Die andere Seite des Tierschutzes

Was hat das Sprichwort „Wo gehobelt wird, fallen Späne“ mit der Tierschutzarbeit zu tun?

Dazu müssen wir uns zunächst mit den Motiven auseinandersetzen, warum jemand im Tierschutz aktiv wird.

„Natürlich aus Tierliebe!“, mag nun die ein’ oder andere Leserin1 entrüstet antworten.

Befassen wir uns doch etwas tiefer mit der Thematik: Wer engagiert sich eigentlich aktiv für Tiere?

Viele Tierschützerinnen haben Tier-Elend mit eigenen Augen gesehen. Da sie diese nicht mehr verschließen oder abwenden können, versuchen sie konkret zu helfen.

Oft beginnt die Hilfe als Hobby, wird später häufig zur Passion oder in manchen Fällen zum Lebensinhalt.

Da gibt es Damen, deren Kinder aus dem Haus oder die alleinstehend sind, und nun etwas ggf. über die eigene Tierhaltung hinausgehende „bemuttern“ möchten und eine sinnvolle Aufgabe suchen.

Wir lernen Frauen kennen, die die mit anderen Menschen nicht zurecht kommen – aus einer Veranlagung oder einem Trauma heraus, nach einer Enttäuschung, weil sie kontaktscheu sind oder einfach nur schlechte Erfahrungen gemacht haben.

Manche Frauen haben ein „Helfersyndrom“ oder eine sog. „Co-Abhängigkeit“ entwickelt. Sie fühlen sich nur gut und erachten sich für wert, wenn sie betreuen und helfen können. Ihr Selbstbewusstsein kommt nicht aus eigener Stärke heraus, sondern wird an dem bemessen, was sie anderen (in diesem Fall den Tieren) geben können.

Es gibt auch die „Egoistinnen“. Sie betreiben Tierschutz, um „jemand“ zu sein. Sie haben es vielleicht beruflich keine Karriere machen können oder fühlen sich als Hausfrau benachteiligt, haben aber ein starkes Geltungsbedürfnis. Und beispielsweise als Vereinsvorstand oder in der politischen Lobbyarbeit hat man durchaus eine Außenwirkung.

Tierschutz verleiht auf die ein’ oder andere Weise „Macht“. Wer in der menschlichen Gesellschaft vielleicht am unteren Ende der sozialen Hierarchie steht, mag als Treibfeder sehen, dass man zumindest über Vereinsmitglieder „gebieten“ kann.

In unserer rationalen Welt ist es häufig nicht mehr opportun, Gefühle zu zeigen. Zwischen vielen Menschen herrscht daher emotionale Kühle. Liebe, Wut, Freude, Trauer – zeigt man diese Gefühle öffentlich, wird man (bestenfalls) belächelt, wird häufig abgelehnt oder erhält nicht den ersehnten Job, weil man sich nicht „beherrschen“ kann.

Viele Frauen sehnen sich insgeheim aber nach emotionaler Wärme. Dieser Wunsch wird dann häufig auf Tiere projiziert. Tieren gegenüber Gefühle zu haben, ist legitim. Man mag vielleicht ebenfalls belächelt, aber ansonsten eher für einen sympathischen „Spinner“ gehalten werden. In der Folge jedenfalls gibt es Frauen, die sich emotional stärker an Tiere als an Menschen binden, weil die Tiere ihnen mehr „Wärme“ geben bzw. zu geben scheinen als ihre Mitmenschen. Rational zu denken fällt diesen Frauen schwer, sie leiden mit jedem Tierschicksal persönlich mit und können auch keinen Abstand gewinnen.

Es mag noch mehr Motive geben (z.B. die bewusste Übernahme gesellschaftlicher Verantwortung), sicher ist dies keine abschließende Aufzählung.

Schauen wir uns die Konsequenzen an.

