Naturheilkunde für Katzen

Naturheilkunde und alternative Therapien

Immer mehr Menschen wenden sich im Krankheitsfall nicht nur an den Schulmediziner, sondern besinnen sich auf alte Hausmittel oder wenden sich an einen Heilpraktiker, Osteopathen, Arzt mit naturheilkundlicher oder chinesisch-medizinischer Ausrichtung oder Schamanen, oft mit guten Erfolgen. Daher sollen auch immer mehr Haustiere in den Genuss dieser vermeintlich nebenwirkungsfreien Therapien kommen. Wir haben für Sie zusammengestellt, welche Methoden sich für Katzen eignen und wie man einen guten Therapeuten findet.

von Andrea Schäfer

Naturheilkundliche Methoden, auch alternative Therapien genannt, betonen den Zusammenhang zwischen Körper, und Geist. In der Schulmedizin wird nach der Befunderhebung und einer körperlichen Untersuchung eine Diagnose gestellt. Daraufhin wird die Krankheit „bekämpft“: die nieren- oder zuckerkranke Katze bekommt eine Diät, die Katze mit einer Entzündung ein Antibiotikum, ein Allergiker Cortison, ein Tumor wird operiert, der Zahnstein wird entfernt. In der alternativen Heilkunde wird eine andere Herangehensweise gewählt: neben einer körperlichen Untersuchung wird auch der seelische Aspekt betrachtet. So werden Fragen nach der Harmonie in der Katze-Mensch-Beziehung oder in der Katzengruppe, eventuellem Stress und der Vorgeschichte der Katze gestellt, denn diese Faktoren können Krankheiten begünstigen oder sogar auslösen. Naturheilkundler und alternative Therapeuten betrachten also nicht das einzelne Symptom, sondern den gesamten Organismus. „Krankheit“ bedeutet bei ihnen, dass das gesamte „System“ ins Ungleichgewicht geraten ist. Diese Betrachtungsweise nennt man „ganzheitlich“.

Die beliebtesten Methoden entstammen der sogenannten energetischen oder Informationsmedizin. Über chemisch oder physikalisch messbare Effekte hinaus werden bei diesen Methoden die geistige Komponente des Wirkstoffes und die Wechselwirkung des Individuums mit seiner Umgebung einbezogen. Die Wissenschaft hat für diese im „feinstofflichen“ Bereich stattfindenden Prozesse noch keine Erklärung, jedoch scheint die Quantenphysik mit ihren Schwingungs- und Mechanik-Konzepten diesem „psychophysikalischen“ Phänomen auf die Spur zu kommen.

Der deutsche Arzt Samuel Hahnemann entdeckte Ende des 18. Jahrhunderts an der Wirkweise eines Malariamittels, dass es je nach Dosierung krankheitsähnliche Symptome auslösen, aber auch heilend wirken kann, wenn man es verdünnt. Die von ihm entwickelte Homoöpathie basiert auf dem Leitsatz „Ähnliches werde durch Ähnliches geheilt („similia similibus curentur“). Hahnemanns Tod hat die Entwicklung nicht aufgehalten: Ärzte und Heilpraktiker in der ganzen Welt haben die Homöopathie weiter entwickelt, neue Mittel gefunden, zusätzliche Verdünnungsmethoden („Potenzierung“) entwickelt und auch die Verabreichung der Mittel optimiert. Die Arzneien stammen heute aus dem Pflanzen-, Tier- (z.B. Bienen- und Schlangengifte) und Mineralspektrum. In „Nosoden“ wirken sogar Krankheitserreger als Heilmittel. Im „Arzneimittelbild“ werden alle Reaktionen und Wirkweisen der jeweiligen Substanz festgehalten. In der Anwendung unterscheidet man die „klassische“ Homöopathie und die Anwendung von Mischungen, „Komplexmitteln“ oder speziell aufbereiteten Arzneien (beispielsweise aus der anthroposophischen Betrachtungsweise). Die klassische Homöopathie versucht, das passende Mittel für den Patienten zu finden. Der Therapeut wird eine Untersuchung des Patienten durchführen, vor allem fragt er jedoch nach vielen Umständen, die scheinbar nichts mit der Krankheit zu tun haben. In der „Repertorisation“ gewichtet der Therapeut die Feststellungen, denn manche Symptome und Auffälligkeiten sind für die Mittelfindung wichtiger als andere.

