überlagert sind. Allerdings sind ein kleiner Eingriff und eine schnelle Operation wichtig, da der kleine Körper extrem schnell auskühlt und es dadurch Komplikationen kommen kann. Da aber auch die Blutgefäße kleiner sind, kommt es zu weniger Blutungen.

Eine Züchterin von Sibirischen Waldkatzen aus Berlin berichtete im persönlichen Gespräch, dass sie keine körperlichen Unterschiede ihrer Frühkastraten zu später oder gar nicht kastrierten Katzen sehe. Ihre gezüchteten Kater seien trotz Frühkastration „ganze Kerle“, mit Katerbacken und gesundem „männlichen“ Verhalten. Bei den Kätzinnen sehe sie ebenfalls keine Unterschiede. Da sie mit den Käufern ihrer Nachzuchten in Kontakt bleibt, könne sie deren Entwicklung über viele Jahre verfolgen.

Schauen wir aber nochmal auf die Biologie. Leider sind wir hier wieder auf Aussagen zum Hund angewiesen, die sich aber auf die Katze übertragen lassen, denn die chemischen Prozesse sind bei allen höheren Säugetieren gleich.

Udo Gansloßer und Sophie Strodtbeck beschreiben im Februar 2011 im „Schweizer Hundemagazin“ die Neurobiologie als Wechselwirkung zwischen Hormonen, Botenstoffen im Gehirn und dem Immunsystem. Durch die komplexen Regelkreissysteme innerhalb des Hormonsystems wird nicht nur der Sexualhormonspiegel beeinflusst. Hunde sind erst im Alter von mehreren Jahren erwachsen, rasseabhängig kann dies bis zu drei bis vier Jahre dauern. Hündinnen sind erst nach dem vollständigen Durchlaufen der dritten Läufigkeit, einschließlich anschließender Scheinschwangerschaft und Scheinmutterschaft, als erwachsen anzusehen, und die Entwicklungsgeschwindigkeit des Rüden unterscheidet sich kaum von der Hündin. „Daher sind die Auswirkungen einer Kastration auch im zweiten Lebensjahr noch durchaus bedeutsam.”

Die genannten Daten muss man nun auf die Katze herunter rechnen, denn sie ist früher erwachsen als der Hund.

Außerdem gibt es bei der Kätzin natürlich nicht das Problem der Scheinschwangerschaft.

Die Autoren erläutern dann die Wirkung der Sexualhormone.

Die bereits erwähnten „Pubertätsgene“ aktivieren das Hormon Gonadotropin, und dieses aktiviert die Produktion der Geschlechtshormone. Als Folge werden Schilddrüsenhormone ausgeschüttet, die z.B. für das Längenwachstum zuständig sind.

Besonders wichtig sind Sexualhormone für die Entwicklung des Nervenwachstums. Vor allem betrifft dies die Auswirkungen auf die Lernfähigkeit. In der Pubertät finden umfangreiche Umbauprozesse statt: Synapsen werden abgebaut – jedoch vergrößern sich die Nervenzellen und die Verknüpfungen werden optimiert. Außerdem beschleunigt sich die Reizweiterleitung. Es wird gewissermaßen eine „Datenautobahn“ geschaffen. Diese Vorgänge wirken sich besonders deutlich in der Großhirnrinde aus, die für die Bewertung von Außenreizen und das Problemlösungsverhalten zuständig ist. Säugetiere können dadurch besser lernen, können Lernerfahrungen bewerten und sie zur Grundlage ihres Handelns machen. Dies wird unterstützt durch die „Selbstbelohnungsdroge“ Dopamin.

Begleitend werden die Verknüpfungen im „Limbischen System“, einem Hirnanteil, der für die „Emotionen“ zuständig ist, heruntergefahren und damit rationales und strategisches Handeln ermöglicht.

In der Pubertät erhöht sich auch die Aktivität der Nebennierenrinde, die das „Stresshormon“ Cortisol produziert. Dieses Hormon führt im Zusammenspiel mit den Sexualhormonen zu den Stimmungsschwankungen des „Pubertierenden“, wie wir es auch von uns Menschen kennen.

Diese Zusammenhänge zwischen Sexualhormonen und der Entwicklung des Gehirns machen deutlich, warum Halter von frühkastrierten Tieren häufig „Kindsköpfigkeit“ und (vor allem beim Hund) „Lernschwäche“ bemerken. Ein „Nebenschauplatz“ dieser ganzen hormonellen Vorgänge ist auch das Immunsystem, das bei frühkastrierten Tieren häufig beeinträchtigt ist.

Sexualhormone wirken durch ihren Einfluss auf das Limbische System außerdem angstlösend. Bei Tieren, die generell ängstlich und schnell gestresst sind („Cortisol-Typen“) sind, fehlt durch die Kastration die beruhigende Wirkung dieser Hormone.

Cortisol wirkt sich dämpfend auf die Lernfähigkeit aus, so dass ängstliche Typen auch schlechter aus Erfahrungen lernen können. Sie sind dann die „Pessimisten“ unter den Katzen und werden eher scheu und zurückhaltend an Neues herangehen. Diese Katzen haben auch ein geringes Selbstbewusstsein und tun sich schwer mit Veränderungen jeglicher Art. Sie mit entsprechendem Spielangebot und positiven Erfahrungen zu fördern ist eine große Aufgabe für den (zukünftigen) Halter!

Bei der Kätzin kann es selten durch ein Überangebot von Östrogen zu einer generellen Übererregung und Reizbarkeit kommen. Hier kann die Kastration ausnahmsweise ausgleichend wirken. Dies sollte jedoch durch eine Kontrolle des Hormonstatus im Blut verifiziert werden.

Sexualhormone dämpfen das Jagd- und Beutefangverhalten. Da Kätzinnen jedoch von Natur aus beutemotiviert sind, wirkt sich die Kastration hier vor allem bei Katern aus. Sie werden daher häufig nach der Kastration passionierte Jäger.

Auch nach der Kastration werden Sexualhormone produziert, da ja die Hypophyse und die Nebennierenrinde in ihrer Funktion nicht beeinträchtigt sind. Allerdings ist die Konzentration der Hormone im Blut naturgemäß recht gering, und kann dann z.B. den Cortisol-Einfluss nicht wirklich aufheben. Je älter ein Tier bei der Kastration ist, desto ausgleichender und Selbstbewusstsein-schaffend wirken sich die Hormone aus.

