Ein Hund für die Katz‘?

Tierfreunde lassen sich nicht immer in Hunde- und Katzenleute einteilen. Wenn Sie zu den Menschen gehören, die einen Hund in den Katzenhaushalt aufnehmen möchten, ist es wichtig zu wissen, was auf Sie zukommt.

von Andrea Schäfer

Wer Jahre oder Jahrzehnte mit Stubentigern zusammen lebt, meint sie zu durchschauen. Und doch geben uns Katzen immer wieder Rätsel auf. Sie sind eigenständig und unabhängig, und zeigen uns deutlich, dass sie aus freien Stücken mit uns zusammen leben. Hunde sind anders! Der Wolf, Vorfahre unseres Hundes, ist ein hochsoziales Rudeltier. Während unter den Katzen nur der Löwe in einem familiären Verband lebt, ist dies bei den Hundeartigen die Regel.

Für den Hund sind zuallererst wir Menschen die „Familie“ – auch dann, wenn es sich bei einer Hundehaltung eher um eine „Wahlverwandtschaft“ (biologisch „offener Verband“) handelt als um ein innerartliches und gewachsenes „Rudel“. Mensch und Hund bilden einen Sozialverband, in dem die erwachsenen Zweibeiner die Rolle der Eltern und der Vierbeiner die Rolle des Kindes innehat. Natürlich sollen wir den Hund nicht wie ein Kind behandeln, aber ein Kind benötigt Anleitung, Schutz, Erziehung, Versorgung, Verständnis und viel Liebe – und das alles braucht der Hund auch! Übrigens ist das „Unterdrücken“, „Dominieren“, „Dressieren“ und „Alphawolf“-Rollenmuster in der modernen Hundeerziehung genauso passé wie in der Kindererziehung. Und hier wie dort hat man festgestellt, dass eine antiautoritäre „Laissez faire“-Erziehung ebenso wenig zielführend ist! Hunde wie Kinder brauchen Grenzen und liebevolle, konsequente Führung. Eine Fellnase ist also darauf angewiesen, dass wir ihr den Weg ins Leben ebnen. Und im Gegensatz zum Kind, das wir irgendwann in die Selbständigkeit entlassen, haben wir die Elternrolle für einen Hund bis zu seinem Lebensende inne!

Auch für eine Katze tragen wir eine lebenslange Verantwortung, wir erziehen sie und zeigen ihr Grenzen auf, um ein harmonisches Zusammenleben zu ermöglichen. Dennoch sind Katzen Freigeister und sehr selbständige Wesen. Langjährigen Katzenhaltern fällt es so oft schwer, sich auf Hundehaltung und –erziehung einzulassen. Wenn man sich aber dieser Aufgabe stellt, wird man durch einen (hoffentlich!) gut erzogenen vierbeinigen Begleiter belohnt, den man überall mit hinnehmen kann, dem es Spaß macht, zu lernen, etwas mit dem Menschen zusammen zu erleben und Aufgaben zu erfüllen, und mit dem man vor allem ganz viel draußen in der Natur ist. Das mehrmals tägliche Spazierengehen und Beschäftigen bei jedem Wetter sorgt sogar nachweislich für einen bessere Gesundheitszustand bei Hundehaltern!

Vom Katzen- zum Hundehaushalt

Mit dem Einzug eines Hundes in den Katzenhaushalt verändert sich viel. Waren wir bislang gewöhnt, dass Katzenkinder ganz penibel ihr Klo aufsuchen, muss ein junger Hund die Stubenreinheit erst lernen. Bis wirklich kein Malheur mehr passiert, kann es durchaus Monate dauern. Wie bei einer Katze darf man auch einen Hund nicht bestrafen, wenn ein Pfützchen auf dem Boden liegt – denn in so einem Fall haben wir Menschen einfach nicht genug aufgepasst.