Es gibt in Deutschland (und weltweit) unzählige Tierschutzvereine. Alle mit lauteren Motiven! Schaut man jedoch hinter die Fassade, wird man unter anderem mit folgenden Szenen konfrontiert:

  • Zickenterror und Mobbing: eine Mitarbeiterin ist „wichtiger“ als die andere. Die andere darf die Boxen reinigen, während die eine sich in ihrer vermeintlichen Führungsrolle sonnt. Die andere kann es sowieso nicht recht machen, man lässt sie sich auch nicht entwickeln, denn sie könnte sonst zur „Konkurrenz“ werden.
  • Überhaupt Konkurrenz! Die gibt es zuhauf! Warum existieren z.B. für die gleiche Hunderasse zwei oder mehr Nothunde-Vereinigungen? Weil die Mitglieder gegen- statt miteinander arbeiten! Es „menschelt“ eben überall… Entweder kann die eine Frau mit der anderen nicht mehr, also tritt eine aus dem Verein aus und macht einen neuen auf. Oder man hat verschiedene Vorstellungen von der Vereinstätigkeit, und entzweit sich darüber. Die eine macht dann die andere schlecht, das geht in Zeiten des Internets über Mails, Websites etc. in Sekundenschnelle. Zuerst versucht man durch Gerüchte und falsche Anschuldigungen den Verein zu sprengen, und wenn man das nicht schafft, gibt es ja noch die Öffentlichkeit. Objektive Fakten werden nicht genannt, subjektive Schuldzuweisungen dagegen sehr wohl und vergiften dann das Klima… Spender, Förderer oder Mitglieder wenden sich ab, entweder weil sie keinen Einblick in die wahren Hintergründe erhalten und einer Partei glauben, oder weil sie mit einer Seite bekannt oder befreundet sind. Die Außenstehende kann hier nur den Kopf schütteln, was sich Tierschützerinnen gegenseitig an den Kopf werfen (man schaue nur mal in x-beliebige Tierschutzforen im Internet) – alles angeblich zum Wohle der Tiere!
    Ein anderes Thema in diesem Zusammenhang ist der „Krieg“ zwischen Tierschützern und Züchtern. In Tierschutzkreisen ist es opportun, Tierzucht zu verdammen. Aber abgesehen davon, dass wir ohne Züchter z.B. keine Gebrauchshunderassen hätten, tut Differenzierung Not! Es gibt nicht nur „Hundevermehrer oder –fabriken“, sondern auch verantwortungsvolle Züchter, die sich rührend um ihre Muttertiere kümmern, diese auch im Alter nicht verstoßen, sich mit dem Thema Erbkrankheiten auseinander setzen, den Welpen den erdenklich besten Start ins Leben geben und auch später für alle Tiere da sind, die ihrem Kennel oder ihrer Cattery entstammen. Statt zusammen zu arbeiten, wenn Tiere nicht bei ihren Besitzern bleiben können, wird gegenseitig gewettert und vor den „gegnerischen“ Kopf gestoßen.
  • Nichteinbeziehung wichtiger Kompetenzen, weil man selbst dann nicht mehr so „wichtig“ ist. Ein Beispiel: die praktische Tierschutzarbeit eines kleinen Vereins liegt in gerade Mal vier Händen. Aber nicht, weil sonst keiner helfen würde, sondern weil man anderen Helfern nicht zutraut sich tiergerecht um die Pfleglinge zu kümmern! Man redet gegen Wände, wenn man kompetentes Fachwissen, Pflegestellen und tatkräftige Hilfe anbietet, niemand ist gut genug. Aber bei der Mitgliederversammlung über die viele Arbeit klagen… Dabei wandern die eigenen Katzen schon ab, weil ihnen die Pflegekatzen zuhause auf den Füßen herumstehen. Oder die eigenen Hunde entwickeln Problemverhalten, weil alle Ressourcen in Pflegehunde gesteckt werden.
  • Überforderung führt zu verschiedenen Phänomenen:
    „Animal Hoarding“ und Verwahrlosung geschieht auch, wenn Tierschützer nicht „Nein“ sagen können! „Ach, der arme Hund – und wo drei satt werden, werden auch vier satt“. Nein, das ist eben nicht so, denn es geht nicht nur um Futter, sondern auch um Zuwendung, Erziehung, medizinische Versorgung, finanzielle und räumliche Möglichkeiten!
    Manche Tierschützerin wurde auch schon mit dem Burn-Out-Syndrom konfrontiert, weil die Arbeit einfach über den Kopf wächst und keine persönlichen Freiräume mehr bestehen. Sie lebt von Fast Food (weil zum Kochen keine Zeit ist), sie gönnt sich kein heißes Bad mehr (im Bad lebt eine markierende Pflegekatze), sie macht mit dem Partner keinen Sonntagsausflug (wenn der Partner mitspielt, hat sie noch Glück!), sie nimmt sich keine Auszeit mehr um mal zu entspannen oder einfach nur ein Buch zu lesen… und Urlaub? Nein, man kann doch nicht in Urlaub fahren (dazu fehlen Zeit und Geld)! Es gibt Menschen, die kommen wunderbar klar mit diesen Einschränkungen, weil sie sie eben nicht als Einschränkungen empfinden oder sie einfach akzeptieren. Aber vielen Frauen wird es einfach irgendwann zuviel, vor allem wenn die Arbeit keine Anerkennung findet. Nur, aufgeben oder Hilfe suchen und annehmen „kann“ man dann auch nicht mehr…