Gerd Möbius von der Veterinärmedizinischen Fakultät Leipzig spricht sich in seinem Artikel: “Die Kastration beim Hund – Indikationen unter dem Blickwinkel des Tierschutzgesetzes”
ebenfalls gegen die Frühkastration aus. Die präventive Wirkung auf die Entstehung von Mammatumoren (Gesäugeleistenkrebs) stehe den Risiken der Komplikationen und unerwünschter Effekte gegenüber. Angeführt werden hier vor allem Inkontinenz und fehlende geschlechtliche Ausreifung mit einer Beeinflussung der körperlichen und charakterlichen Entwicklung. Es sei medizinisch schwer zu rechtfertigen, ein gesundes Organ prophylaktisch zu entfernen, das zur physiologischen Ausreifung essentiell ist (Möbius zitiert hier Günzel-Apel 1998).

Die Autoren der Katzen-Website des Futtermittelherstellers „Royal Canin“ stellen fest:

Bei der Frühkastration werde das Verhalten negativ beeinflusst, heißt es oft. Durch die Kastration ändert sich grundsätzlich das Verhalten – egal, zu welchem Zeitpunkt die Kastration durchgeführt wird. Die Tiere werden in der Regel anhänglicher und passen ihr Leben stärker an den Menschen an. Früh kastrierte Tiere erleben die sexuelle Reife nicht, so dass hier oft von besonders verspielten, „welpenhaften“ Tieren berichtet wird.

Fazit

Aus den genannten biologischen Gründen sollte eine Unfruchtbarkeit der Katze so spät wie möglich herbeigeführt werden.

Aus Tierschutzaspekten ist die Sterilisation vorzuziehen, vor allem beim Kater. Wenn dennoch kastriert wird, sollte die Operation so spät wie möglich erfolgen, damit das Tier körperlich und geistig reifen kann.

Allerdings muss jede Operation zu einem Zeitpunkt vorgenommen werden, bevor die Katze ungewollten und unerwünschten Nachwuchs produzieren kann – bzw. die Reproduktion muss solange zuverlässig verhindert werden!

Eine Frühsterilisation beim Kater bzw. -kastration bei der Kätzin ist daher vor allem zum Eindämmen der wildlebenden Streunerpopulationen sinnvoll. Dies ist auch die biologisch günstigste Möglichkeit auf Bauernhöfen, wo man sich häufig nur unzureichend um die Katzen kümmert. Allerdings, und dies ist besonders wichtig: die Frühkastration sollte nicht vor dem 4. Monat vorgenommen werden, um den Katzenkindern zumindest eine hohe Chance auf eine artgemäße Entwicklung geben zu können.

Wir Menschen können uns nicht anmaßen, ohne Not über ein anderes Lebewesen zu bestimmen. Auch unsere Katzen haben ein Recht darauf, erwachsen werden zu dürfen. Die Schaffung von lieben, anschmiegsamen und „niedlichen“ Katzen aus Bequemlichkeitsgründen ist ethisch genauso zu verurteilen wie die einstige Verstümmelung der Kastraten-Sänger.

Es liegt in unserer Verantwortung, unseren Stubentigern ein ihrer Biologie und Natur entsprechendes Leben zu ermöglichen – und dabei nicht zu vergessen, dass jede ungewollte und ungeliebte Katze eine zuviel ist!

Angaben im Sinne des Presserechts:

Andrea C. Schäfer
www.thp-schaefer.de
Tierpsychologin/Tierheilpraktikerin

Mai 2011, Erstveröffentlichung in „Pfotenhieb 1“,
dies ist eine erweiterte Fassung des Buchartikels

P.S.: die beiden Wohnungskatzen der Autorin sind kastriert. Der Kater wurde bereits mit 5 Monaten kastriert, weil er körperlich und geistig extrem frühreif war, und bereits versuchte seine Schwester zu decken. Die Kätzin mit etwa 6 Monaten, da bereits die erste Rolligkeit in eine Dauerrolligkeit mündete und zu zahlreichen Zysten an den Eierstöcken führte.

Quellen:

  • Bauer-DeMeyere, Resa (Murteza Abessinier), Artikel zur Frühkastration
    veröffentlicht in „TICA TREND“, Ausgabe April/Mai 1998
  • Bloomberg, Mark S. DVM, MS; Stubbs, W.P., DVM; Senior, D.F. BVSc; Lane, Thomas J. BS, DVM;: Developmental and Behavioral Effects of Prepubertal Gonadectomy. Funded by the Winn Feline Foundation, February 1991. Continuation funded February 1992.
    Zusammenfassung von Cruden, Diana Ph.D. (deutsche Übersetzung von Amy Stadter)
  • Kalz, Beate Dr.: “Populationsbiologie, Raumnutzung und Verhalten verwilderter Hauskatzen und der Effekt von Maßnahmen zur Reproduktionskontrolle
  • Gansloßer, Udo PD Dr.: Seminar „Auswirkungen der Kastration beim Hund“, Düsseldorf 2007
  • Gansloßer, Udo PD Dr. / Strodtbeck, Sophie: „Neurobiologische Aspekte der Kastration beim Hund“,
    veröffentlicht in „Schweizer Hundemagazin“, Ausgabe 02/2011
  • Möbius, Gerd: “Die Kastration beim Hund – Indikationen unter dem Blickwinkel des Tierschutzgesetzes”, , veröffentlicht in “kleintier.konkret”, Ausgabe S1-2009
  • Turner, Dennis PD Dr. „Turners Katzenbuch“ und „The Domestic Cat: The biology of its behavior”
  • Deutscher Tierschutzbund, www.tierschutzakademie.de/00820.html
  • http://www.royal-canin.de/katze/die-katze/kastration-der-katze/der-richtige-zeitpunkt.html

Katzensenioren

Seniorenkatzen: Alter ist keine Krankheit

Auch, wenn ältere Katzen in den meisten Fällen fit und lebendig sind, leiden auch sie im Alter unter so manchen Zipperlein und Eigenheiten. Doch mit ein wenig Mühe und Sorgfalt können Sie Ihrer Seniorenkatze den Ruhestand verschönern!

