Jahreswechsel mit Tieren


Alle Jahre wieder: Silvester!

Für viele Tiere ist die Silvesternacht der „Horror“ schlechthin. Zum einen haben sie ein viel besser ausgeprägtes Gehör als wir Menschen, zum Anderen verstehen sie die Aufregung und die Knallerei nicht. Katzen sind stundenlang nicht zu sehen, Hunde trauen sich nicht einmal zum Pieseln hinaus, Pferde flüchten panisch von der Koppel…

Wie können wir Menschen unseren Tieren helfen?

Unsere Verantwortung fängt schon weit vor dem Jahresende an!
Je besser wir die Tiere vorbereiten können, desto ruhiger werden sie die Silvesternacht überstehen.
Hunden und Katzen kann man mit Geräusch-CDs an den Lärm gewöhnen. In für sie angenehmen Situationen, z.B. der Fütterung, lässt man die CD zunächst sehr leise, im Laufe der Zeit immer lauter abspielen. Oft ist es mit dem Lärm nicht getan, vor allem Hunde nehmen beim Gassigehen zusätzlich den Schwefelgeruch des Feuerwerks wahr. Auch die Lichtblitze der Raketen können die Tiere verunsichern. Hier kann man zuhause mit dem abendlichen Abbrennen von Wunderkerzen ab der Weihnachtszeit eine zusätzliche Desensibilisierung erreichen.

In der Nacht des Jahreswechsels gehen Sie am besten sehr individuell auf das jeweilige Tier ein.

Freigängerkatzen sollten am besten ab mittags im Haus bleiben. Katzen tendieren allgemein dazu, sich in unangenehmen Situationen zu verstecken, z.B. unter dem Bett oder im Bad. Kann man sie nicht mit Futter hervorlocken, lässt man sie am besten dort und stellt ihnen Futter und Wasser in die unmittelbare Umgebung. Auch ein zusätzliches Katzenklo kann man in die Nähe stellen. Viele Katzen werden wohl nicht fressen wollen, aber wenn sie es tun, beruhigt das Futtern alleine durch die Kautätigkeit. Stellen Sie Fernseher oder Musik an, an diesem Tag darf es ruhig etwas lauter sein! Allerdings bitte nicht die „Silvester-Gala“, in der es um Mitternacht ebenfalls knallt, sondern z.B. einen Spielfilm. Schließen Sie Rolladen, Jalousien und Vorhänge, dies hat eine gewisse lärmdämpfende Wirkung. Haben Sie Gäste, dürfen diese das Tier nicht stören! Muss das Bad für die Gäste zugänglich sein, sollte die Katze einen anderen Rückzugsort haben, z.B. im Keller. Sind Sie selbst eingeladen und die Tiere bleiben allein zuhause, bereiten Sie alles bitte ebenso vor. Fernseher oder Stereoanlage können mit einer Zeitschaltuhr um 23:30 Uhr starten. Ein Futterspender kann auf Mitternacht programmiert werden, und die Rolladen können Sie schließen, bevor Sie das Haus verlassen.
Meine eigenen Stubentiger reagieren sehr unterschiedlich: während meine Kätzin mit mir zusammen auf dem Sofa das Feuerwerk betrachtet, flüchtet mein Kater bei den ersten Knallern unters Bett. Am Abend läuft der Fernseher. Pünktlich um Mitternacht öffnet sich der Futterspender im Schlafzimmer, und wenn ich zuhause bin, gibt es Futterspiele. Da mein Kater recht verfressen ist, kann ich ihn so unter dem Bett hervorlocken. Die Silvesternacht ist so für beide Tiere aufregend, aber nicht mit großer Angst verbunden.

Heimtiere wie Hamster oder Kaninchen und Stubenvögel bleiben am besten in ihren gewohnten Gehegen und Käfigen. Vogelbauer sollten Sie bereits am Abend abdecken, und Sie sollten den Raum auf jeden Fall abdunkeln und schließen. Hier können Sie mit ruhiger und leiser Musik etwas Ablenkung schaffen.

Pferde sollten in der Silvesternacht besser im Stall bleiben. Schalten Sie das Licht an, damit zumindest die Lichtblitze nicht stören. Wer die Möglichkeit hat, sollte die Pferde bereits vorher in eine abgelegene Umgebung bringen. Stellen Sie den Tieren viel Heu zur Verfügung. Und zur Sicherheit und zur Beruhigung ihrer Pferde verbringen Sie doch einfach eine ruhige Silvesternacht im Stall!