Hunde sind lauter als Katzen, denn sie können ihre Krallen nicht wie unsere Samtpfote beim Laufen einziehen. Damit die Hundekrallen keine Spuren hinterlassen, sollten weiche Holzböden versiegelt werden – dieses scheint in einem reinen Katzenhaushalt unnötig. Wichtiger noch: Das Bellen eines Hundes ist um ein Vielfaches lauter als das Miauen einer Katze – und eine Fellnase setzt ihre Stimme viel häufiger zur Kommunikation ein als der Stubentiger! Das klingt so einfach, aber in unserem doch eher ruhigen Katzenhaushalt ist das zunächst ungewohnt – auch für unsere Nachbarn. Apropos: ist der Hund im Mietvertrag erlaubt? Während eine Katze in aller Regel nicht „verboten“ werden kann (dazu gibt es entsprechende Gerichtsurteile), sieht das bei einer Hundehaltung ganz anders aus! Viele Tierschutzvereine geben einen Hund sogar nur nur ab, wenn eine Vermietergenehmigung vorliegt. Das soll aber kein Hindernis sein: Einem Hund aus zweiter Hand ein Zuhause zu geben, ist immer eine gute Tat. Schauen Sie sich also zuallererst im Tierheim um, bevor es zum Hundezüchter geht! Sie finden dort vom Welpen bis zum Senior, vom Chihuahua bis zum Bernhardiner alle Rassen, Typen und Charaktere. Sicher ist auch Ihr Traumhund dabei!

Erziehung wird in der Hundehaltung groß geschrieben. Nicht nur die Literatur zum Thema Hund scheint endlos, auch Hundeschulen mit eigenen, teilweise sogar patentierten, Philosophien gibt es an jeder Ecke – eine Situation, die uns als bisherigem Katzenhalter ungewohnt erscheint. Der Erwartungsdruck auf Hundehalter ist jedoch groß! Da man sich mit einem Vierbeiner im öffentlichen Raum bewegt, soll er nicht stören, darf niemanden belästigen (weder Mensch noch Artgenossen) und den Straßenverkehr nicht gefährden. Manche Hunderassen – und damit ihre Halter – werden stigmatisiert. Bei der Begegnung mit großen schwarzen Hunden werden Straßenseiten gewechselt und Kleinkinder auf den Arm genommen, und wer einen „Listenhund“ hält, wird geächtet und mit einer absurden „Kampfhundsteuer“ bestraft (dabei ist nicht der Hund gefährlich, sondern das andere Ende der Leine!). Sich deswegen den kleinen Rassen zuzuwenden, mag vieles erleichtern (auch das Reisen), aber nur wenn man auch diese gut erzieht! Denn auch eine „Fußhupe“ kann beißen, und ich sehe in meinem Umfeld weit mehr unerzogene und unangenehme Klein- als Großhunde! Daher ist es wichtig, mit seinem Hund zu trainieren und entsprechend Zeit aufzuwenden. Dabei darf man eines nicht verkennen: lernen tut dabei hauptsächlich der Mensch! Verlassen Sie sich bei der Suche nach einer Hundeschule ruhig auf ihr Bauchgefühl! Hunde brauchen Grenzen, liebevolle Konsequenz und eine tiergerechte Auslastung. Reines Gassigehen um den Block reicht nicht, denn Hunde wollen arbeiten (dazu wurden sie schließlich gezüchtet!) und gemeinsam mit ihrem Sozialpartner Mensch die Welt entdecken und erleben.

Katze und Hund – funktioniert das?

Katzen und Hunde sprechen eine unterschiedliche Sprache. Besonders auffällig ist dies bei der Schwanzgestik: Wenn Katzen mit dem Schwanz wedeln, sind sie sehr angespannt, beispielsweise vor einem Angriff oder in einer Konfliktsituation. Hunde zeigen damit ebenfalls eine gewisse Erregung, die aber bei einem „lockeren“ Wedeln Freude und Freundlichkeit ausdrückt. Kommt die Katze mit aufgestelltem „Spazierstock“ auf uns zu, möchte sie uns begrüßen und ist uns freundlich gesinnt. Der Hund stellt die Rute hingegen auf, um beispielsweise zu imponieren, zu warnen und seinen Status zu zeigen – eine Begrüßungsgeste unter Freunden ist dies also nicht. Aufgeregte Katzen zeigen eine Schwanz-„Flaschenbürste“ (dies kann durchaus auch eine freudige Erregung sein), während Hunde ihr Nackenfell nur als Drohgeste zu einer „Bürste“ aufstellen. Für Hunde ist das hintere Ende wie für Menschen ein Blick ins Antlitz, sie erkennen und informieren sich hauptsächlich über Gerüche. Für Hunde ist das „Analgesicht“ daher besonders wichtig. Eine Katze findet dies völlig respektlos, sie gibt die Analregion nur unter Freuden oder potentiellen Paarungspartnern zum Beschnuppern frei…