Es gibt auch Tierschützerinnen, die hoch verschuldet sind, weil sie Haus und Hof verpfändet haben, und sogar ihre Altersversorgung für die Tiere aufgeben. Sollte nur eine Situation eintreten, z.B. der Verpächter kündigt den Hof, die Beziehung zerbricht oder man wird krank, stehen diese Frau vor dem Nichts! Im Zweifel hilft ihnen dann auch keiner, weil man es ja hat kommen sehen… Und was wird dann aus ihr und den betroffenen Tieren?Manchmal kollidiert auch das Recht mit dem Tierschutz. So ist es an der Basis durchaus üblich, „am Rande der Legalität“ zu arbeiten. Da werden Hunde aus schlechter Haltung herausgekauft oder Pferde von der Weide gestohlen, weil es den Tieren ja so schlecht geht und man auf die Behörden nicht vertraut. Gezahlt und abgewickelt (und damit legalisiert) hätte man den Kauf und die Vermittlung dann aber gerne über einen Verein, weil der ja Spendengelder vereinnahmt. Dass der Verein dadurch seine Gemeinnützigkeit verliert und die Vorstandsmitglieder rechtlich belangt werden, interessiert nicht. Machen die Vorstandmitglieder dieses Spiel nicht mit, werden sie beschimpft und der Verein schlecht geredet. Der Auslöser wird natürlich nicht genannt.
Warum also z.B. nicht mehr auf die Veterinärämter einwirken? Oder die Presse einschalten? Oder…
Und wer „am Rande der Legalität“ oder darüber hinaus arbeitet, sollte sich im Klaren darüber sein, dass man die Verantwortung für sein Tun nicht anderen aufbürden kann!

Egoismus und Geltungssucht führen dazu, dass in Vereinen Gelder veruntreut werden oder die Geschäftsführung sich teure Autos und mehr leistet. Die Leitung vertuscht diese Vorgänge natürlich so gut es geht, aber manches kommt eben doch ans Tageslicht. Die Mitarbeiter an der Basis und die Spender werden oft in dem Glauben gelassen, etwas Gutes zu tun – werden aber letztlich nur ausgebeutet. Selbst wenn sich diese Vereine dann restrukturieren: das Vertrauen ist zerstört.