Klassische Homöopathie ist ein zeit- und kostenintensives Verfahren. Der Vorteil ist jedoch, dass unser Stubentiger ein Mittel erhält, das ganz genau auf ihn abgestimmt ist – individueller kann Medizin kaum sein! Homöopathische Mittel werden im Regelfall als Globuli („Milchzuckerkügelchen“) aufbereitet, von denen eine Katze etwa fünf pro Anwendung erhält. Mag die Katze diese nicht nehmen, kann man sie entweder in Wasser auflösen oder die geschmacklose Injektionslösung verwenden. Mit einer Plastikspritze ohne Nadel wird das Mittel dann ins Mäulchen gespritzt oder notfalls übers Futter gegeben.

Alle im Handel erhältlichen Fertig-Mischungen und Komplexmittel dagegen werden symptomatisch eingesetzt, also bei einem bestimmten Krankheitsbild. Ähnlich wie in der Schulmedizin versucht man damit, alle Auswirkungen einer Krankheit abzudecken. Natürlich kann so ein Mittel nicht so exakt sein wie das „eine“ passende, vom Heilpraktiker festgesetzte Homöopathikum. Aber auch homöopathische Mischungen haben sich bewährt.

Direkt abgeleitet von der Homöopathie wurden die Bachblüten- und die Schüßler-Therapie. Edward Bach suchte für seine Patienten der britischen Unterschicht eine kostengünstige Heilmethode, die vor allem die geistig-seelischen Aspekte berücksichtigt. Fündig wurde er in der englischen Pflanzenwelt. Die nach ihm benannten Bach-Blüten haben sich besonders bewährt, wenn nicht nur Körper, sondern auch Seele ins Ungleichgewicht geraten sind. Besonders bekannt sind die „Rescue-“ oder Notfalltropfen, eine bestimmte Mischung von Blüten, die sich in körperlichen und geistigen Notfallsituationen bewährt hat, von Unfällen, Tod geliebter Artgenossen oder bevorstehender eigener Tod bis hin zu Angstsituationen aller Art. Für Menschen werden fertige Alkohol-Lösungen verkauft – da Katzen Alkohol aber weder vertragen noch mögen, muss man die Lösungen entweder mit Quellwasser verdünnen oder als Globuli verabreichen.

Die Schüßler-Salze wurden von Dr. Wilhelm Heinrich Schüßler aus der Homöopathie entwickelt. Diese Therapieform geht davon aus, dass Krankheiten durch ein Ungleichgewicht im Mineralhaushalt ausgelöst werden. Wie in der Homöopathie wird die Wirkung der Mineralstoffe durch Potenzierung verstärkt. Da es lediglich 12 Funktions- und 12 bis 15 Ergänzungsmittel gibt, ist die Wahl des passenden Salzes sehr viel einfacher als in der Homöopathie. Schüssler-Salze werden meist als Tabletten angeboten. Mag die Katze keine Tablette nehmen, kann man sie auch in ein wenig Wasser zu einem Brei auflösen.

Die Pflanzenheilkunde nennt man auch Phytotherapie. Schon unsere Vorfahren wussten, dass für (fast) jede Krankheit ein Kräutlein gewachsen ist. Die Phytotherapie ist wissenschaftlich anerkannt, viele Wirkstoffe wurden zuerst in Pflanzen gefunden, untersucht und dann chemisch „nachgebaut“. Allerdings vertragen Katzen nicht jede Pflanze, manche für uns Menschen wertvolle Substanz ist für unseren Stubentiger das reinste Gift! Auch die Anwendung als ätherisches Öl ist für Katzen nicht ganz ungefährlich. Daher ist eine sorgsame Auswahl der Kräuter erforderlich. Auch die Mykotherapie, also der Einsatz von Heilpilzen, fällt in diese Kategorie. Pflanzenmedizin wird entweder fein gemahlen oder in Essenzen ins Futter gegeben oder als Tee gereicht.

Physiotherapie wird meist ergänzend zur Schulmedizin angewandt. Massagen, manuelle Therapie und Bewegungsübungen können nach Unfällen, bei Arthrosen oder anderen degenerativen Prozessen und bei neurologischen Erkrankungen helfen. Katzen sind häufig nicht so kooperativ wie Hunde, aber einen kleinen Trainingsparcours zur Förderung der Bewegungskoordination kann man ihnen mit Leckereien durchaus schmackhaft machen. Massagen nehmen Katzen gern an, wenn sie es gewohnt sind, überall berührt zu werden. Im Regelfall erlernt der Halter die Techniken, und wendet sie dann zuhause regelmäßig an. Auch die Anwendung des „Tellington-Touch“ (auch TTOUCH genannt) hilft durch ein verändertes Körpergefühl nicht nur dem äußeren, sondern auch dem inneren Gleichgewicht. Die bei Hunden beliebte Hydrotherapie lässt sich bei Katzen nur sehr eingeschränkt anwenden. „An Land“ kann man die Magnetfeldtherapie einsetzen. Meist bekommt der Katzenhalter für einen gewissen Zeitraum eine Magnetfeldmatte geliehen, auf die sich das Tier regelmäßig legen soll. Katzen nehmen das Magnetfeld im Regelfall gerne an.

