Fisch in der Katzennahrung

Anlass dieses Artikels war ein Leserbrief zum Thema „Diagnose Krebs“ (Pfotenhieb 2)

Liebe Frau …,

besten Dank, dass Sie uns an Ihren Erfahrungen teilhaben lassen! Und ich spreche sicher im Namen der Redaktion und aller Autoren, wenn ich Ihnen mein herzliches Beileid zu Ihrem großen Verlust ausspreche. Es ist immer tragisch, wenn ein geliebtes Tier verstirbt – und es ist ganz natürlich, dass man sich fragt, ob man vielleicht etwas hätte besser machen können.

Bei Ihrer „Maus“ (ich benutze diesen Namen selbst gerne als Kosenamen für meine Kätzin) kamen sicherlich verschiedene Faktoren zusammen. Ein Zeichen, dass etwas nicht stimmte, war sicherlich das Erbrechen. Katzen erbrechen nicht „einfach so“ große Mengen an Flüssigkeit. Zugrunde liegen könnte eine Erkrankung der Nieren, was bei Katzen natürlicherweise sehr häufig vorkommt. Sie schreiben, dass man auch Schädigungen der Bauchspeicheldrüse, Leber und des Herzens festgestellt hat. Ja, Katzen zeigen Krankheiten sehr lange nicht – und wenn man etwas bemerkt, sind die Schäden schon groß. Das Erbrechen führte jedenfalls zu einem akuten Flüssigkeitsmangel. Vielleicht hatte „Maus“ jedoch bereits einen latenten, nicht sichtbaren Flüssigkeitsmangel durch die Minderfunktion der Bauchorgane oder des Herzens.

Durch einen akuten Flüssigkeitsmangel kommt es zu einer Elektrolytverschiebung. Sportler kennen dies und nehmen in Hochleistungsphasen und bei starkem Schwitzen hochwertige Mineralstoffdrinks zu sich. Die verabreichte Kochsalzlösung behebt kurzfristig den Wasser- und Salzmangel, gleicht jedoch nicht alle verlorenen Mineralstoffe aus. So mag es zum Kaliummangel gekommen sein, der das so genannte „Schwanenhalssyndrom“ auslöst, Herzprobleme begünstigen und bis zur Blindheit führen kann (dies ist vorübergehend, wenn im Krankheitsfall Kalium gezielt zugeführt wird). Da es so selten ist, ist dies nicht allen Tierärzten bekannt. Normalerweise haben Katzen nämlich keinesfalls einen Kaliummangel, wenn sie hochwertig ernährt werden. Gerade Fleisch und Fisch enthalten genügend Kalium, um den Bedarf reichlich zu decken! Ein Kaliummangel sorgt leider auch für erhöhte Glukosewerte, was wiederum die Bauchspeicheldrüse belastet.

Inwieweit die Fütterungsweise zum frühen Tod von „Maus“ beigetragen hat, lässt sich nicht mit Gewissheit sagen. Allgemein gelten jedoch ein paar Grundsätze: herkömmliches Trockenfutter (auch vieler Premiummarken) enthält in hohem Maße Getreidebestandteile. Pflanzliche Kohlenhydrate belasten den sensiblen Stoffwechsel der Katze, insbesondere die Funktion der Bauchspeicheldrüse. Auch Zucker/Karamell in Futtermitteln, Vitaminpasten und konventionellen Leckerli bringen den Energiehaushalt durcheinander (im nächsten „Pfotenhieb, das im Juni erscheinen wird, erläutern wir dies ausführlich am Beispiel der Zuckerkrankheit). Ihr Entschluss, „Maus“ kein Trockenfutter mehr zu geben, war also goldrichtig! Kalium und Thiamin (Vitamin B1) bedingen einander nicht. Auch nach Studium der tierärztlichen Fachliteratur zur Ernährung lässt sich hier kein Zusammenhang herstellen. Aus einem Kaliummangel resultiert daher auch keine „verstärkte“ Wirkung der Thiaminase. Das Enzym Thiaminase zerstört Vitamin B1 und ist in vermehrt rohem (!) Süßwasserfisch, Hering, Stint, Makrele, Muscheln sowie in manchen Pflanzen enthalten. Eine Vitamin B1-Unterversorgung löst neurologische Störungen, Ataxie, Krämpfe und Muskelschwund aus. Ein Thiaminmangel durch eine zu hohe Konzentration des Enzyms Thiaminase ist bei der Katze jedoch selten, er kann bei Kitten vorkommen, deren Mütter extrem unter- oder fehlernährt sind (beispielsweise Streuner) oder bei erwachsenen Katzen bei ausschließlicher (!) Fütterung mit rohem Süßwasserfisch, Hering oder Meeresfrüchten über längere Zeiträume auftreten. Kochen zerstört die Thiaminase zuverlässig! Da Nassfutter immer dampfgegart oder gekocht ist, besteht hier keinerlei Gefahr einer Vitamin B1-Unterversorgung. „almo nature“ ist prinzipiell ein gutes Nassfutter, jedoch ausdrücklich nicht als „Alleinfutter“ konzipiert. Dies stellt auch der Hersteller in seiner Produktbeschreibung klar (beispielsweise auf der Website einsehbar). Denn das Nassfutter hat kein ausgewogenes Kalzium-/Phosphor-Verhältnis, und kann bei ausschließlicher Fütterung die Nieren belasten (auf diese Zusammenhänge gehen wir in „Pfotenhieb 5“ näher ein). „almo nature“ Nassnahrung ist daher immer mit einem weiteren Futter zu kombinieren, damit es nicht zu einer Fehlernährung kommt. Das ist unabhängig von den Zutaten.