Von Andrea Schäfer

Wann sind unsere Stubentiger eigentlich „alt“? Die bekannte Berechnung „Ein Menschenjahr entspricht sieben Katzenjahren“ trifft es bei genauerer Betrachtung nicht. Bereits mit einem Jahr sind Hauskatzen umgerechnet „Teenager“, zwei Jahre entsprechen einem erwachsenen Mensch von 24 Jahren. Erst im weiteren Verlauf erfolgt die Alterung langsamer, eine 10-jährige Katze würde nach dieser Tabelle einem menschlichen Vorruheständler mit 56 entsprechen und die 14-jährige einer Seniorin von 72 Jahren. Während nur wenige Menschen das hundertste Lebensjahr erreichen, sind ihre schnurrenden Äquivalente mit 20 Jahren oft noch erstaunlich gut zu Fuß. Die älteste Katze wurde laut dem „Guinness Buch der Rekorde“ 34 Jahre alt! Ein wahrer Methusalem…
In der Tiermedizin werden Katzen ab 10 Jahren als Senior „eingestuft“, aber wie bei uns ist eine fixe Einteilung der Altersklassen eher fragwürdig. Es gibt Menschen, die mit 60 Jahren bereits deutlich geistig oder körperlich altern – und andere, die mit 80 noch sportlich aktiv sind oder ein Studium absolvieren. Und so gibt es auch Katzen, die sich selbst mit 15 Jahren noch nicht als „Rentner“ betrachten und täglich auf Mäusejagd gehen. Doch ähnlich wie bei Menschen lassen auch bei unseren Stubentigern im Alter die Sinnesleistungen, körperlichen und geistigen Möglichkeiten nach. Gerade die körperlichen Alterserscheinungen kann man oft positiv beeinflussen und lindern, mit anderen muss man sich vielleicht arrangieren.

Zunächst ist immer abzuklären, ob es nicht eine medizinische Ursache für Altersbeschwerden gibt. Wenn Katzen Schmerzen haben, ziehen sie sich entweder zurück oder werden kratzbürstig. Generell sollte eine über 10 Jahre alte Katze am besten ein- bis zweimal pro Jahr einem Tierarzt oder -heilpraktiker vorgestellt werden. Mit einem „geriatrischen Profil“ werden altersbedingte Krankheiten häufig so früh erkannt, dass man sie gut behandeln kann. Dies zu unterlassen hieße am falschen Ende zu sparen!

Wenn jeder Gang schmerzt

Im Alter kann Mieze an Arthrose, Spondylosen oder anderen Abnutzungserscheinungen des Bewegungsapparates leiden. Oft fällt nur auf, dass alternde Katzen nicht mehr so viel klettern, springen oder spielen wie zuvor. Schmerzen können auch zu aggressivem Verhalten führen. Sollte also eine eher verschmuste Samtpfote plötzlich kratzen oder beißen, sollte sie immer einem Tierarzt vorgestellt werden. Arthrose kann zwar nicht geheilt, aber durch knorpelerhaltende Nahrungszusätze wie beispielsweise Grünlippmuschelextrakt oder Garnelenschalen günstig beeinflusst werden.

Inkontinenz

Manche Senioren werden inkontinent (Harn und/oder Kot). Auch hier sollte zuerst geprüft werden, ob der Stubentiger unter einer chronischen Blasenentzündung leidet oder aber eine Schwäche des Schließmuskels das Problem ist. Hierfür gibt es beim Tierarzt unterstützende Medikamente. Tierheilpraktiker oder alternativtherapeutisch geschulte Tierärzte können auch homöopathisch oder mit pflanzlichen Präparaten unterstützen. Im Ernstfall bieten sich Windeln, die man beispielsweise aus Frühchen- oder Säuglingswindeln basteln kann, oder Inkontinenzmatten für den Schlafplatz an. „Da wir Samson morgens ab und zu in seinem Urin fanden, weil er es in der Nacht wohl nicht in die Katzentoilette geschafft hat, haben wir ihm Katzenwindeln besorgt. Jeden Abend haben wir sie ihm angezogen und er hat sie auch benutzt. Ganz selten hat er die Windel über Nacht ausgezogen“, berichtet Tina Krogull über ihre Erfahrungen.

Der Zahn der Zeit

Auch Zahnprobleme kommen mit dem Alter. Deswegen ist es wichtig, dass die Miez‘ ein- bis zweimal pro Woche an einem richtigen Stück Fleisch nagen oder sich beim Freigang eine Maus fangen darf, um die Zähne auf natürliche Art und Weise zu reinigen. Leider lassen sich Katzen nicht so gerne die Zähne putzen wie Hunde, einen Versuch ist es aber wert. Es gibt spezielle Tier-Zahnpasten, jedoch dürfen diese kein Teebaumöl enthalten. Von Trockenfutter zur Zahnreinigung möchte ich eher abraten. Sicherlich ergibt sich durch das Knacken der Brocken einen Reinigungseffekt, aber die pflanzlichen Kohlenhydrate (die zur Fertigung der Kroketten erforderlich sind) ergeben in Zusammenarbeit mit dem Speichel neue Zahnbeläge.

Grundsätzlich sollte bei der älteren Katze ab und zu eine Zahnsanierung durchgeführt werden. Gerade chronische Zahnfleischentzündungen schwächen das Immunsystem und führen auf Dauer zu einer Störung von Stoffwechselprozessen (man kennt beispielsweise einen Zusammenhang von chronischen Entzündungen und Diabetes).Allerdings ist das Narkoserisiko bei der alten Katze erhöht. Eine Inhalationsnarkose ist meist schonender, kann feiner dosiert werden und wird besser vertragen als die übliche Injektionsnarkose per Spritze. Inzwischen gibt es spezialisierte Tierzahnärzte, die auch „Problemfälle“ kompetent behandeln können.

Autoimmunerkrankungen wie „FORL“ (hierbei wird Zahn- und Knochensubstanz ab- und umgebaut) können dazu führen, dass Zähne gezogen werden müssen. Damit kommen Katzen in der Regel sehr gut zurecht, viele zahnlose Stubentiger knuspern sogar Trockenfutter.

Nieren- und Gewichtsprobleme

Oft tritt eine Niereninsuffizienz auf, der Senior besucht das Katzenklo häufiger und hat dadurch einen erhöhten Flüssigkeitsbedarf. Dennoch vergisst er manchmal einfach, zu trinken… Daher bietet man am besten Feuchtfutter an und mehr Wasserstellen, die an die „Laufwege“ der Katze platziert werden, damit sie häufiger an das Trinken erinnert wird.