Die Traditionelle Chinesische Medizin, kurz TCM genannt, wurde im alten China schon immer am Tier angewandt. Auch sie betrachtet den gesamten Organismus, also Körper, Geist und Seele und den Gehalt an Lebensenergie, dem „Chi“ oder „Ki“. Die Behandlung beinhaltet mehrere Komponenten: Kräuterheilkunde, Akupunktur und Bewegungslehre. TCM ist daher vorrangig eine gesund erhaltende Lebenseinstellung, und erst nachrangig eine Heilmethode! Während Pferde und Hunde sehr gut mit Akupunktur behandelt werden können, ist die Anwendung an der Katze eingeschränkt. Der Stubentiger muss dafür ruhig liegen, was für unsere „Meister der Entspannung“ zuhause in ruhiger Umgebung kein Problem ist, aber sicherlich in einer Praxis oder im Beisein einer fremden Person wie des Therapeuten. Die Akupunktur wird an der Katze am besten nicht mit Nadeln, sondern mit einem Lasergerät durchgeführt. Die Behandlungsdauer wird dadurch minimiert und es besteht keine Verletzungsgefahr durch die Nadeln. Alternativ kann auch die Akupressur angewandt werden, die Akupunkturpunkte werden hier durch Fingerdruck, ein Holz- oder Wattestäbchen stimuliert. Der Therapeut wird hier den Tierhalter anleiten, so dass dieser die Katze in entspannenden Ruhephasen behandeln kann.

Manche Therapeuten nutzen Bioresonanz, Radionik, Elektroakupunktur nach Voll oder ein anderes elektronisches Verfahren zur Diagnostik und Behandlung. Diese Verfahren gehen von einer individuellen Schwingung einer Krankheitsursache aus, die das Gerät am Patienten ermittelt. Je nach Methode wird danach das passende Heilmittel ermittelt, eine Trägersubstanz als Heilmittel aufbereitet oder direkt mit Schwingungen behandelt.

Wichtig: Alle Heilmethoden können prinzipiell Nebenwirkungen haben, das gilt nicht nur für Schulmedizin, sondern auch für alternative Methoden. Die häufigsten unerwünschten Effekte können bei der Pflanzenheilkunde auftreten, die mit messbaren Wirkstoffen arbeiten. Auch in der Physiotherapie können manche Anwendungen eine Krankheit verschlimmern. Ein guter Therapeut sollte diese Risiken jedoch abwägen und minimieren können.

Ergänzende Methoden

Neben den genannten gibt es natürlich viele weitere Heilweisen, manche aus dem esoterischen Bereich. Sie werden im Regelfall nur ergänzend („komplementär“) zu einer schulmedizinischen oder alternativen Therapie eingesetzt. Bei der Katze eignet sich beispielsweise Reiki oder eine andere Form der „Energiearbeit“, Farblicht-, Edelstein- oder Musiktherapie. Dies ist längst keine abschließende Aufzählung! „Tierkommunikation“ ist beispielsweise ein Weg, um mit der Katze in Kontakt zu kommen und die Ursachen einer Erkrankung zu ergründen. Immer mehr Methoden, die sich beim Menschen bewähren, werden auf Tiere übertragen.

Wie finde ich den richtigen Therapeuten?