Tierschutzvereine und -organisationen sind auf Spenden angewiesen. Geldspenden sind immer gut, aber aus der Not heraus gehen Vereine auch fragwürdige „Deals“ mit der Großindustrie ein. Wie viele Tiere in Tierheimen werden mit minderwertigem „Marken-Futter“, bekannt durch Fernsehen oder Anzeigenkampagnen ernährt. Ohne Rücksicht darauf, dass das Immunsystem der Tiere durch den Stress, das Abgabetrauma ect. extrem belastet ist, und gerade diese Tiere eine hochwertige Fütterung bekommen müssten. Frettchen mit Katzenfutter zu ernähren, Nagern billiges, aber mit Pestiziden belastetes Heu vorzusetzen, Hunden lediglich Nudeln und Schlachtabfälle vorzusetzen und Futterpaletten der Großindustrie anzunehmen, mag den Geldbeutel schonen (zumal viele Vereine chronisch „klamm“ sind), wird der Verantwortung, die der Mensch für das Tier hat, jedoch nicht gerecht. „Wes Brot ich ess, des Lied ich sing.“, gilt auch im Tierschutz. Viele Vereine lassen sich kaufen, mit Pragmatismus hat das nichts mehr zu tun. Schlechtes Gewissen kommt kaum auf, Tieren dieses minderwertige Futter vorzusetzen, solange es nur kostenlos oder billig ist. Dies führt aber wiederum dazu, dass mehr Tiere aufgenommen werden, als sich der Verein eigentlich leisten kann. Und dann „beißt sich die Katze wieder in den Schwanz…“

Zu „große“ Vereinigungen können oft nicht mehr so wirksam sein, weil sie einen hohen Verwaltungsaufwand haben. Irgendwie muss der ja bezahlt werden, immer mehr hauptamtliche Mitarbeiter werden eingestellt, immer weniger Geld kann tatsächlich für die eigentliche Tierschutzarbeit verwandt werden. Oder man versucht, sich um „alles“ zu kümmern, wo gezielte Hilfe in einem kleinen überschaubaren Rahmen sinnvoller wäre. Dachverbände von Tierschutzvereinen können sinnvolle Arbeit leisten, z.B. in der Öffentlichkeitsarbeit oder im Fundraising – oder einfach nur Spendengelder „verplempern“.

Manche stülpen ihre Ideologie auf die Tiere über. Z.B. gibt es inzwischen Tierheime, die Hunde und Katzen vegetarisch ernähren. Biologisch gesehen handelt es bei diesen Tieren um Carnivoren. Sie ernähren sich also: von Fleisch! Der Darm ist nicht dazu ausgelegt, rohe, unbehandelte pflanzliche Nahrung zu verdauen. Der Mensch hat als Omnivor die (tatsächliche und moralische) Wahl, was er isst – die Wohnungskatze nicht. Die vegetarische Hunde- und Katzennahrung muss mit teuren Supplementen versetzt werden, damit die Tiere keine (sofortigen) Mangelerscheinungen erleiden. Wer es nicht ertragen kann, mit einem Raubtier zu tun zu haben, sollte auf die Haltung und Betreuung dieser Tiere verzichten, und nicht diese für ihre biologischen Grundbedürfnisse „bestrafen“.

Auch zur Vermittlungsarbeit ist nicht nur Gutes zu sagen. Der eine Verein vermittelt nur Wohnungskatzen, der andere nur Freigänger, wieder andere nicht an berufstätige oder ältere Menschen, viele Hunde werden nur an Eigenheimbesitzer mit Garten vermittelt… einfach „aus Prinzip“, nicht aus einer Einzelfallentscheidung oder wissenschaftlichen Erkenntnissen heraus.
Manche Vereine machen es sich mit der Überprüfung der zukünftigen Besitzer sehr einfach: eine „Bewerbung“ über das Internet, und schon wird der Hund aus dem Süden nach Hause oder zumindest bis zu einem Autobahnrastplatz geliefert.
Andere Vereine vermitteln „Problemtiere“ (Angstbeißer, FIV-Katzen, traumatisierte Pferde…), ohne die künftigen Besitzer aufzuklären. Es werden auch schon mal Alter und Rasse des Tieres gefälscht… Hauptsache, raus aus dem Tierheim und der Statistik. So werden Tierheimkarrieren geboren!