Hat die Katze bislang Trockenfutter bekommen, sollte sie auf möglichst hochwertige Feuchtnahrung umgestellt werden und auf eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr geachtet werden.

Auch Gewichtsprobleme gehören zum Alltag einer Seniorenkatze. Dabei gibt es zwei Phasen. Zunächst wird aus dem strammen Stubentiger ein „Moppelchen“. Das geringere Bewegungsbedürfnis führt bei gleichbleibender Futtermenge häufig zu Übergewicht! Doch Vorsicht bei der Ernährungsumstellung: Sogenannte „Light“-Futtermittel sind wie „Light“-Produkte für Menschen häufig nur Geldmacherei. Sinnvoller ist es, auf eine hochwertige Feuchtnahrung umzustellen. Ein etwas höherer Ballaststoffanteil tut der Verdauung gut (gerade, wenn sich unser Tigerchen nicht mehr so viel bewegt), jedoch sollten diese Ballaststoffe nicht aus Getreide, sondern aus Gemüsebrei bestehen, um die abführenden und entgiftenden Organe nicht weiter zu belasten.
Im hohen Alter nehmen Senioren oft unkontrolliert ab, da Stoffwechselprozesse nicht mehr so effektiv verlaufen wie bisher. Leider wird zunächst Muskulatur abgebaut – diese Katzen haben dann schlanke, fast dünne Beine, Schwänze und einen „knochigen“ Kopf bei einem durchaus stämmigen Rumpf. „Selbst der Gesichtsausdruck verändert sich im Alter“, beschreibt Susanne G. Erst im weiteren Verlauf wird auch Fett abgebaut, das Tier wirkt allgemein dünn und eingefallen. Das „Auszehren“ kann auch eine Folge eines Krebsgeschehens oder einer anderen Erkrankung sein. Spätestens in dieser Phase muss die Katze engmaschig medizinisch überwacht werden, da der Fettabbau die Leber übermäßig belastet und eine Katze generell nicht zu stark abnehmen darf! Einher geht dieser Prozess oft mit einem geringen Appetit des Stubentigers. Hier sollte und muss man dann durchaus „päppeln“!

Die Sinne

Wie bei uns Menschen lassen auch die feinen Sinne der Katze im Alter nach. Taube Katzen „melden“ sich häufiger – sie verstehen nicht, dass sie sich selbst und ihre Dosenöffner nicht mehr hören und auch sonst weniger Umweltreize wahrnehmen. Das führt dazu, dass sie vor allem nachts schreien, wenn wir Menschen schlafen wollen… Oft hilft es schon, den Senior mit im eigenen Bett schlafen zu lassen und ihm so ein wenig Anlehnung zu bieten.

Wenn der Geruchssinn nachlässt, mögen viele Katzen nicht mehr fressen oder nur noch winzige Häppchen futtern. Die Ursache dafür ist, dass sie ihre Nahrung vor allem geruchlich prüfen: Von Nahrung, die nicht „gut“ oder intensiv riecht, wird lieber die Pfote gelassen… Hier hilft es, die Nahrung im Wasserbad auf Zimmertemperatur oder etwas darüber anzuwärmen und den Geruch so zu verstärken. Bei einem Senior darf es zwischendurch auch mal eine stark duftende Portion Thunfisch sein, wenn er nicht gerade eine Schilddrüsenüberfunktion hat. Man kann auch dem gewohnten Futter ein wenig ungewürzte warme Fleischbrühe unterrühren, und bei Katzen, die eher abmagern, auch etwas Butter oder Sahne beifügen. Häufige kleine Mahlzeiten werden von älteren Stubentigern lieber angenommen als zweimal täglich große Portionen. Oft erfordert die Fütterung einer Seniorkatze ein wenig mehr Mühe und Sorgfalt: „Mein Kater braucht Unterstützung beim Fressen, in dem ich das Futter auf einen Kochtopf mit umgedrehten Deckel stelle, damit er die Futterschale nicht herunter schieben kann“, berichtet Elke H. über ihren neunzehnjährigen Joschka. „Da sein Geruchssinn deutlich nachgelassen hat, muss ich ihm immer wieder das Futter zeigen. Er geht auch immer wieder vom Futter weg, und findet es nicht mehr wieder – oder nur, wenn es frisch aus der Dose kommt und noch deutlich riecht. Nach dem Fressen muss bei ihm das Schnütchen gesäubert werden, da er das Futter auch großzügig im Gesicht verteilt.“

Auch blinde Katzen finden sich erstaunlich sehr gut zurecht – wenn man nicht gerade häufig die Wohnung umgestaltet! Vor allem, wenn Mieze langsam erblindet, bemerkt man dies häufig gar nicht oder erst durch eine Linsentrübung, weil sich die Katze so gut auf ihre Einschränkung einstellt. Oft sieht das dann so aus, wie von Tina Krogull berichtet: „Unser Samson ist gut achtzehndreiviertel Jahre alt geworden und er war sein Leben lang gesund. Etwa sechs Monate vor seinem Tod ist Samson blind geworden. Ich kann mich noch sehr gut erinnern: es war ein Mittwochabend, und mein Mann und ich haben ferngesehen. Samson stand auf, sprang von der Couch und ist dabei gegen den Tisch gesprungen. Am nächsten Tag sind wir direkt zu unserem Tierarzt gegangen, der eine Hornhautablösung in beiden Augen feststellen konnte. Samson bekam etwas gegen die Schmerzen, die mit dieser Erkrankung entstehen. Danach hatte er kein Problem, sich im Haus und auch im Garten zu Recht zu finden.

Eine plötzliche Erblindung kann auch eine Folge zu hohen Blutdrucks sein! Stellen Sie Ihre Samtpfote in einem solchen Fall so schnell wie möglich in einer Tierklinik vor. Mit blutdrucksenkenden Mitteln kann das Augenlicht dann womöglich sogar gerettet werden.