Wer kann Ihre Katzen nun behandeln? Der Tierarzt unseres Vertrauens ist immer der erste Ansprechpartner, wenn es um eine akute schwere Erkrankung, einen Unfall oder einen medizinischen Eingriff geht! Wollen wir in allen anderen Fällen Alternativen anwenden (beispielsweise bei allen chronischen Erkrankungen), haben wir die Wahl zwischen einem Tierarzt, der auch naturheilkundlich oder homöopathisch geschult ist, oder einem Tierheilpraktiker. Zum einen sollte man sich daher mit den verschiedenen Heilmethoden auseinander setzen. Hat man beispielweise mit der Homöopathie gute Erfahrungen gemacht, wird man auch für sein Tier gerne einen Homöopathen konsultieren. Zum anderen sollte man sich dann einen Therapeuten suchen, der die gewünschte Methode anbietet. In Österreich dürfen nur Tierärzte auch alternativmedizinisch arbeiten, Tierheilpraktiker sind dort nicht anerkannt. In Deutschland ist die Tierheilpraktiker-Ausbildung nicht gesetzlich geregelt. Hier kann sich prinzipiell jeder Tierfreund ein Praxisschild an die Tür hängen. Die Spreu vom Weizen zu trennen, ist also gar nicht so einfach! Gute Tierheilpraktiker und Tierärzte findet man oft auf Empfehlung. Unter Tierhaltern spricht sich schnell herum, wer etwas von der Sache versteht und gut mit Katzen umgehen kann. Gute Tierheilpraktiker haben eine anerkannte Schule mit Theorie und Praxis (also nicht nur einen Fernlehrgang) besucht und eine Prüfung abgelegt. Im Idealfall handelt es sich um eine bundesweite Prüfung, die von einem Tierheilpraktikerverband ausgearbeitet und abgenommen wird. Die Prüfung bietet aber nur ein Grundgerüst. Vertieftes Wissen über eine Heilmethode muss sich der Therapeut dann selbst aneignen und kann dies durch Kurse und Zertifikate belegen. Da niemand „alles“ wissen kann, sollte man Tierheilpraktiker, die sämtliche Tierarten behandeln und sehr viele verschiedene Methoden anwenden, eher kritisch betrachten. Aber wie es auch in der Schuldmedizin gute Groß- UND Kleintierpraktiker gibt, kann ein Tierheilpraktiker durchaus Pferde und Katzen gut betreuen. Wer im Internet oder in Branchenbüchern stöbert, erhält sicher im Umkreis eine Liste an Therapeuten, deren Homepage man sich ansehen kann. Tierheilpraktikerverbände bieten eine Liste ihrer Mitglieder, so dass man sich jemanden in der Nähe aussuchen kann. Katzen gehen ungern auf Reisen, daher ist es besonders sinnvoll, wenn der Tierarzt oder -heilpraktiker Hausbesuche anbietet oder eine mobile Praxis betreibt.

Das Wichtigste ist aber, dass Sie zum Therapeuten Vertrauen haben! Rufen Sie an, schildern Sie das Problem. Stimmt die „Chemie“? Erklärt der Therapeut die von ihm angewandten Methoden, macht keine Versprechungen („Heilversprechen“ gibt es nicht und sind daher unseriös!), schlägt Ihnen einen Termin vor, oder sagt gleich, wenn es sich nicht um sein Fachgebiet handelt? Spricht er oder sie auch offen über die Kosten? Während Tierärzte an eine Gebührenordnung gebunden sind, werden alternative Heilmethoden meist nach einem frei gewählten Stundensatz abgerechnet. Dazu kommt eine Aufwandsentschädigung für den Hausbesuch. Ein guter Tierheilpraktiker kennt auch seine Grenzen! Es gibt Krankheiten, die man schulmedizinisch abklären muss, egal ob man nun ein Röntgenbild möchte oder eine Geschwulst untersucht werden muss. Eignen sich die „eigenen“ Methoden und Kenntnisse nicht für den Fall, überweist der gute Heilkundige auch gerne zu einem Kollegen. Übrigens sollte jeder, der sich alternativmedizinisch betätigt, auch Ernährungsberater sein. Denn die Ernährung ist eine Grundlage eines gesunden Lebens, und dies gilt nicht nur für uns, sondern auch für unsere Katzen.

Für unsere Stubentiger gibt es also die verschiedensten Behandlungsmöglichkeiten und die sind wirklich nicht „für die Katz‘“. Am besten ist jedoch, wenn man sie gar nicht braucht! Daher ist der größte Wunsch an alle Katzen und ihre „Dosenöffner“: Gesundheit!

Zur Autorin:

Andrea C. Schäfer, Tierheilpraktikerin und Tierpsychologin
www.thp-schaefer.de
Erstveröffentlichung in „Pfotenhieb“ 5, Cadmos Verlag

Zum Weiterlesen:

Schirmohammadi, Abbas und Schmalstieg, Monika Heike (Hsg.): „Die große Welt der Tierheilkunde“ (mit Beiträgen von mir)

Gesellschaft für ganzheitliche Tiermedizin (GGTM), http://www.ggtm.de