Katzen reiben sich gerne seitlich an Artgenossen oder Menschen, die sie mögen. Empfindsame Hunde verstehen diese Annäherung und das Köpfchengeben als unfreundliches Rempeln. Während Hunde ihre Freude unter anderem durch Bellen ausdrücken, werden Katzen meist nur zur Abwehr laut. Legt ein Hund sich auf den Rücken, ist dies eine Geste der Demut und Entspannung. Vielleicht möchte er Zuwendung, beispielsweise gestreichelt werden. Für eine Katze ist dies eine Abwehrstellung, wenn sie nicht fliehen kann und sich verteidigen muss. Wenn Hunde sich (oder uns) zum Spielen auffordern, machen sie eine „Vorderkörpertiefstellung“, verbeugen sich also mit einer Art „Katzenbuckel“, zeigen mit einem offenen „Spielgesicht“ die Zähne und wedeln mit erhobenem Schwanz. Eine Katze fasst dies als drohenden Angriff auf! Das Schnurren der Katze kann für den Hund wie ein leises Knurren klingen, umgekehrt klingt ein leise knurrender Hund für eine Katze vielleicht freundlich. Wenn Hunde „pföteln“, kann dies eine Aufforderung zum Spiel oder das Betteln um Aufmerksamkeit bedeuten. Eine Katze streckt ihrem Gegenüber hingegen eine Pfote als Abwehrgeste entgegen. Wenn man die Tiere individuell betrachtet, können durchaus noch mehr Unterschiede gesehen werden. Manche Ausdrucksformen ähneln sich auch, beispielsweise die Ohrenstellung. Allerdings sind schlappohrige Hunde hier wirklich benachteiligt.

Sie sehen, es kann zu vielen Missverständnissen kommen! Aber wie wir Menschen sind auch Katzen und Hunde fähig, „Fremdsprachen“ zu lernen. Und dies am besten in jungen Jahren.

Ein guter Start in eine langjährige Freundschaft

Wenn ein Hund bei uns einziehen soll, müssen wir also vieles beachten! Zunächst einmal steht unsere Katze im Fokus. Ist sie ein Jungspund oder bereits ein älteres Semester? Hat unsere Samtpfote bereits positive Erfahrungen mit Hunden gemacht, kennt die Katze überhaupt Hunde, oder ist sie draußen nur von welchen gejagt worden? Am einfachsten gelingt eine Zusammenführung junger Tiere. Im Idealfall hat der Hund beim Züchter oder beim bisherigen Halter bereits Katzen kennen gelernt. Auch viele Katzen aus dem Tierschutz kennen aus ihrer Pflegestelle oder dem Tierheim Hunde. Machen Sie Ihre Katze mit den Geräuschen und Gerüchen von Hunden vertraut. Wenn die Nachbarn Hundehalter sind, geht dies sehr einfach, wenn Sie Mensch und Hund öfter zu Besuch einladen (dabei bleibt der Hund immer an der Leine!). Vielleicht können Sie sich von Freunden eine Hundedecke ausleihen, an der Gerüche und Haare haften. Auch, wenn es seltsam klingt: Sie können auch Bellgeräusche von CD oder einem Fernsehfilm abspielen.

Zieht der Hund ein, ist er anfangs gut zu beobachten und in den ersten Wochen unbedingt mit einer „Hausleine“ auszustatten. Natürlich nicht, um den Hund damit wegzusperren! Diese Schleppleine sorgt dafür, dass Sie den Hund in Ihrer Nähe haben, nicht mit den Händen „lenken“ müssen (vor allem bei kleinen Hunden wäre dies unpraktisch) und dass Fellnase und Stubentiger nur geschützten Kontakt haben. Lassen Sie Katze und Hund nie allein, bevor Sie sich nicht sicher sind, dass die beiden sich akzeptieren. Denn schnell kann eine Situation eskalieren: beschnüffelt der Hund die Katze und sie mag es nicht, kann sie blitzschnell die Krallen ausfahren und den Sofawolf böse verletzen. Dieser schnappt erschreckt zurück, und dies kann für den Stubentiger in der Tierklinik enden. Manche Samtpfote provoziert durchaus Streit, vor allem wenn sie sich körperlich im Vorteil sieht! Sie müssen also sowohl die Katze vor dem Hund als auch den Hund vor der Katze schützen.