Politische Lobbyarbeit ist wichtig, aber oft unbefriedigend. Das aktuelles Beispiel ist die Verordnung für Eier-Produktion. Statt die Käfige endgültig zu verbieten, hat man sich auf „Kleinvolieren“ geeinigt. Die nichts anderes sind als Käfige. Die Hühner haben nur unwesentlich mehr Platz, aber immerhin eine Sitzstange. Was für ein Fortschritt… Hier wäre den großen Tierschutz- und Tierrechtsvereinigungen – sowie den Politikern – mehr Mut gewünscht, Regelungen wirklich im Sinne der Tiere zu entwickeln und auch aktuelle wissenschaftliche Erkenntnisse einfließen zu lassen. Warum also z.B. nicht tatsächlich die Käfighaltung von Hühnern in der EU verbieten und die Einfuhr außereuropäischer Produkte besser zu überwachen? Und öfter auf die Straße gehen, um gegen diese unwürdigen Bedingungen zu protestieren? Das Einknicken der Politik vor den Lobbyisten hat erschreckende Ausmaße angenommen. Ja, und manchmal muss man den Verbraucher auch zu seinem Glück zwingen, und wenn es nur über den Geldbeutel ist! Es kann nicht sein, dass das Schnitzel immer billiger und qualitativ schlechter wird, nur weil wir jeden Tag Fleisch essen wollen. Gerade beim Thema Eier findet inzwischen ein Umdenken statt, aufgrund massiver Kampagnen wählen immer mehr Verbraucher Freiland- oder Bio-Eier. Geht doch! Die Nahrungsmittelindustrie „steht“ jedoch immer noch auf billiges Käfig-Ei.

Auch Heuchelei gibt es im Tierschutz. Eine Tierrechtsorganisation hat in China während der Olympischen Spiele ein Kampagne gegen die Tötung von Hunden und Katzen ins Leben gerufen, während sie „zuhause“ in den USA die Tötung von nicht vermittelten Fundtieren in Auftrag gegeben haben soll (zumindest der Kauf einer Tiefkühlanlage und Kremierungskosten sind belegt). Auch wenn in den USA aufgrund behördlicher Vorschriften nicht vermittelte oder den Besitzern rückübereignete Fundtiere ganz legal 2 Wochen nach Einlieferung ins Tierheim getötet werden dürfen bzw. müssen, wecken die Tiere im asiatischen Raum anscheinend mehr Emotionen und erlösen mehr Spendengelder als das Elend daheim. Ist es nicht zynisch, wenn ein Hunde- oder Katzenleben in Asien mehr „wert“ ist als im eigenen Land?
Gerade am Beispiel China wird deutlich, dass sich Europäer über den Speisezettel der Asiaten empören – und am Mittagstisch ohne Skrupel in ihr Grillhähnchen beißen. Hat ein Schwein oder Kalb weniger Lebensrecht als ein Hund oder eine Katze? Im Übrigen werden in China auch Schlangen und Kröten gegessen, aber da diese Tiere nicht so „ansprechend“ sind und emotional nicht berühren, kümmert sich darum niemand!

Überhaupt, sollten Tierschützer nicht auch mit Nutztieren fühlen und, wenn sie den Konsum tierischer Produkte nicht aufgeben, zumindest Bio-Waren kaufen? Damit das Nutztier wenigstens ein artgerechtes Leben führen kann, bevor es in unsere Nahrungskette gelangt?
Übrigens gibt es auch Bio-Tiernahrung!
Der ein oder andere Tierschutzverein in Deutschland kümmert sich um in Not geratene Rassekatzen oder -hunde mit Papieren, aber die im Stich gelassenen oder abgegebenen Tiere ohne Papiere oder gar Mischlinge dieser Rasse werden großzügig übersehen.
Es soll auch die ein oder andere Hundetrainerin geben, die den ganzen Tag Kunden (auch) in Tierheimen vermittelt, wie ein Hund artgerecht zu halten ist – und deren eigener Hund diese Zeit allein zuhause oder in der Hunde-Box des PKW verbringen muss.
Und letztlich gibt es noch diejenigen „Celebrities“ (auch „A- bis C-Promis“ genannt), die sich werbewirksam im Fernsehen als Tierschützer darstellen, ihr Hündchen aber auf Partys und Shoppingtouren schleppen, oder die Pferde daheim auf der Weide verwahrlosen lassen, weil man ja schließlich keine Zeit hat.