Auch der „Graue Star“ (Katarakt) lässt sich sehr gut operieren, der „Grüne Star“ (Glaukom) kann mit Medikamenten behandelt werden. Auch Kater Joschka entwickelte ein Glaukom im linken Auge: „Der Tierarzt gab mir Augentropfen, aber es wurde immer schlimmer“, erzählt Elke H. „Er hatte starke Schmerzen und wir haben die Narkose gewagt, um das Auge zu entfernen, als Joschka 17 Jahre alt war. Er hat die Operation gut überstanden und lebte richtig auf.“

Gelenksteife und ein paar Pfunde zuviel macht die Körperpflege oft zu einer Herausforderung. Gerade das Fell im Nacken und am Rücken wirkt struppig oder fettig. Dann muss man als Mensch verstärkt helfen und bürsten. Massagen oder „Tellington Touch“-Übungen können zusätzlich für Wohlbefinden sorgen. Katzensenioren lieben häufigere Schmuseeinheiten!

Demenz

Aber was, wenn Mieze dement, senil, wunderlich, schrullig, „neben der Spur“ist und geistig abbaut?
Katzen, die sich räumlich nicht mehr zu Recht finden, sollten nur noch gesicherten Auslauf bekommen, eventuell bieten sich auch Geschirr oder Leine oder gar eine reine Wohnungshaltung an. „Nach dem Füttern muss Joschka auf Schlafplätze gelegt werden, sonst findet er keine Ruhe und läuft und läuft…“, erzählt Elke H.

Ermöglichen Sie Ihrem Senior dennoch eine gewisse Selbständigkeit! Klettermöglichkeiten können so umgestaltet werden, dass der Stubentiger über Rampen oder Treppen heruntergehen kann – ein Geheimtipp auch bei Schmerzen des Bewegungsapparates. Auch die Katzentoilette sollte an einer gut zugänglichen Stelle stehen und am besten werden mehrere Toiletten angeboten – denn nicht immer hat Unsauberkeit physische Gründe. Eine ältere Katze kann auch neue Ängste entwickeln. Hier sollten wir entsprechende Rückzugsorte anbieten und den Senior nicht bedrängen.

Es gibt inzwischen auch für Tiere pflanzliche Präparate bei nachlassender Gehirn- und Gedächtnisleistung, beispielsweise aus Ginkgo-Extrakt, bei zusätzlicher körperlicher Schwäche Ginseng-Präparate oder bestimmte natürliche Aminosäuren als Nahrungsergänzung. Diese Mittel können beispielsweise auch helfen, wenn die Katze die Tageszeiten nicht mehr kennt und die Nacht zum Tage macht. Bitte verwenden Sie jedoch niemals frei verkäufliche Mittel für Menschen, sondern lassen Sie sich von Ihrem Tierarzt oder –heilpraktiker genau beraten!

Beschäftigung im Alter

Neben der Wohnung sollte auch der Alltag strukturiert und auf eine stressarme Umgebung Wert gelegt werden. Ein verspieltes Katzenkind als neuen „Kumpel“ finden Senioren meist völlig überflüssig, und auch eine grundlegende Änderung der (menschlichen) Lebensgewohnheiten verkraften sie eher schwer. Rituale sind gerade für den älteren Stubentiger wichtig. Manche Katzen entwickeln auch neue „Macken“ oder erfinden längst verlernte Untugenden neu. Dennoch muss uns die Alterspräsidentin aber nicht den Schinken vom Brot klauen oder den guten Sessel zerkratzen! Betüddeln darf und soll man die alten Herrschaften durchaus, aber tyrannisieren braucht man sich von Ihnen nicht lassen. „Altersstarrsinn“ gibt es nämlich auch bei Katzen!

Geistig und körperlich fit bleibt man auch durch Spiel und Spaß! Wer beispielsweise sein Futter sucht, statt sich einfach am Napf zu bedienen, bleibt mental fit und tut gleichzeitig etwas gegen überflüssige Pfunde! Viele Katzen mögen Intelligenzspielzeuge wie den Futterball oder „Fummelbretter“, um sich ihr Futter zu erarbeiten. Wegen körperlicher Beschwerden mag Ihr Stubentiger vielleicht nicht mehr dem Laserpointer-Punkt nachjagen. Suchen Sie dann Spielzeuge, die ihn interessieren und beschäftigen. Ganz einfach kann dies bereits ein Kronkorken mit einem Käsestückchen als „Fracht“ sein, der in einer Wasserschüssel schwimmt und heraus geangelt werden kann.

Alte Tiere machen uns vor, wie man trotz der körperlichen Einschränkungen noch ein ausgefülltes und schönes Leben führen kann. Sicher hat man oft mehr „Arbeit“ mit ihnen, aber sie geben unendlich viel mehr zurück! Für Unsauberkeit und Tierarztbesuche entschädigen die gemeinsame Stunden: Legen Sie sich mit Ihrem Tigerchen zusammen in die Sonne und genießen Sie die Ruhe! Oft wird das Verhältnis von Mensch und Katze im Alter besonders innig.

Dennoch werden viele alte Katzen vor die Tür gesetzt oder im Tierheim „entsorgt“, wenn sie beginnen, Arbeit zu machen. Umso schöner, wenn Tierfreunde einem Senioren ein Heim geben und ihm noch ein paar schöne Jahre schenken. Marina Böhm hat gleich drei ältere Katzen bei sich aufgenommen. „Auch wenn die älteren Kater etwas Mühe machen, merken sie, wie sehr sie geliebt werden“, berichtet sie. „Alle drei haben leider nicht mehr lange gelebt, aber sie haben mir irgendwie jeden Tag auf ihre Art ‚Danke‘ gesagt und ich bin glücklich, dass ich sie kennenlernen durfte.“

Leider hat die Beschäftigung mit dem Thema „Alter“ auch mit dem Tod zu tun. In der Tierhaltung haben wir die Möglichkeit, Leiden zu beenden. Es mag uns schmerzen, unseren Senior gebrechlich zu sehen, doch alt zu werden bringt nicht unbedingt Leiden mit sich. Die meisten Katzen bleiben bis ins hohe Alter dem Leben zugewandt und genießen die letzten Jahre, auch wenn es etwas ruhiger zugeht. Ich wünsche Ihnen und Ihrem Katzensenior eine gute und innige Zeit!

(Die Zitate stammen aus dem Thema „Alte Katzen“ im Ataxiekatzenforum (www.ataxiekatzen.plusboard.de), in dem sich nicht nur über Katzen mit dieser Behinderung, sondern über das Leben mit Samtpfoten allgemein ausgetauscht wird.)

