Protein im Katzenfutter

Eiweiß ist der Grundbaustein jeder guten Katzennahrung, die Folgen eines Proteinmangels sind nicht unerheblich für den Fleischfresser Katze. Immer öfter hört man aber von Tierärzten und selbsternannten Experten von Katzenfutter mit einem“ zu hohen“ Proteingehalt. Kann es auch „Zuviel des Guten“ geben, kann ein Eiweißüberschuss möglicherweise Krankheiten auslösen?

von Andrea Schäfer

Um zu verstehen, warum Proteine/Eiweiße für die Katze so wichtig sind, müssen wir uns ihre Ernährungsgewohnheiten ansehen. Katzen sind im Grunde polyphasische Beutegreifer. Das bedeutet, sie gehen unabhängig von der Tageszeit auf Jagd – ihre Beute, die Maus, unterliegt keinem starren Tag-Nacht-Rhythmus, sondern ist das ganze Jahr über rund um die Uhr aktiv.

Warum Protein?

Da Katzen ihren Körper in regelmäßigen Abständen mit Nahrung versorgen können und aufgrund der geringen Größe ihrer Beutetiere müssen, benötigen sie keine Stoffwechselfunktionen zum Speichern und späteren Verarbeiten der Nahrungsbestandteile. So gewinnt die Katze ihre Energie aus Eiweiß, während größere Beutegreifer, nehmen wir als Beispiel den Hund, die Energie (auch) aus Kohlenhydraten generieren, die langfristig im Körper gespeichert werden können. Katzen haben sich im Laufe der Evolution so auf ihre Beute spezialisiert, dass der Organismus die Fähigkeit zur Verstoffwechslung von Kohlenhydraten und Speicherung von Energie fast vollständig verloren hat. Sie bilden ihren Blutzucker nicht aus Kohlenhydraten, sondern aus Eiweiß. Kohlenhydrate werden bei der Katze zu Fett umgewandelt, das die Leber nur in absoluten Notlagen in Energie umwandeln kann. Die Katzennahrung sollte darum vor allem aus einem entstehen: Protein bzw. Eiweiß aus Fleisch. Pflanzenkost kann von der Katze so gut wie gar nicht aufgeschlossen werden, sie führt im Übermaß zu Mangelerscheinungen und sogar Stoffwechselstörungen, da die zu reichliche Zufuhr von Kohlenhydraten unter anderem Diabetes (Zuckerkrankheit) auslöst (den Zusammenhang von Bauchspeicheldrüsenerkrankungen und Ernährung haben wir bereits ausführlich in Pfotenhieb 4 betrachtet). Leider enthalten die meisten handelsüblichen Katzennahrungen pflanzliche Bestandteile als Füllstoff oder um das Futter „billig“ produzieren zu können.

Die Niere

Katzennieren sind Hochleistungsorgane. Sie sind in der Lage, die benötigte Flüssigkeit allein aus dem Beutetier zu generieren und den Urin so hoch zu konzentrieren, dass die in Wüsten lebenden Vorfahren und Verwandte unserer Katze stoffwechselbedingt kaum Wasser verlieren. Katzen trinken daher wenig, bei Fütterung mit Trockennahrung sogar eindeutig zu wenig. Durst kennen sie kaum, oft sieht man sie nur im Hochsommer an einer Wasserstelle – und dann im Regelfall nicht an der leider immer noch üblichen Schüssel neben dem Fressnapf, sondern an Gießkannen oder Pflanzenuntersetzern. Sieht man Katzen auffallend häufig und beispielsweise auch im Winter zur Wasserstelle pilgern, sollte man seinen Stubentiger einem Tierarzt oder Tierheilpraktiker vorstellen. Ein zusätzliches Warnsignal ist ein häufiger Toilettenbesuch. Oft haben die Nieren dann bereits einen Teil ihrer Funktion eingebüßt, können den Harn nicht mehr ausreichend konzentrieren und harnpflichtige Stoffe weniger gut ausscheiden.

Proteine und Nieren stehen in einem engen Zusammenhang. Wir müssen nun einen kurzen Ausflug in die Biochemie unternehmen. Fleisch enthält viel Eiweiß, Mineralstoffe, Aminosäuren und anderes, was die Katze unbedingt benötigt (unter anderem Taurin und Arachidonsäure, die der Körper nicht selbst produzieren kann). Ein hoher Proteingehalt korreliert mit einem hohen Phosphorgehalt (vor allem in magerem Rindfleisch). Das Element Phosphor ist in Phosphat gebunden. Und Phosphat belastet zusammen mit dem Stickstoff aus den Eiweißen die Katzennieren, weil es dem Körper Flüssigkeit entzieht und den Organismus übersäuert. Phosphor wird von gesunden Nieren mit dem Urin „entsorgt“. Sind die Nieren jedoch beeinträchtigt, kann Phosphat nicht ausgeschieden werden und bringt den Mineralstoffhaushalt durcheinander.

Häufig wird von Tierärzten für nierenkranke Katzen eine eiweißarme Ernährung empfohlen und entsprechendes Diätfutter verkauft. Der Gedanke dahinter: Wenig Eiweiß enthält wenig Stickstoff und Phosphat, eine eiweißarme Ernährung soll also die Nieren schonen. Doch das ist ein Trugschluss: In derartigen Diäten werden die tierischen Eiweiße meist durch pflanzliche Bestandteile ersetzt. Doch Getreide und andere Pflanzen stehen nicht auf dem Speiseplan von Katzen, ihre Fütterung ist alles andere als gesund.