Diese Aufstellung ist leider nicht abschließend. Wie alles im Leben hat also auch der Tierschutz zwei Seiten. Aus Mitleid mit der Kreatur wird viel erreicht. Aber Tiere und der Tierschutz werden auch benutzt, um die unterschiedlichsten (und nicht immer lauteren) Bedürfnisse zu befriedigen.

Außerdem sollte man sich dessen bewusst sein, akzeptieren und sich eingestehen, dass man nicht alles Leid lindern und nicht jedem einzelnen Tier helfen kann!

Dieser Artikel soll niemanden hindern, im Tierschutz aktiv zu sein oder zu werden! Im Gegenteil, der Tierschutz braucht engagierte Mitarbeiter(innen), egal ob hauptberuflich oder ehrenamtlich, ob im Büro oder beim Einfangen von Straßenkatzen, ob beim Reinigen von Käfigen oder als Tierärztin bei der Operation verletzter Tiere. Ob im Tierschutzverein vor Ort oder als Mitglied einer Tierschutz- oder Tierrechtsorganisation!

Aber überdenken Sie ihre Motive: „Warum möchte ich aktiv helfen bzw. warum tue mir das eigentlich an?“ Wie bei einer sorgfältigen Berufswahl sollten Sie Vor- und Nachteile für sich abwägen. Gehen Sie z.B. in ein „Bewerbungsgespräch“, wie Sie es auch für einen neuen Job tun würden. Überlegen Sie, welche Fähigkeiten und Kompetenzen Sie einbringen können, und ob diese dort gefragt sind. Achten Sie auf das Klima im Tierheim oder im Verein. Haben Tierheimleiter und/oder Vereinsvorstände Führungskompetenz und Fachwissen?

Tierliebe allein reicht nicht!

Man sollte sich auch nur soviel Arbeit aufbürden, wie man bewältigen kann, ganz klar persönliche und finanzielle Grenzen setzen (auch wenn man sich damit nicht unbedingt Freunde macht oder gar als Egoist/in beschimpft wird) und diese nicht überschreiten. Und sich vor allem nicht be- und ausnutzen lassen. Selber denken tut Not. Und ein gewisser Pragmatismus ist gesund!

Wenn Sie dann voll und ganz zu dieser Tätigkeit stehen (und ggf. die „Chemie“ im Team wirklich stimmt), dann legen Sie los! Und überprüfen Sie regelmäßig, ob die Tätigkeit ihnen noch die Befriedigung und das gute Gefühl vermittelt wie am Anfang. Suchen Sie sich Mitstreiter, die Sie unterstützen und entlasten. Niemand, am wenigsten den Tieren (!), ist gedient, wenn Sie irgendwann nicht mehr können – weil Sie entweder frustriert, tief enttäuscht oder krank sind.

Wenn Sie sich ihrer Motive im Klaren sind, werden Rückschläge (und die werden kommen!) Sie auch weniger schrecken. Denken Sie daran: Tierschutz ist „der Kampf gegen Windmühlen“ und „der Tropfen auf den heißen Stein“, aber „aus vielen Tropfen wird ein Meer“.

Ich wünsche Ihnen viel Kraft und Erfolg!

Andrea C. Schäfer
Tierpsychologin/Tierheilpraktikerin
September 2008

Angaben zum Autor im Sinne des Presserechts:

Andrea C. Schäfer, Wuppertal, www.thp-schaefer.de

1 Die Bezeichnung bildet den hohen Prozentsatz weiblicher Tierschützer ab. Im Folgenden wird der weibliche oder neutrale Genus gewählt, dies bedeutet keinerlei Diskriminierung von Männern oder Frauen.