Ihren Hund sollten Sie schon spätestens am 29.12. daran gewöhnen, mit Geschirr UND Halsband spazieren zu gehen. Durch eine doppelte Leinenführung fühlen Sie sich sicherer, der Hund kann nicht weglaufen – und diese Sicherheit überträgt sich auf den Hund. Warum der 29.12.? Ab diesem Datum ist Feuerwerk in Deutschland frei verkäuflich, und vor allem Jugendliche zünden dann (obwohl verboten) gerne auch schon tagsüber Böller.

Nicht jeder hat die Möglichkeit, mit dem ängstlichen Hund zu Silvester aufs Land zu fahren, obwohl das für die Tiere sicher die beste Lösung wäre. Manche Hunde trauen sich am Silvestertag ab nachmittags nicht mehr hinaus. Die Stimmung ist ihnen unheimlich. Zwingen Sie den Hund dann nicht, vor Angst kann er sowieso nicht pinkeln! Bedenken müssen sie deshalb nicht haben, Hunde können sehr lange „einhalten“. Ein ängstlicher Hund wird auch nicht viel trinken (obwohl Wasser immer bereit stehen muss!), so dass auch nicht viel „Nachschub“ produziert wird. Führen Sie den Hund, wenn er mitgeht, trotzdem gegen 22 Uhr nochmal kurz ums Haus. Wenn Sie einen Garten haben, wird er sich vielleicht dort kurz lösen. Und wenn doch ein Pfützchen in der Wohnung ist, wischen Sie es einfach wortlos auf, ihr Hund meint es ja nicht böse!
Im Haus lassen Sie ihren Hund den Rückzugsort frei wählen. Manche Hunde verkriechen sich ebenfalls im Bad, es gibt aber auch Sofa-Wölfe, die besonderen Anschluss an ihren Menschen suchen. Gehört Ihr Hund zur zweiten Kategorie, lassen Sie ihn! Es zeugt von großem Vertrauen, wenn ihr Hund sich bei Ihnen sicher fühlt. „Bemuttern“ Sie ihn aber nicht zusätzlich. Wenn Sie auf ihn einreden und ihn ausdauernd „betüddeln“, kann es sein, dass der Hund Sie falsch versteht und denkt, Sie hätten ebenfalls Angst! Strahlen Sie also Ruhe aus, soweit das möglich ist. Dem ängstlichen Hund zuliebe sollten Sie auf laute Feiern verzichten. Wenn Sie an Mitternacht auf die Straße gehen, lassen Sie den Hund in der Wohnung. Bleiben Sie aber besser daheim! Bereiten Sie die Wohnung wie bei den Katzen vor, so dass z.B. Musik Ablenkung schafft. Seien Sie in dieser Nacht einfach noch mehr der souveräne und abgeklärte „Rudelführer“, der Sie an den restlichen 364 Tagen im Jahr auch sind.
Meine verstorbene Patenhündin, eine sonst sehr routinierte Hündin, folgte mir an Silvester wie ein Schatten. Ja, in der Gästetoilette wurde es mit einer Neufundländerhündin etwas eng! Aber sie fühlte sich sicher bei mir, und so durfte sie eben in der Silvesternacht eben mit hinein. Aber ich habe sie nicht bedauert, sondern versucht, alles wie immer ablaufen zu lassen. Und natürlich bekam sie einen Extra-Knuddler, wenn sie den Kopf in meinen Schoß legte. Und wenn sie sich unter dem Tisch unter meine Beine verkrochen hat, habe ich mich eben etwas verknotet und sie mit den Füßen „eingerahmt“ und ihr dadurch „Halt“ gegeben.

Welche Möglichkeiten kann man am Silvestertag unterstützend anwenden?

Hunde suchen gerne Halt an ihrem Menschen. Unterstützen können Sie dies, in dem Sie ihm ein getragenes T-Shirt von sich oder bei kleinen Exemplaren einen Hundepullover anziehen. Wer die Tellington-Methode kennt, weiß, wie gut diese Körperarbeit gerade ängstlichen Tieren tut.

Manche Katzen und Hunde sprechen gut auf körpereigene Duftstoffe (Pheromone) an. Es gibt Pheromon-Zerstäuber für die Steckdose, die am Silvestertag am Rückzugsort des Tieres eingesetzt werden können. Katzen und Hunde haben verschiedene Duftstoffe, ein Katzenpheromon nützt also dem Hund nichts und umgekehrt.