Sie sehen also: Katzen benötigen eine hochwertige proteinhaltige Nahrung aus tierischen Bestandteilen, da ihr Energiestoffwechsel eiweißbasiert ist. Auch bei nierenkranken Katzen sollte man keinesfalls den Eiweißgehalt reduzieren und durch pflanzliche Füllstoffe ersetzen, da es in der Folge zu kohlenhydratbedingten Erkrankungen vor allem der Bauchspeicheldrüse kommen kann!

Fütterung nierenkranker Katzen

Gesunde Nahrung muss für Katzen ein ausgewogenes Calcium-Phosphor-Verhältnis aufweisen, idealerweise 1,15:1 (also ein wenig mehr Calcium als Phosphor). In magerem Fleisch beträgt es oft nur 0,07:1, es ist also viel zu wenig Calcium enthalten – aus diesem Grund wird bei der Rohfütterung supplementiert, wenn Katzen nicht das natürliche Calcium aus Knochen und Knorpel des Beutetiers aufnehmen. Als Ballaststoff kann die Katze maximal 10 Prozent Pflanzenbestandteile „nutzen“, die sinnvollerweise gekocht werden, damit die Fasern aufgeschlossen werden. Wir müssen über tierische Bestandteile dafür sorgen, dass Katzen genügend Calcium aufnehmen. Eigentlich ist das ganz einfach: die Katze soll Knorpel und fleischige Knochen erhalten (die Maus wird ja ebenfalls mit ihren calciumhaltigen Bestandteilen gefressen)! Diese müssen allerdings roh gegeben werden, denn nur dann splittern sie nicht und sind unschädlich. Da Knochengewebe jedoch (zusätzlichen) Phosphor enthält, muss besonders bei der nierenkranken Katze darauf geachtet werden, dass sie nicht zu viel Knochenmaterial erhält. Es ist in diesem Fall (und generell bei älteren Katzen) besser, den Calciummangel im Fleisch durch Eierschalenmehl oder Algenkalk auszugleichen und auf fettreiche Fleischsorten umzusteigen, denn fettreiches Fleisch enthält weniger Phosphor.

Die beste Nahrung für Katzen ist die Rohfütterung – das gilt auch für nierenkranke Katzen. Da diese Nahrung das „ganze Beutetier“ imitiert, gehören auch Muskelfleisch, Innereien, Bindegewebe wie Haut und Haar, ein kleiner pflanzlicher Anteil (die Maus ist Vegetarier und die Katze frisst den fermentierten Mageninhalt mit) und ergänzende Öle und Mineralien dazu. Nierenkranke Katzen sollten phosphatarme Fleisch- und Fischsorten erhalten, damit auch Calcium nur sparsam „aufgefüllt“ werden muss. Rohfütterung ist daher nicht so einfach wie das Öffnen einer Dose, aber wirklich schwierig ist es nach einer guten Beratung nicht.

Wie sehen die Möglichkeiten neben der Rohfütterung aus? Eins ist besonders wichtig: Nassfutter! Besonders wenn die Nieren bereits geschädigt sind, ist Trockenfutter tabu (auch die meisten Diätfuttermittel sind daher ungünstig). Bei der Auswahl des Feuchtfutters sollte man auf einen hohen Fleischanteil von mindestens 85 Prozent achten. Katzennahrung besteht häufig aus kostengünstigem Rindfleisch. Da dies oft hohe Phosphatwerte aufweist, sind andere Fleischarten wie Lamm oder Geflügel geeigneter für nierenkranke Katzen (alternativ kann man auch tierische Fette dazu geben). Vorsicht bei der Futterwahl: Schaut man sich die Deklaration von Katzenfutter an, stellt man fest, dass in vielen Sorten mit „Wild“, „Fisch“, „Geflügel“… der Hautbestandteil Rind ist. Nur vier Prozent der aufgedruckten Bezeichnung müssen tatsächlich aus der aufgedruckten Eiweißquelle bestehen!

Da der Katzenorganismus auf häufige kleine Mahlzeiten eingerichtet ist, sollte sich dies auch in den Fütterungsintervallen widerspiegeln. Statt zweimal täglich größere Mengen zu geben, ist eine viermalige Fütterung auch für Berufstätige gut zu bewerkstelligen (nach dem Aufstehen – bevor man aus dem Haus geht oder eine Fütterung mittags mittels Futterspender – wenn man nach Hause kommt – vor dem Schlafengehen). Das Trinken sollte schmackhaft gemacht werden durch mehrere Wasserstellen entfernt vom Futterplatz, attraktive Gestaltung in Form von Trinkbrunnen oder durch Zugabe von einigen Tropfen laktosefreier Milch oder ungewürzter Fleischbrühe. Regenwasser wird meist lieber getrunken als kalkhaltiges oder gechlortes Leitungswasser, und selbst der „Frischegrad“ kann einen Unterschied machen (manche Katzen trinken erst, wenn das Wasser einen Tag abgestanden ist).

Eine gute Ernährungsberatung, beispielsweise durch einen Tierheilpraktiker, ist allerdings Grundlage jeder Ernährungsumstellung! Zusätzlich können homöopathische Mittel die Nierenfunktion unterstützen. Alternativ kann man nach Beratung durch den Tierarzt sogenannte „Phosphatbinder“ einsetzen. „Ipakitine“ ist calciumbasiert, darf daher nicht mit einer calciumangereicherten Nahrung gegeben werden. Andere Wirkstoffe, beispielsweise Lanthancarbonat, bringen den Mineralstoffwechsel nicht ins Ungleichgewicht und sind daher vorzuziehen. Diese Nahrungsergänzung kommt auch infrage, wenn die Katze wirklich nichts Anderes als Trockenfutter zu sich nehmen mag.

Zur Autorin:

Andrea C. Schäfer ist Tierheilpraktikerin und Tierpsychologin: www.thp-schaefer.de
Erstveröffentlichung in „Pfotenhieb“ 5, Cadmos-Verlag