Zum Weiterlesen:

Dahl, Dorothee: Graue Schnauzen, Gute Zeit mit alten Hunden, Cadmos Verlag (das Buch gibt auch Haltern von Katzensenioren viele Tipps!)

Schroll, Sabine: Handbuch Katzenkrankheiten, Cadmos Verlag

Schmitz, Ralf: Schmitz‘ Katze, Fischer Taschenbuch Verlag (Liebeserklärung an eine 26 Jahre alte Seniorin)

Streicher, Michael: Katzensenioren, Cadmos Verlag

Vorbrich, Susanne: Wenn Katzen älter werden, Cadmos Verlag

Sabine Ruthenfranz: Katzensenior – alte Katze, Books on Demand

Zur Autorin:

Andrea Schäfer
Tierheilpraktikerin und Tierpsychologin
www.katzenkompetenz.de

Erstveröffentlichung „Pfotenhieb“ 6, 2013 – überarbeitet 2016

Silvester mit Katze …

Panik muss nicht sein!
Alle Jahre wieder…

Für viele Tiere ist die Silvesternacht der „Horror“ schlechthin. Zum einen haben sie ein viel besser ausgeprägtes Gehör als wir Menschen, zum Anderen verstehen sie die Aufregung und die Knallerei nicht. Katzen sind oft stundenlang nicht zu sehen, viele verfallen mit angstvoll geweiteten Pupillen in Schockstarre…

Wie können wir Menschen unseren Tieren helfen?

Unsere Verantwortung fängt schon weit vor dem Jahresende an!

Je besser wir die Katzen vorbereiten, desto ruhiger werden sie die Silvesternacht überstehen.

Wir können ab dem ersten Adventwochenende unsere Stubentiger mit Geräusch-CDs an den Lärm gewöhnen. In für sie angenehmen Situationen, z.B. der Fütterung, lässt man die CD zunächst sehr leise, im Laufe der Zeit immer lauter abspielen. Oft ist es mit dem Lärm nicht getan, besonders Freigänger nehmen beim Gassigehen den Schwefelgeruch des Feuerwerks wahr. Auch die Lichtblitze der Raketen können die Tiere verunsichern. Hier kann man zuhause mit dem abendlichen kontrollierten Abbrennen von Wunderkerzen ab der Weihnachtszeit eine zusätzliche Desensibilisierung erreichen.

In der Nacht des Jahreswechsels gehen Sie am besten individuell auf Ihre Katze ein.

Freigängerkatzen sollten am besten ab dem 30.12. oder spätestens ab Silvestermittag im Haus bleiben. Unsere kleinen Tiger tendieren allgemein dazu, sich in unangenehmen Situationen zu verstecken, manche unter dem Bett oder im Bad. Kann man sie auch nicht mit Futter hervorlocken, lässt man sie am besten dort und stellt ihnen Futter und Wasser in die unmittelbare Umgebung. Auch ein zusätzliches Katzenklo kann man in die Nähe stellen. Viele Katzen werden wohl nicht fressen wollen, aber wenn sie es tun, beruhigt das Futtern alleine durch die Kautätigkeit. Stellen Sie Fernseher oder Musik an, an diesem Tag darf es ruhig etwas lauter sein! Allerdings bitte nicht die „Silvester-Gala“, in der es um Mitternacht ebenfalls knallt, sondern einen längeren nicht allzu ruhigen Film, Pop oder anregende Klassik. Schließen Sie Rollladen, Jalousien und Vorhänge, dies hat eine lärmdämpfende Wirkung und filtert Lichtreflexe.

Haben Sie Gäste, dürfen diese das Tier nicht stören! Muss das Bad für die Gäste zugänglich sein, sollte die Katze einen anderen Rückzugsort haben, beispielsweise Keller oder Schlafzimmer. Sind Sie selbst eingeladen und die Tiere bleiben allein zuhause, bereiten Sie alles bitte ebenso vor. Fernseher oder Stereoanlage können mit einer Zeitschaltuhr um 23:30 Uhr starten. Ein Futterspender kann auf Mitternacht programmiert werden, und die Rollladen können Sie schließen, bevor Sie das Haus verlassen.

Meine eigenen Stubentiger reagieren sehr unterschiedlich: während meine Kätzin mit mir zusammen auf dem Sofa das Feuerwerk betrachtet, flüchtet mein Kater bei den ersten Knallern unters Bett. Pünktlich um Mitternacht öffnet sich der Futterspender im Schlafzimmer – und wenn ich zuhause bin, gibt es Futterspiele. Da mein Kater recht verfressen ist, kann ich ihn so unter dem Bett hervorlocken. Die Silvesternacht ist so für beide Tiere ungewöhnlich und aufregend, aber nicht mit großer Angst verbunden.

Welche Möglichkeiten kann ich am Silvestertag unterstützend anwenden?

Manche Katzen sprechen gut auf körpereigene Duftstoffe (Pheromone) an. Es gibt Pheromon-Zerstäuber für die Steckdose, die am Silvestertag am Rückzugsort des Tieres eingesetzt werden können.

In der Bachblütentherapie gibt es drei Möglichkeiten, die Sie in Apotheken erhalten können. Die Blüte „Mimulus“ hilft bei „konkreten“ Ängsten wie z.B. Gewitter oder eben Silvesterknall. Hat man diese Einzelblüte nicht im Haus und kann sie nicht mehr rechtzeitig besorgen, kann man auch gut die Rescue- (=Notfall-) Tropfen geben. Bei Katzen muss man die Tropfen unbedingt verdünnen, da die Stubentiger den enthaltenen Alkohol ablehnen. 4 Tropfen auf 10 ml Quellwasser sind ausreichend. Das Tier erhält pro Gabe 4 Tropfen der verdünnten Lösung (Katze) mit der Pipette oder Plastikspritze (ohne Nadel!) möglichst direkt ins Mäulchen. Lässt sich die Katze nichts direkt in das Maul geben, kann man die Tropfen auch auf das Futter geben.
Alternativ kann man die alkoholfreien Notfalltropfen für Kinder oder Tiere besorgen.
Eine weitere Möglichkeit sind die „Angst“-Globuli. Es handelt sich dabei um eine Bachblütenmischung, die in homöopathische Kügelchen gelöst ist.