In der Bachblütentherapie gibt es drei Möglichkeiten, die Sie in Apotheken erhalten können. Die Blüte „Mimulus“ hilft bei „konkreten“ Ängsten wie z.B. Gewitter oder eben Silvesterknall. Hat man diese Einzelblüte nicht im Haus und kann sie nicht mehr rechtzeitig besorgen, kann man auch gut die Rescue- (=Notfall-) Tropfen geben. Bei Katzen muss man die Tropfen unbedingt verdünnen, da die Stubentiger den enthaltenen Alkohol ablehnen. 4 Tropfen auf 10 ml Quellwasser sind ausreichend. Das Tier erhält pro Gabe 4 Tropfen der unverdünnten (Hund) oder verdünnten Lösung (Katze) mit der Pipette oder Plastikspritze (ohne Nadel!) möglichst direkt ins Maul.
Eine weitere Möglichkeit sind die „Angst“-Globuli. Es handelt sich dabei um eine Bachblütenmischung, die in homöopathische Kügelchen aufbereitet ist.
Man beginnt am besten schon am 29.12. mit einer dreimal täglichen Gabe. An Silvester kann man die Tropfen ab nachmittags auch stündlich geben, bis die ärgste Knallerei vorbei ist. Bitte schleichen Sie die Tropfen über den ganzen 1. Januar hin aus, da manche Leute auch noch tagsüber Böller zünden.
Bachblüten kann man auch gut bei Kleintieren (hier nur zwei Tropfen der verdünnten Lösung oder zwei Globuli pro Gabe) und Pferden anwenden (hier max. 10 Tropfen/Globuli)

Auch die Homöopathie kann unabhängig von der Tierart helfen. Reagiert der Hund nur auf ganz bestimmte Ursachen durch Ducken oder leichtes Zittern, ist ansonsten jedoch wenig ängstlich, deutet das auf Borax hin. Zeigt die Katze starkes Zittern und kauert stundenlang versteckt, sollte Gelsemium (Wilder Jasmin) verabreicht werden. Belladonna eignet sich für Pferde, die allgemein leicht in Panik geraten und dann einfach weglaufen. Besonders feinfühlige Tiere zeigen schon nach dem ersten Knall oder Blitz “Erwartungsangst”, laufen unruhig im Zimmer umher und bekommen Durchfall. Für sie eignet sich Argentum nitricum (Silbernitrat). Die Globuli sollten ebenfalls bereits ab dem 29.12. in regelmäßigen Abständen eingenommen werden, um ihre beruhigende Wirkung zu entfalten.

Nicht zuletzt kann man bei Katzen und Hunden mit körpereigenen Botenstoffen arbeiten. Die Aminosäure „L-Tryptophan“ und ein Extrakt aus Kasein „Alpha-Casozepin“ wirken beruhigend, ohne das Tier müde zu machen. In Stress-Situationen kann es sein, dass der Körper zu wenig dieser Aminosäure produziert. Man kann die Beruhigung aber füttern: durch die Gabe eines Nahrungsergänzungsmittels! Es gibt zwar auch ein Trockenfutter, das mit L-Tryptophan und dem Kasein-Extrakt angereichert ist, jedoch eignet es sich nicht für einmalige Situation wie Silvesterknall oder Gewitterdonner. Besser sind hier die Tabletten, die man nach Körpergewicht des Tieres dosiert und die man zerkleinert auch ins Futter mischen kann.

Es gibt auch pflanzliche Mittel, die beruhigend wirken, z.B. mit Johanniskraut, Lavendel oder Ingwer. Sie sind für Katzen und Hunde erhältlich.

Erkundigen Sie sich rechtzeitig bei Ihrem Tierheilpraktiker oder Tierarzt über die richtigen Maßnahmen, die Mittelwahl und Dosierung!

Wenn das Tier auf diese Mittel nicht anspricht, völlig panisch ist und sich in die Furcht hineinsteigert, sollte man in einer auch in der Silvesternacht besetzten Tierklinik vorsprechen und im nächsten Jahr nicht zögern, rechtzeitig den Tierarzt um ein Beruhigungsmittel oder angstlösendes Psychopharmakon zu bitten. Ihr Tier ist dann nämlich so sehr in Not, dass die Gabe solcher Medikamente einmal im Jahr auf jeden Fall gerechtfertigt ist!

Ich hoffe, dieser Ratgeber hilft Ihnen und ihrem Tier über den Jahreswechsel. Vielleicht lesen Sie ihn im nächsten Jahr bereits ein wenig früher, so dass Sie Hund und Katze auf die laute Nacht besser vorbereiten können. Wenn Sie ein ängstliches Tier haben, sollten Sie zudem am besten auf eigenes Feuerwerk verzichten. Je weiter die Knallerei von Ihrer Wohnung oder Ihrem Haus weg ist, desto besser! Warum also das gesparte Geld nicht lieber einer Tierschutzorganisation oder einem sonstigen Hilfsprojekt spenden?

Mit den besten Wünschen für das Neue Jahr, vor allem Gesundheit, und viel Freude mit ihren tierischen Kumpeln

Andrea C. Schäfer
Tierheilpraktikerin/Tierpsychologin
http://www.thp-schaefer.de

© Andrea C. Schäfer, den 27.12.2011