Die Katze muss immer die Möglichkeit haben, auszuweichen – hier bieten sich hochgelegene Plätze in der „dritten Dimension“ oder Tabuzonen an. Auch der Hund muss einen geschützten Rückzugsort haben, denn gerade selbstbewusste Katzen können einem Hund gegenüber recht rabiat werden. Dafür bietet sich die Gewöhnung an eine Hundebox oder die vorübergehende Einrichtung eines Hundezimmers an. Da unsere Miez‘ schnell eifersüchtig und bei ungenügender Aufmerksamkeit beispielsweise unsauber werden kann, müssen wir ihr verstärkte Beachtung schenken. Mit Spiel- und Schmuseeinheiten „ohne Hund“ lernt sie, dass sie ihr Revier nur teilen, aber nicht abgeben muss. Gerade positive Dinge, sei es ein besonders gutes Leckerchen oder ein Spielzeug, sollte sie jedoch nur im Beisein des Hundes erhalten, damit sie den Vierbeiner mit der schönen Aktion verknüpft. Dies erfordert viel Beziehungsarbeit und Einsatz von Ihnen, vor allem, wenn Sie einen Welpen haben, der ebenfalls viel Aufmerksamkeit und Erziehung benötigt.

Beziehungsarbeit

Die ideale Hundeernährung sieht etwas anders aus als die einer Katze, auch wenn beide Fleischfresser sind. Fellnasen vertragen einen höheren Pflanzenanteil in der Nahrung und können sogar in einem gewissen Umfang Kohlenhydrate verwerten. Hund und Katze sollte man darum bei der Fütterung trennen. Zum Einen mögen es viele Hunde nicht, wenn ihnen ein „Konkurrent“ das Futter klaut, zum Anderen fressen Katzen gerne Hundefutter und Hunde gerne Katzenfutter – auch wenn es ihnen auf Dauer nicht gut tut. In vielen „gemischten“ Haushalten ist es daher „Brauch“, dass der Hund seinen Napf am Boden hat und die Katzen beispielsweise auf der Küchenspüle oder einem anderen erhöhten Platz gefüttert werden. Oder man trennt die Tierarten mittels eines Kindergitters ab, so dass die Katze jederzeit zu ihrem Napf gehen kann und der Hund sich nicht noch eine zweite Portion einverleibt.

Apropos: Eine unangenehme Eigenschaft von Hunden ist das Fressen von Katzenkot. Im Regelfall ist dies zwar gesundheitlich unbedenklich, aber für uns Menschen ist schon der Gedanke abstoßend. Da „frisch“ am besten schmeckt, wartet mancher Hund vor dem Katzenklo oder stört die Katze sogar durch Schnüffeln und Belecken, während sie die Toilette aufsucht! Dies kann dann sogar ein Grund für Unsauberkeit des Stubentigers sein. Daher sollte man beispielsweise durch eine Katzenklappe oder ein Kindergitter dafür sorgen, dass die Katze unbehelligt die Toilette aufsuchen kann.

Sie sehen: Hund und Katze schließen sich nicht aus! Natürlich kann es sein, dass beide sich nur akzeptieren („Burgfriede“), aber es entstehen gerade bei Jungtieren häufig sogar richtige Freundschaften. Und mancher Stubentiger lebt sogar lieber mit einem Hund zusammen als mit Artgenossen! Bitte beachten Sie jedoch: Nur weil Hund und Katz‘ im Haus friedlich zusammen leben, dehnt sich diese Zuneigung nicht auf alle Katzen aus! Fremde Katzen werden gerade von Terriern und anderen Jagdhunden häufig trotzdem gejagt. Bringen Sie also Ihrem Hund bei, dass (Katzen-)Jagen generell unerwünscht ist! Auch hierfür lohnt auf jeden Fall der Besuch einer guten Hundeschule oder das Engagieren eines Trainers. Spezialisten für Hunde- UND Katzenverhalten können Ihnen auch bei der Auswahl und Zusammenführung der beiden Spezies helfen – damit aus Zwei- und Vierbeinern eine harmonische Lebensgemeinschaft wird.

Erstveröffentlichung in „Pfotenhieb“ 7 (2013)

Zur Autorin:

Andrea Schäfer ist Tierheilpraktikerin und Tierpsychologin. Kontakt zur Autorin: www.thp-schaefer.de