Man beginnt am besten schon am 29.12. (Beginn des Verkaufs von Feuerwerk) mit einer dreimal täglichen Gabe. An Silvester kann man die Tropfen ab nachmittags auch stündlich geben, bis die ärgste Knallerei vorbei ist. Bitte schleichen Sie die Tropfen bis zum 2. Januar hin aus, da vor allem Jugendliche auch noch tagsüber Böller zünden.

Auch die Homöopathie kann unabhängig von der Tierart helfen. Reagiert die Katze nur auf ganz bestimmte Ursachen durch Ducken oder leichtes Zittern, ist ansonsten jedoch wenig ängstlich, empfiehlt sich Borax. Zeigt der Stubentiger starkes Zittern und kauert stundenlang versteckt, sollte Gelsemium (Wilder Jasmin) angstlösend wirken. Belladonna eignet sich für Katzen, die allgemein leicht in Panik geraten und dann einfach auf und davon laufen. Besonders feinfühlige Tiere zeigen schon nach dem ersten Knall oder Blitz “Erwartungsangst”, laufen unruhig im Zimmer umher und bekommen Durchfall. Für sie eignet sich Argentum nitricum (Silbernitrat). Die Globuli sollten ebenfalls bereits ab dem 29.12. in regelmäßigen Abständen eingenommen werden, um ihre beruhigende Wirkung zu entfalten. Zu diesen Anwendungen sollte man jedoch unbedingt den Tierheilpraktiker oder homöopathisch arbeitenden Tierarzt befragen!

Nicht zuletzt kann man Katzen mit körpereigenen Botenstoffen helfen. Die Aminosäure „L-Tryptophan“ und ein Extrakt aus Kasein „Alpha-Casozepin“ wirken beruhigend, ohne das Tier müde zu machen. In Stress-Situationen kann es sein, dass der Körper zu wenig dieser Aminosäure produziert. Man kann die Beruhigung aber füttern: durch die Gabe eines Nahrungsergänzungsmittels! Es gibt zwar auch ein Trockenfutter, das mit L-Tryptophan und Alpha-Casozepin angereichert ist, jedoch eignet es sich nicht für einmalige Situation wie Silvesterknall oder Gewitterdonner. Besser sind hier die Tabletten, die man nach Körpergewicht des Tieres dosiert und die man gemörsert auch ins Futter mischen kann.

Es gibt auch pflanzliche Mittel, die beruhigend wirken, beispielsweise mit Johanniskraut oder Hopfen. Verwenden Sie jedoch bitte niemals die freiverkäuflichen Präparate für Menschen, fragen Sie in der Apotheke gezielt nach den Mitteln für Katzen.

Erkundigen Sie sich rechtzeitig bei Ihrem Tierheilpraktiker oder Tierarzt über die richtigen Maßnahmen, die Mittelwahl und Dosierung.

Wenn das Tier auf diese Mittel nicht anspricht, völlig panisch ist, stundenlang jault und sich in die Furcht hineinsteigert, sollte man im nächsten Jahr nicht zögern, rechtzeitig den Tierarzt um ein angstlösendes Psychopharmakon zu bitten. Ihre Samtpfote ist dann nämlich so sehr in Not, dass die Gabe dieser Mittel einmal im Jahr auf jeden Fall gerechtfertigt ist!

Ich hoffe, dieser Ratgeber hilft Ihnen und Ihrer Katze über den Jahreswechsel. Vielleicht lesen Sie ihn im nächsten Jahr bereits ein wenig früher, so dass Sie Ihren Stubentiger auf die laute Nacht besser vorbereiten können.

Mit den besten Wünschen für das Neue Jahr, vor allem Gesundheit für Zwei- und Vierbeiner, und viel Freude mit Ihren Samtpfoten

Andrea C. Schäfer
Tierheilpraktikerin/Tierpsychologin
http://www.katzenkompetenz.de

Fisch in der Katzennahrung

Anlass dieses Artikels war ein Leserbrief zum Thema „Diagnose Krebs“ (Pfotenhieb 2)

Liebe Frau …,

besten Dank, dass Sie uns an Ihren Erfahrungen teilhaben lassen! Und ich spreche sicher im Namen der Redaktion und aller Autoren, wenn ich Ihnen mein herzliches Beileid zu Ihrem großen Verlust ausspreche. Es ist immer tragisch, wenn ein geliebtes Tier verstirbt – und es ist ganz natürlich, dass man sich fragt, ob man vielleicht etwas hätte besser machen können.

Bei Ihrer „Maus“ (ich benutze diesen Namen selbst gerne als Kosenamen für meine Kätzin) kamen sicherlich verschiedene Faktoren zusammen. Ein Zeichen, dass etwas nicht stimmte, war sicherlich das Erbrechen. Katzen erbrechen nicht „einfach so“ große Mengen an Flüssigkeit. Zugrunde liegen könnte eine Erkrankung der Nieren, was bei Katzen natürlicherweise sehr häufig vorkommt. Sie schreiben, dass man auch Schädigungen der Bauchspeicheldrüse, Leber und des Herzens festgestellt hat. Ja, Katzen zeigen Krankheiten sehr lange nicht – und wenn man etwas bemerkt, sind die Schäden schon groß. Das Erbrechen führte jedenfalls zu einem akuten Flüssigkeitsmangel. Vielleicht hatte „Maus“ jedoch bereits einen latenten, nicht sichtbaren Flüssigkeitsmangel durch die Minderfunktion der Bauchorgane oder des Herzens.

Durch einen akuten Flüssigkeitsmangel kommt es zu einer Elektrolytverschiebung. Sportler kennen dies und nehmen in Hochleistungsphasen und bei starkem Schwitzen hochwertige Mineralstoffdrinks zu sich. Die verabreichte Kochsalzlösung behebt kurzfristig den Wasser- und Salzmangel, gleicht jedoch nicht alle verlorenen Mineralstoffe aus. So mag es zum Kaliummangel gekommen sein, der das so genannte „Schwanenhalssyndrom“ auslöst, Herzprobleme begünstigen und bis zur Blindheit führen kann (dies ist vorübergehend, wenn im Krankheitsfall Kalium gezielt zugeführt wird). Da es so selten ist, ist dies nicht allen Tierärzten bekannt. Normalerweise haben Katzen nämlich keinesfalls einen Kaliummangel, wenn sie hochwertig ernährt werden. Gerade Fleisch und Fisch enthalten genügend Kalium, um den Bedarf reichlich zu decken! Ein Kaliummangel sorgt leider auch für erhöhte Glukosewerte, was wiederum die Bauchspeicheldrüse belastet.