Wie Sie sehen, ist ein Zusammenhang der Fisch-Fütterung mit der Erkrankung und dem Versterben von „Maus“ nicht herzustellen. Sicherlich kann die Art der Fütterung Einfluss auf die Nieren und die Bauchspeicheldrüse genommen haben. Allerdings sind dies sehr sensible Katzenorgane, die auch bei bester Versorgung oft irgendwann ihren Dienst einschränken oder einstellen. Die meisten Katzen sterben an Niereninsuffizienz oder dem weiter gehenden sogenannten Multiorganversagen. Tragisch, dass Ihre „Maus“ schon so früh gehen musste. Aber der Fisch „als solches“ ist nicht schuld an ihrem Tod.

Wie schön, dass ein neuer Stubentiger Ihr Leben bereichern darf! Vielleicht hat ihn „Maus“ zu Ihnen geschickt, damit die Trauer nicht mehr so groß ist. Das einst ungeliebte ausgesetzte Katerchen darf nun Ihre ganze Liebe und Fürsorge genießen – und durch Ihre Erfahrungen ein glückliches und gesundes Katzenleben führen.

Wir würden uns freuen, wenn Sie weiterhin Leserin unseres „Pfotenhieb“ bleiben, und aus unserer Zeitschrift neue Erkenntnisse und Anregungen zum Zusammenleben mit unseren Samtpfoten ziehen können.

Ich wünsche Ihnen eine gute Zeit!

Andrea Schäfer
Tierheilpraktikerin/Tierpsychologin
www.thp-schaefer.de

aus „Pfotenhieb“ 6, 2013

Ergänzend anlässlich eines Artikels in der Zeitschrift „du barfst“:

Eine hohe Menge des Enzyms Thiaminase kann das Thiamin zerstören. Durch eine häufige Gabe von Thiaminase-haltigem Futter kann es zu Mangelerscheinungen kommen. Achtung: In vielen rohen Süßwasser-Fischarten ist ein hoher Gehalt an Thiaminase enthalten (z.B. Karpfen und alle Weißfische), die bei ausschließlicher Fischfütterung zu Mangelerkrankung führen kann. Darum nur sparsam bzw. in gegartem  Zustand füttern. Durch Erhitzen wird die Thiaminase zerstört. Seefisch ist, was den Thiaminasegehalt angeht, meist unbedenklich (außer Hering, Makrele, Stint und Meeresfüchte). Tipp: Wer sicher gehen will kocht, dünstet oder brät den Fisch ohne Gewürze, da beim Erhitzen die Thiaminase zuverlässig zerstört wird.

http://www.zierschildkroete.de/pages/ernaehrung/thiaminase.php

http://canisdashundeforum.phpbb8.de/barf/fisch-der-rohfutterung-t193.html

http://board.raubsalmler.de/kb.php?a=6

http://www.wuff-online.com/forum/showthread.php?t=57653

Nährwert-Tabelle als pdf

http://books.nap.edu/openbook.php?record_id=1114&page=64 Die Seite hilft nicht, weil sie nur aussagt, ob Thiaminase enthalten ist – aber nicht wieviel! Und unsere europäischen Süßwasser-, beispielsweise Weißfische oder Meeresfrüchte stehen gar nicht drin. 😉