Inwieweit die Fütterungsweise zum frühen Tod von „Maus“ beigetragen hat, lässt sich nicht mit Gewissheit sagen. Allgemein gelten jedoch ein paar Grundsätze: herkömmliches Trockenfutter (auch vieler Premiummarken) enthält in hohem Maße Getreidebestandteile. Pflanzliche Kohlenhydrate belasten den sensiblen Stoffwechsel der Katze, insbesondere die Funktion der Bauchspeicheldrüse. Auch Zucker/Karamell in Futtermitteln, Vitaminpasten und konventionellen Leckerli bringen den Energiehaushalt durcheinander (im nächsten „Pfotenhieb, das im Juni erscheinen wird, erläutern wir dies ausführlich am Beispiel der Zuckerkrankheit). Ihr Entschluss, „Maus“ kein Trockenfutter mehr zu geben, war also goldrichtig! Kalium und Thiamin (Vitamin B1) bedingen einander nicht. Auch nach Studium der tierärztlichen Fachliteratur zur Ernährung lässt sich hier kein Zusammenhang herstellen. Aus einem Kaliummangel resultiert daher auch keine „verstärkte“ Wirkung der Thiaminase. Das Enzym Thiaminase zerstört Vitamin B1 und ist in vermehrt rohem (!) Süßwasserfisch, Hering, Stint, Makrele, Muscheln sowie in manchen Pflanzen enthalten. Eine Vitamin B1-Unterversorgung löst neurologische Störungen, Ataxie, Krämpfe und Muskelschwund aus. Ein Thiaminmangel durch eine zu hohe Konzentration des Enzyms Thiaminase ist bei der Katze jedoch selten, er kann bei Kitten vorkommen, deren Mütter extrem unter- oder fehlernährt sind (beispielsweise Streuner) oder bei erwachsenen Katzen bei ausschließlicher (!) Fütterung mit rohem Süßwasserfisch, Hering oder Meeresfrüchten über längere Zeiträume auftreten. Kochen zerstört die Thiaminase zuverlässig! Da Nassfutter immer dampfgegart oder gekocht ist, besteht hier keinerlei Gefahr einer Vitamin B1-Unterversorgung. „almo nature“ ist prinzipiell ein gutes Nassfutter, jedoch ausdrücklich nicht als „Alleinfutter“ konzipiert. Dies stellt auch der Hersteller in seiner Produktbeschreibung klar (beispielsweise auf der Website einsehbar). Denn das Nassfutter hat kein ausgewogenes Kalzium-/Phosphor-Verhältnis, und kann bei ausschließlicher Fütterung die Nieren belasten (auf diese Zusammenhänge gehen wir in „Pfotenhieb 5“ näher ein). „almo nature“ Nassnahrung ist daher immer mit einem weiteren Futter zu kombinieren, damit es nicht zu einer Fehlernährung kommt. Das ist unabhängig von den Zutaten.

Wie Sie sehen, ist ein Zusammenhang der Fisch-Fütterung mit der Erkrankung und dem Versterben von „Maus“ nicht herzustellen. Sicherlich kann die Art der Fütterung Einfluss auf die Nieren und die Bauchspeicheldrüse genommen haben. Allerdings sind dies sehr sensible Katzenorgane, die auch bei bester Versorgung oft irgendwann ihren Dienst einschränken oder einstellen. Die meisten Katzen sterben an Niereninsuffizienz oder dem weiter gehenden sogenannten Multiorganversagen. Tragisch, dass Ihre „Maus“ schon so früh gehen musste. Aber der Fisch „als solches“ ist nicht schuld an ihrem Tod.

Wie schön, dass ein neuer Stubentiger Ihr Leben bereichern darf! Vielleicht hat ihn „Maus“ zu Ihnen geschickt, damit die Trauer nicht mehr so groß ist. Das einst ungeliebte ausgesetzte Katerchen darf nun Ihre ganze Liebe und Fürsorge genießen – und durch Ihre Erfahrungen ein glückliches und gesundes Katzenleben führen.

Wir würden uns freuen, wenn Sie weiterhin Leserin unseres „Pfotenhieb“ bleiben, und aus unserer Zeitschrift neue Erkenntnisse und Anregungen zum Zusammenleben mit unseren Samtpfoten ziehen können.

Ich wünsche Ihnen eine gute Zeit!

Andrea Schäfer
Tierheilpraktikerin/Tierpsychologin
www.thp-schaefer.de

aus „Pfotenhieb“ 6, 2013

Ergänzend anlässlich eines Artikels in der Zeitschrift „du barfst“:

Eine hohe Menge des Enzyms Thiaminase kann das Thiamin zerstören. Durch eine häufige Gabe von Thiaminase-haltigem Futter kann es zu Mangelerscheinungen kommen. Achtung: In vielen rohen Süßwasser-Fischarten ist ein hoher Gehalt an Thiaminase enthalten (z.B. Karpfen und alle Weißfische), die bei ausschließlicher Fischfütterung zu Mangelerkrankung führen kann. Darum nur sparsam bzw. in gegartem  Zustand füttern. Durch Erhitzen wird die Thiaminase zerstört. Seefisch ist, was den Thiaminasegehalt angeht, meist unbedenklich (außer Hering, Makrele, Stint und Meeresfüchte). Tipp: Wer sicher gehen will kocht, dünstet oder brät den Fisch ohne Gewürze, da beim Erhitzen die Thiaminase zuverlässig zerstört wird.

http://www.zierschildkroete.de/pages/ernaehrung/thiaminase.php

http://canisdashundeforum.phpbb8.de/barf/fisch-der-rohfutterung-t193.html

http://board.raubsalmler.de/kb.php?a=6

http://www.wuff-online.com/forum/showthread.php?t=57653

Nährwert-Tabelle als pdf

http://books.nap.edu/openbook.php?record_id=1114&page=64 Die Seite hilft nicht, weil sie nur aussagt, ob Thiaminase enthalten ist – aber nicht wieviel! Und unsere europäischen Süßwasser-, beispielsweise Weißfische oder Meeresfrüchte stehen gar nicht drin. 😉

Wenn es maunzt und schnurrt